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Agora Verkehrswende und die Stiftung Klimaneutralität empfehlen der Bundesregierung, die geplante E-Auto-Förderung auf niedrigere Einkommen und günstigere Fahrzeuge zu konzentrieren.
Die Bundesregierung sollte die geplante Förderung für privat finanzierte Elektroautos stärker sozial staffeln und auf vollelektrische Fahrzeuge begrenzen. Das empfehlen die Denkfabriken Agora Verkehrswende und Stiftung Klimaneutralität in einem Politikpapier. Es basiert auf einer repräsentativen Umfrage unter potenziellen Autokäuferinnen und -käufern sowie auf einem Rechtsgutachten zur Ladeinfrastruktur.
Nach Ansicht der Organisationen sollte sich die Förderung vor allem an Personen mit einem Bruttoeinkommen bis 4.000 Euro pro Monat richten und auf vollelektrische Fahrzeuge mit einem Kaufpreis bis rund 60.000 Euro begrenzt werden.
Neben Kaufprämien schlagen die Thinktanks vor, auch Kreditfinanzierungs- und Leasingmodelle in die Förderung einzubeziehen.
Perspektivisch sollte dies möglichst bald auch für Gebrauchtwagen gelten. Flankierend seien Maßnahmen notwendig, die den Zugang zu Ladeinfrastruktur erleichtern, mehr Transparenz bei Ladepreisen schaffen und das Vertrauen in Elektromobilität stärken.
Bund plant drei Milliarden Euro FörderungEnde November hatten sich CDU/CSU und SPD im Koalitionsausschuss auf ein Förderpaket in Höhe von drei Milliarden Euro verständigt. Dieses soll laut Bundesregierung insbesondere Haushalte mit kleinen und mittleren Einkommen beim Kauf und Leasing von reinen Elektro- und Plug-in-Hybrid-Fahrzeugen unterstützen.
Vorgesehen ist eine Basisförderung von 3.000
Euro pro Fahrzeug für Privathaushalte mit einem zu versteuernden Jahreseinkommen unter 80.000
Euro. Zusätzliche Fördermöglichkeiten sollen sich an der Zahl der Kinder orientieren. Die konkrete Ausgestaltung des Programms bereiten die zuständigen Ressorts derzeit vor.
Christian Hochfeld, Direktor von Agora Verkehrswende, sieht darin einen wichtigen Schritt, hält die Pläne aber für unzureichend. Für den Hochlauf der Elektromobilität brauche es ein schlüssiges Gesamtkonzept. Aus industrie- und klimapolitischer Sicht ergebe es laut Hochfeld keinen Mehrwert, Plug-in-Hybride zu fördern. Die Mittel sollten konsequent auf vollelektrische Antriebe konzentriert werden.
Hochpreisige Autos brauchen keine Förderung
Thomas Losse-Müller, Direktor der Stiftung Klimaneutralität, verweist auf die weiterhin höheren Anschaffungskosten von Elektrofahrzeugen im Vergleich zu Verbrennern. Staatliche Förderprogramme könnten diese Lücke vorübergehend schließen, insbesondere für Haushalte mit niedrigen und mittleren Einkommen.
Nach Einschätzung der Stiftung kaufen diese Haushalte vor allem Fahrzeuge in niedrigeren Preissegmenten, in denen Elektroautos bei den Gesamtkosten häufig noch teurer sind als vergleichbare Verbrenner. In Preisklassen über 60.000
Euro seien Elektrofahrzeuge dagegen oft bereits günstiger, sodass dort keine zusätzliche staatliche Förderung erforderlich sei. Gleichzeitig halten die Denkfabriken eine Staffelung nach Fahrzeugkaufpreis für sinnvoll, da die Preisunterschiede zwischen Elektro- und Verbrennermodellen in kleineren und mittleren Segmenten besonders groß seien.
Gebrauchtwagenmarkt fokussierenEine schnelle Ausweitung der Förderung auf gebrauchte Elektro-Pkw bewerten die Organisationen ebenfalls als wichtig. Gebrauchtwagen hätten im Privatmarkt einen hohen Stellenwert, zugleich sei die Zahlungsbereitschaft für Elektrofahrzeuge dort stärker einkommensabhängig. Einheitliche Standards zur Bewertung der Batteriequalität könnten nach Einschätzung der Thinktanks zusätzlich zur Stabilisierung des Marktes beitragen.
Auch den Ausbau der Ladeinfrastruktur sehen Agora Verkehrswende und Stiftung Klimaneutralität als zentralen Hebel. Die Kaufbereitschaft steige deutlich, wenn eine private Lademöglichkeit vorhanden sei, was bislang vor allem auf Einfamilienhäuser zutreffe. Gleichzeitig plädieren die Organisationen für weniger bürokratische Hürden beim Ausbau von Ladepunkten in Mehrfamilienhäusern sowie für mehr Wettbewerb und Transparenz beim öffentlichen Laden. Eine Markttransparenzstelle könnte nach ihren Angaben helfen, bestehende Regeln durchzusetzen und Ladepreise besser vergleichbar zu machen.
Die dem Politikpapier zugrunde liegende Umfrage zeigt, dass 47
Prozent der Befragten einem Elektro-Pkw grundsätzlich offen gegenüberstehen, während 43
Prozent noch unentschlossen oder skeptisch sind. Häufig genannte Gründe für Zurückhaltung sind Unsicherheiten bei Technik und Batterielebensdauer sowie offene Fragen zur Alltagstauglichkeit. Vor diesem Hintergrund empfehlen die Thinktanks zusätzliche Informationsangebote, insbesondere im Fahrzeughandel.
Das
Politikpapier zur Elektromobilität von Agora Verkehrswende und Stiftung Klimaneutralität steht im Internet bereit.
Mittwoch, 14.01.2026, 14:43 Uhr
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