Das Kompetenzzentrum Naturschutz und Energiewende (KNE) hat vier internationale Studien zu Solarparks ausgewertet und Empfehlungen für eine fledermausfreundliche Planung veröffentlicht.
Das Kompetenzzentrum Naturschutz und Energiewende (KNE) hat eine neue Publikation zu den Auswirkungen von Solarparks auf Fledermäuse veröffentlicht. Darin vergleicht das KNE vier begutachtete wissenschaftliche Studien aus England, Ungarn und Frankreich, die vor dem 1. Mai 2026 in Fachzeitschriften erschienen sind. Untersucht wurden Fledermausarten, die auch in Deutschland vorkommen.
Laut dem KNE liefern die ausgewerteten Arbeiten erste belastbare Erkenntnisse darüber, wie Fledermäuse Solarparks nutzen und welche Folgen die Anlagen für die Tiere haben können. Demnach dienen Solarparks Fledermäusen grundsätzlich als Lebensraum. Gleichzeitig zeigen die Untersuchungen, dass sich die Qualität der Jagdhabitate je nach Art unterscheiden kann.
Artenzahl durch PV nicht reduziertNach Angaben des KNE stellten die Forschenden in den Solarparks im Vergleich zu Referenzflächen oder angrenzenden Lebensräumen häufig eine geringere Rufaktivität sowie Veränderungen im Flug- und Nahrungsaufnahmeverhalten fest.
Die Zahl der nachgewiesenen Arten blieb dagegen in den meisten Fällen unverändert. Besonders in den zentralen Bereichen der Anlagen wurde eine geringere Aktivität einzelner Arten und Artengruppen beobachtet. Warum sich Fledermäuse dort anders verhalten, ist den Autorinnen und Autoren zufolge bislang nicht abschließend geklärt.
Die Publikation betont, dass sich die Auswirkungen von Solarparks nicht pauschal bewerten lassen. Vielmehr hingen sie von der jeweiligen Fledermausart, den Landschaftsstrukturen sowie der Ausgestaltung und Pflege der Anlagen ab. Deshalb seien art- und gildenspezifische Betrachtungen erforderlich.
Empfehlungen für die Planung von PV-ParksAus den ausgewerteten Studien leitet das KNE mehrere Empfehlungen für die Planung neuer Solarparks ab. So sollten Anlagen nach Möglichkeit auf Flächen errichtet werden, die sich nur eingeschränkt als Nahrungshabitat für Fledermäuse eignen. Als geeignete Standorte kommen laut den Autorinnen und Autoren beispielsweise intensiv genutzte, strukturarme Ackerflächen infrage, sofern dort oder in der näheren Umgebung keine bedeutenden Quartiere, Leitstrukturen oder hochwertigen Nahrungshabitate betroffen sind.
Darüber hinaus empfehlen die Studien eine naturnahe Gestaltung und Pflege der Anlagen. Nach Angaben des KNE können zusätzliche Strukturen wie Hecken sowie artenreiche Grünlandbestände die Lebensraumqualität für Fledermäuse verbessern. Solche Maßnahmen hätten sich bereits bei anderen Artengruppen bewährt und könnten deshalb mehrere Naturschutzziele gleichzeitig unterstützen.
Mehr Untersuchungen notwendigDie Autorinnen und Autoren weisen zugleich darauf hin, dass der Forschungsstand noch begrenzt ist. Für belastbare Aussagen über langfristige Auswirkungen auf Fledermauspopulationen seien standardisierte Vorher-Nachher-Untersuchungen mit Kontrollflächen erforderlich. Außerdem empfehlen sie, den Einfluss unterschiedlicher Anlagenkonzepte und Pflegeregime systematisch zu untersuchen sowie ein Monitoring nach einheitlichen Standards einzuführen.
Nach Einschätzung des KNE bilden die bisherigen Untersuchungen eine wichtige Grundlage für die weitere Forschung. Gleichzeitig zeige der Vergleich der Studien, wie komplex die Erfassung und Bewertung der Fledermausaktivität in Solarparks sei. Weitere wissenschaftliche Untersuchungen seien daher notwendig, um die Auswirkungen verschiedener Anlagenkonzepte besser bewerten und entsprechende Planungsgrundlagen entwickeln zu können.
Die
KNE-Publikation „Auswirkungen von Solarparks auf Fledermäuse“ steht als PDF zum Download bereit.
(sh)
Mittwoch, 15.07.2026, 11:39 Uhr
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