Entwickelt ein KI-gestütztes virtuelles Kraftwerk: das Projektteam von Enercity und Kraken. Quelle: Enercity / Jannis Bach
Der Energiekonzern Enercity und der IT-Dienstleister Kraken wollen Erzeugungsanlagen, Speicher und flexible Verbraucher in einem virtuellen Kraftwerk bündeln.
„Neue Geschäfts- und Erlösmodelle dank flexibler Vermarktungsoptionen“ – darauf zielt eine strategische Partnerschaft, die Enercity und Kraken eingegangen sind. Der hannoversche Energiekonzern und das IT-Unternehmen, das im Herbst vergangenen Jahres von der britischen Gruppe Octopus Energy abgespalten wurde, wollen zusammen ein virtuelles Kraftwerk entwickeln.
Enercity bringe dafür sein Portfolio aus Strom- und Wärmeerzeugungsanlagen ein. Kraken steuere die technologische Plattform, Erfahrungen bei der Aggregation dezentraler Anlagen sowie den Zugang zu europäischen Energiemärkten bei, heißt es in einer Mitteilung aus Hannover.
Die beiden Unternehmen verweisen auf die Komplexität der Vermarktung dezentraler Erzeugungsanlagen und derzeit begrenzten Optionen. Heterogene IT-Strukturen und fehlende digitale Prozesse erschwerten die Teilnahme kleinerer Anlagen an Flexibilitäts- und Kurzfristmärkten.
„Zentrales Element der Transformation“
„In einer dynamischen und multifunktionalen Energielandschaft bedarf es effizienter Steuerungsinstrumente. Ohne digitale Prozesse, Echtzeitdaten, automatisierte Prognosen und intelligente Algorithmen wird man diese Komplexität nicht beherrschen“, erläutert Jean Baptiste Cornefert, Bereichsleiter Trading & Energy Markets bei Enercity, die Partnerschaft. Virtuelle Kraftwerke seien „nicht nur ein technisches Instrument, sondern ein zentrales Element der Transformation hin zu einem resilienten und effizienten Energiesystem“.
Nach Angaben der Partner soll das virtuelle Kraftwerk in Echtzeit entscheiden können, ob Strom direkt vermarktet, in Batteriespeichern gespeichert oder über Power-to-Heat-Anwendungen in Wärme umgewandelt wird. „Damit lösen wir die zentrale Herausforderung, vor die uns Volatilität stellt: Wir machen Energie dann nutzbar, wenn der Markt sie braucht – das virtuelle Kraftwerk ist somit das Herzstück der Sektorenkopplung“, kommentiert Cornefert.
Geplant sind Anwendungen in der Direktvermarktung erneuerbarer Energien, der Flexibilitätsvermarktung von Batteriespeichern, der Teilnahme an Regelenergiemärkten sowie der Optimierung von Kraft-Wärme-Kopplungs-Anlagen (KWK) für die Fernwärmeversorgung. „Die Energiewende braucht skalierbare digitale Lösungen, die Komplexität beherrschbar machen“, wird Charlotte Johnson, General Manager of Flexibility, bei Kraken zitiert. Gemeinsam mit Enercity zeige man, wie virtuelle Kraftwerke „spürbare Mehrwerte schaffen – für alle Marktteilnehmenden.“
Freitag, 5.06.2026, 15:25 Uhr
Manfred Fischer
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