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Einer der großen ostdeutschen Gasnetzbetreiber hat jetzt genug von Glasfaser-Tiefbaufirmen, die angeblich grob fahrlässig sein Netz angraben: Er will sie in Regress nehmen.
Laut einer eigenen Schadensstatistik, aus der der große ostdeutsche Gas-Verteilnetzbetreiber NBB Netzgesellschaft Berlin-Brandenburg jetzt zitiert, geht angeblich hervor: Nicht einmal die Hälfte der Tiefbau-Unternehmen ist ihrer gesetzlichen Pflicht nachgekommen, vor Beginn der Planungen und Tiefbau-Arbeiten eine Leitungsauskunft einzuholen.
Dies sei umso unverständlicher, so die NBB, als deren Tochter Infrest Infrastruktur E-Straße kostenfrei über das Portal „Leico – Leitungs-check-online“ Informationen über zahlreiche deutsche Leitungs- und Infrastrukturbetreiber zur Verfügung stellt, oberirdische Schilder auf Gasleitungen hinweisen; und als die NBB interessierte Firmen bei größeren Breitband-Projekten ebenfalls kostenlos an der vorgesehenen Baustelle einweist − auf Anforderung, wenn sie denn kommt.
Laut der Unternehmensstatistik beläuft sich der Schaden durch unsachgemäße Tiefbauarbeiten von Firmen und Privatleuten am Gasnetz der Gasag-Tochter NBB auf knapp 900.000
Euro. Und er hat sich dem jüngsten Bauschadensbericht der VHV-Versicherungen zufolge zwischen 2015 und 2023 erhöht. Das NBB-Netz erstreckt sich nicht nur über Berlin und Teile Brandenburgs, sondern auch Teile Sachsens und Sachsen-Anhalts.
Insgesamt kamen im vergangenen Jahr 242 Rohrleitungsschäden zusammen. Häufigste Auslöser sind immer noch Baggerzugriffe, die in den NBB-Netzen in Berlin und in der Region jeweils über 135 Mal zu Störungen geführt haben und Kosten von gut 450.000 Euro verursachten.
Schadensursache Nummer zwei: „Erdraketen“Mit 33 Vorfällen sind aber sogenannte „Erdraketen“, die vor allem in der Region beim Breitbandausbau verwendet werden, zweithäufigste Ursache für kostenintensive Schäden am Gasnetz. Die dadurch entstandenen Kosten beliefen sich 2025 auf mehr als 162.000 Euro.
Erdraketen heißen offiziell „pneumatisch betriebener Verdrängungshammer“. Sie werden häufiger im Tiefbau eingesetzt, weil sie effektiv sind und die Vegetation schonen. Zur Leitungsverlegung müssen keine kompletten Baugräben mehr ausgehoben werden. Von der Startgrube ausgehend wird die Erdrakete bis zu 15
Meter durch das Erdreich getrieben, so dass eine Röhre entsteht, in die Leitungen in einem Arbeitsgang mit eingezogen werden.
Besteht vor dem Einsatz von Erdraketen keine ausreichende Kenntnis über die Lage vorhandener Infrastrukturleitungen im Erdreich oder werden die Arbeiten von unzureichend qualifiziertem Personal durchgeführt, kommt es oftmals zu Schäden.
So hatte in der Gemeinde Schönwalde/Glien im Landkreis Havelland der Einsatz einer Erdrakete beim Glasfaserausbau im März 2024 eine Kettenreaktion ausgelöst: Da die beschädigte Versorgungsleitung für Gas im Kreuzungsbereich dreier Straßen lag, musste die NBB zur Schadensbeseitigung an mehreren Stellen Baugruben ausheben lassen, um die Gasausfuhr zu stoppen und die Leitung zu reparieren. Das hatte unter anderem eine mehrtägige Beeinträchtigung des Straßenverkehrs zur Folge.
Eine Firma meinte, mit Panzertape sei es getanIn einem der jüngsten Fälle hatte die mit dem Glasfaserausbau beauftragte Firma den durch sie verursachten Gasaustritt sogar zu verschleiern versucht, indem sie das in der Leitung entstandene Loch mit Panzertape abdichtete. „Ein solches Verhalten ist nicht nur unprofessionell, sondern vor allem unverantwortlich“, betont Maik Wortmeier, Vorsitzender der NBB-Geschäftsführung. Da die NBB das Gasnetz rund um die Uhr digital und physisch überwacht, wurde der Schaden schnell entdeckt und behoben. Inzwischen hat die NBB juristische Schritte gegen die Verursacherfirmen eingeleitet.
Weitere Gründe, die zu Störungen in der Gasnetzinfrastruktur führen, sind Schacht- und Abrissarbeiten sowie der unsachgemäße Einsatz von handgeführten Werkzeugen wie Bohrhammer oder Trennschleifer.
„Die Häufigkeit von Leitungsschäden lässt sich vor allem mit der stetig steigenden Verdichtung der Leitungsinfrastruktur im Baugrund erklären“, steht im Bauschadensbericht der VHV-Versicherungen. Die unsachgemäße Bedienung von Baggern sei noch immer die führende Ursache bei Tiefbauschäden.
Freitag, 13.02.2026, 15:18 Uhr
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