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Die Deutsche Umwelthilfe hat eine Analyse zum Stromnetzgeschäft des Energieunternehmens Eon vorgelegt. Darin kritisiert sie deren Renditemodelle und politische Interessenkonflikte.
Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) hat am 5. März eine Analyse zum Geschäftsmodell des Energiekonzerns Eon vorgestellt. Darin untersucht die Organisation aus Berlin, wie Renditeanreize von Netzbetreibern den Ausbau der Energiewende beeinflussen und welche Folgen sich daraus für Verbraucher ergeben können.
Im Mittelpunkt der Untersuchung steht der Energiekonzern Eon mit Sitz in Essen. Das Unternehmen gehört zu den größten Energieversorgern Europas und betreibt in Deutschland zahlreiche Strom- und Gasverteilnetze, auch über zahlreiche Tochtergesellschaften.
Die DUH sieht insbesondere im derzeitigen Regulierungsrahmen für Netzbetreiber ein strukturelles Problem. Nach Angaben der Organisation können Unternehmen wie Eon trotz regulatorisch festgelegter Eigenkapitalverzinsung höhere Renditen erzielen. Grundlage dafür sei der sogenannte Leverage-Effekt, bei dem Investitionen teilweise über Fremdkapital finanziert werden. Wenn Netzbetreiber Kredite zu günstigeren Konditionen aufnehmen als in der Regulierung angenommen, könne die tatsächliche Eigenkapitalrendite deutlich über den vorgesehenen Werten liegen, erklärt die DUH.
Die Organisation befürchtet, dass langfristige Investitionen in energiewenderelevante Infrastruktur dadurch an Bedeutung verlieren. Dies betreffe unter anderem Smart Grids, Flexibilitätslösungen oder Energiespeicher. Gleichzeitig würden Kosten teilweise über die Netzentgelte auf die Kunden umgelegt, „Verbraucher finanzieren indirekt hohe Konzernrenditen“, befürchtet die DUH.
NEST-Reform beeinflusst?
Vor diesem Hintergrund verweist die DUH auf die laufende Reform des Regulierungsrahmens durch die Bundesnetzagentur, die seit 2024 im Projekt „Netze. Effizient. Sicher. Transformiert.“ (NEST) das bestehende System überprüft. Da Eon einen großen Teil seines Umsatzes mit Netzbetrieb erzielt, beobachte die Organisation vermehrte Stellungnahmen und politische Aktivitäten des Konzerns und seiner Tochterunternehmen im Zusammenhang mit dieser Reform.
Ein weiterer Schwerpunkt der Analyse betrifft den Rollout intelligenter Messsysteme. Für den verpflichtenden Einbau sind in den jeweiligen Netzgebieten in der Regel sogenannte grundzuständige Messstellenbetreiber zuständig, häufig Tochtergesellschaften der Verteilnetzbetreiber. Derzeit laufe eine politische Diskussion darüber, ob Verteilnetzbetreiber künftig stärker für den verpflichtenden Smart-Meter-Rollout verantwortlich sein sollen.
Messstellenkonzentration befürchtet
Die DUH ist dagegen, weil sie eine stärkere Marktkonzentration befürchtet, wenn Netzbetreiber zugleich Messstellenbetreiber bleiben. Als Beispiel verweist die Organisation auf den Netzbetreiber Westnetz, eine Tochter von Eon. Aufgrund der Größe des Unternehmens übernimmt Westnetz in mehreren Bundesländern schon heute Aufgaben als sogenannter Auffangmessstellenbetreiber, wenn kein anderer Anbieter tätig wird.
Die Organisation kritisiert zudem frühere Preismodelle beim Einbau intelligenter Messsysteme. So habe Westenergie im Jahr 2025 Einmalzahlungen von rund 900 Euro für bestimmte Installationen verlangt. Die Bundesnetzagentur sieht jedoch maximale jährliche Entgelte von rund 100 Euro vor. Ein Gericht habe diese Praxis inzwischen untersagt, erklärt die DUH unter Verweis auf ein Urteil des Landgerichts Bochum.
Politischer Einfluss in Berlin thematisiert
Neben regulatorischen Fragen thematisiert die Analyse auch mögliche Interessenkonflikte in der Energiepolitik. Die DUH verweist dabei auf die Rolle von Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU). Reiche war zuvor Vorstandsvorsitzende der Westenergie. Laut der Organisation könnten einzelne politische Maßnahmen insbesondere Eon und deren Netzgesellschaften zugutekommen.
Neben dem Smart-Meter-Rollout steht der Ausbau steuerbarer Kraftwerkskapazitäten im Fokus. Nach Einschätzung der DUH sollten solche Kapazitäten technologieoffen ausgeschrieben werden, damit neben Gaskraftwerken auch Speichertechnologien zum Zuge kommen können.
Aus ihrer Analyse leitet die Organisation mehrere Forderungen ab. Dazu zählt eine strengere Begrenzung der effektiven Eigenkapitalrendite von Netzbetreibern sowie eine Reform der Netzentgeltregulierung. Zudem fordert die Organisation stärkere Anreize für Investitionen in intelligente Netze, Speicher und Flexibilitätsoptionen.
Darüber hinaus spricht sich die DUH dafür aus, den Wettbewerb im Messstellenbetrieb zu sichern. Niedrige Markteintrittsbarrieren und diskriminierungsfreier Netzzugang seien Voraussetzung, damit kleinere Anbieter weiterhin in den Markt eintreten könnten.
Nach Ansicht der DUH entscheidet sich am Ausbau der Stromnetze ein wesentlicher Teil der Energiewende. Die Regulierung müsse daher so ausgestaltet sein, dass Investitionen in die Transformation des Energiesystems möglich bleiben und gleichzeitig die Kosten für die Verbraucher begrenzt werden, fordert die Organisation.
Donnerstag, 5.03.2026, 16:15 Uhr
Susanne Harmsen
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