Quelle: Katia Meyer-Tien
Eine Studie sieht flexible Biogaskraftwerke als wichtigen Beitrag für Versorgungssicherheit und niedrigere Strompreise. Gefordert werden unter anderem deutlich höhere Ausschreibungen.
Flexible Biogaskraftwerke können laut einer Studie der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) einen größeren Beitrag zur Versorgungssicherheit leisten als bislang vorgesehen. Die Metastudie „Hochflexible Biogas-Speicherkraftwerke“ ist auf dem Norddeutschen Biogas-Branchentreff am 28. Mai in Rendsburg vorgestellt worden. Die Studie beziffert den volkswirtschaftlichen und ökologischen Nutzen flexibilisierter Biogasanlagen und entwickelt eine Roadmap bis 2030.
Die Studie geht davon aus, dass die Bedeutung steuerbarer Kraftwerkskapazitäten nach dem Kohleausstieg zunimmt. Die Bundesnetzagentur erwartet laut Studie bis 2035 einen Bedarf von 21,5 bis 35,5 GW steuerbarer Leistung. Die Autoren kritisieren allerdings, dass biogene Gase seitens der Politik nicht ausreichend priorisiert werden.
Die Studie sieht zudem einen Widerspruch zwischen den europäischen Zielen und der deutschen Energiepolitik. Während die EU mit dem Programm „REPowerEU“ eine stärkere Nutzung erneuerbarer Gase anstrebe, fehle in Deutschland ein markt- und systemdienlicher Finanzierungsrahmen für Biogas und Biomethan.
Kritisch bewerten die Autoren insbesondere den Referentenentwurf zum Stromversorgungssicherheits- und Kapazitätsgesetz (StromVKG). Dieser schließe biogene Gase zwar nicht aus, priorisiere sie aber auch nicht gegenüber fossilem Erdgas. Auch die im Gebäudemodernisierungsgesetz (GMG) vorgesehene Grüngasquote greife nach Einschätzung der Studie zu spät und nur für Neuanlagen.
Kritik der Erneuerbaren-Verbände an BundespolitikUrsula Heinen-Esser, die Präsidentin des Bundesverbands Erneuerbare Energien, nutzte die Vorstellung, um Forderungen an die Bundespolitik zu richten − aber auch Kritik zu äußern. „Die Branche ist nervös“, sagte sie in Rensburg beim Branchentreff. „Weichenstellende“ Gesetzesvorhaben, insbesondere die EEG-Novelle und das StromVKG, seien immer noch nicht in Sicht. Heinen-Esser erklärte, Biogasanlagen seien ein zentraler Baustein für Versorgungssicherheit, Flexibilisierung und Klimaschutz. Sie forderte, gesicherte erneuerbare Leistung im StromVKG systematisch zu berücksichtigen und die EEG-Novelle mit deutlich höheren Ausschreibungsvolumina auszustatten.
Marcus Hrach, Geschäftsführer des LEE Schleswig-Holstein, verwies in seinem Grußwort auf die wirtschaftlichen Risiken fossiler Energieabhängigkeiten und bezeichnete heimische erneuerbare Energieträger als Voraussetzung für eine resilientere Energieversorgung. „Gerade vor dem Hintergrund zunehmender geopolitischer Spannungen ist es im Interesse Deutschlands und Europas zwingend erdorderlich, hemische steuerbare und krisenfeste Energieträger konsequent auszubauen.“ Flexible Biogasanlagen wären daher unverzichtbar. Das zeige nun auch die Studie eindrücklich.
Forderung nach höherem AusschreibungsvolumenDie Autoren der Studie empfehlen, wie auch die Branchenverbände, eine deutliche Ausweitung der Ausschreibungen für flexibilisierte Biogasanlagen. Das jährliche Ausschreibungsvolumen solle auf 3,2 GW erhöht werden. Bis 2030 könnten dadurch 12,6 GW flexibilisierte Biogaskraftwerksleistung aufgebaut werden.
Den daraus resultierenden volkswirtschaftlichen Nutzen beziffert die Studie auf mindestens 7,8 Milliarden Euro pro Jahr. Darin enthalten seien strompreisdämpfende Effekte und Einsparungen fossiler Energieträger. Die Kosten für Marktprämie, Flexibilitätszuschlag und eine zusätzliche Speicherkapazitätsprämie lägen laut Studie bei maximal 5,3 Milliarden Euro jährlich.
Da flexible Biogaskraftwerke insbesondere in Dunkelflauten fossile Erdgasreserven ersetzen und teure Strompreisspitzen vermeiden können, fordert die Studie einen zusätzlichen „Speicherkapazitätszuschlag“ im EEG. Anlagen sollten künftig über ausreichend große Gasspeicher verfügen, um Strom auch während längerer Dunkelflauten bereitstellen zu können. Die Autoren empfehlen Speicherkapazitäten für mindestens 80, idealerweise 160 Stunden Volllastbetrieb.
Im Wärmesektor sieht die Studie Einsatzmöglichkeiten für Biogas und Biomethan vor allem in Nahwärmenetzen und bei industrieller Prozesswärme. Langfristig würden erneuerbare Gase insbesondere in schwer elektrifizierbaren Bereichen benötigt. Die Autoren fordern deshalb, Biogas stärker in die Kraftwerksstrategie der Bundesregierung einzubinden und die politischen Rahmenbedingungen anzupassen.
Die
FAU Biogasstudie 2026 ist auf der Webseite der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) als PDF verfügbar.
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Die FAU-Studie als PDF. Zur Vollansicht auf die Grafik klicken Quelle: FAU |
Donnerstag, 28.05.2026, 15:28 Uhr
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