E&M exklusiv Newsletter:
E&M gratis testen:
Energie & Management > Stromnetz - Das Steuern verlässt die Pilotphase
Quelle: Davina Spohn
Stromnetz

Das Steuern verlässt die Pilotphase

Das Steuern von Anlagen in der Niederspannung kommt im Produktivbetrieb an. Es gibt allerdings noch Hindernisse, wie in einem Beitrag in Energie & Management zu lesen ist.
Beim Steuern über intelligente Messsysteme mehren sich die Meldungen aus dem produktiven Betrieb. Thüga Smart Service hat im August nach eigenen Angaben die ersten fünf Messstellenbetreiber mit seinem CLS-Management in den Livebetrieb gebracht. Bis Ende des Jahres sollen insgesamt 40 Produktivsetzungen folgen. Auch Metrify meldet Fortschritte: Der Messstellenbetreiber aus der Enpal-Gruppe hatte Ende Juni gemeinsam mit Partnern die Installation von 10.000 intelligenten Messsystemen mit integrierter CLS-Steuerlösung bekannt gegeben. Für 2026 sind 70.000 Smart Meter Gateways mit Steuerungsfunktion geplant.

Eine durchgängige Prozesskette digital und massentauglich abzubilden, ist nun die Herausforderung − bis in die Abrechnungssysteme und Marktkommunikation hinein. Damit verschiebt sich der Engpass zunehmend von der Hardware zu den Prozessen. Die Gerätehersteller könnten inzwischen mit Recht darauf verweisen, dass Steuerungstechnik verfügbar sei und funktioniere, sagt Frank Hirschi, Manager bei der Horizonte-Group. „Aufseiten der Messstellenbetreiber liegt die Herausforderung inzwischen weniger in der grundsätzlichen Verfügbarkeit der Steuerungstechnik als in der Integration in durchgängige End-to-End-Prozesse und die bestehenden Backend-Systeme“, so Hirschi im Gespräch mit E&M.
 
Prozessprobleme und schlechte Datenqualität bremsen
 
Wie groß die Lücke noch ist, zeigen vorläufige Ergebnisse des „HG-Marktblicks 2026“ der Horizonte-Group. Demnach haben 61 Prozent der befragten Messstellenbetreiber noch keine Steuerungseinrichtung produktiv im Einsatz. Rund 70 Prozent befinden sich noch in Labortest, MVP oder Pilotierung. Besonders häufig nannten die Teilnehmer Prozessprobleme und Schwierigkeiten mit der Datenqualität. Die Berater sehen deshalb Ende-zu-Ende-Prozesse und Backend als kritischen Pfad und prognostizieren erst 2027 als entscheidendes Skalierungsjahr.

Dass vor allem ERP- und Abrechnungssysteme den Fortschritt bremsen, hat laut Benjamin Meyer vom IT-Dienstleister Kisters auch historische Gründe. Die Anbieter dieser Systeme hätten in den vergangenen Jahren zahlreiche andere regulatorische und technische Großprojekte bewältigen müssen. Und das Steuern habe lange hinter dem stockenden Mess-Rollout zurückgestanden und sei erst mit dem Solarspitzengesetz im Februar 2025 wirklich zur Priorität geworden, so Meyer im Gespräch mit E&M.

In Bestandsanlagen dominiere allerdings häufig noch die Relaistechnik, die zusätzliche Verdrahtung benötigt und nur ein vierstufiges Schalten ermögliche. Für solche Anlagen seien inzwischen Lösungen verfügbar, die digitale Befehle in Relaissignale übersetzen. Meyer ist deshalb überzeugt: „Es gibt jedenfalls keinen Grund, beim Steuer-Rollout zu warten.“ Zugleich betont er: „Unser eigentliches Zielbild ist aber die digitale Schnittstelle.“ Über standardisierte Protokolle wie EEBus lassen sich Leistungsgrenzen für ein stufenloses Steuern vorgeben und Rückmeldungen digital verarbeiten.

Langfristig dürfte es darauf hinauslaufen, Verbrauch und Einspeisung stärker gemeinsam zu betrachten. VDE FNN hat dafür im Mai ein Zielbild vorgelegt, nach dem Steuerungsmaßnahmen möglichst am Netzanschlusspunkt ansetzen sollen. Dies soll parallele Regelungsregime vereinfachen und Energiemanagementsystemen mehr Spielraum für die Optimierung der Kunden hinter dem Netzanschlusspunkt lassen. (fw)

Einen ausführlichen Beitrag zum Steuern lesen Sie in der Print-Ausgabe von Energie & Management vom 1. Oktober 2026.

Montag, 28.09.2026, 17:44 Uhr
Fritz Wilhelm
Energie & Management > Stromnetz - Das Steuern verlässt die Pilotphase
Quelle: Davina Spohn
Stromnetz
Das Steuern verlässt die Pilotphase
Das Steuern von Anlagen in der Niederspannung kommt im Produktivbetrieb an. Es gibt allerdings noch Hindernisse, wie in einem Beitrag in Energie & Management zu lesen ist.
Beim Steuern über intelligente Messsysteme mehren sich die Meldungen aus dem produktiven Betrieb. Thüga Smart Service hat im August nach eigenen Angaben die ersten fünf Messstellenbetreiber mit seinem CLS-Management in den Livebetrieb gebracht. Bis Ende des Jahres sollen insgesamt 40 Produktivsetzungen folgen. Auch Metrify meldet Fortschritte: Der Messstellenbetreiber aus der Enpal-Gruppe hatte Ende Juni gemeinsam mit Partnern die Installation von 10.000 intelligenten Messsystemen mit integrierter CLS-Steuerlösung bekannt gegeben. Für 2026 sind 70.000 Smart Meter Gateways mit Steuerungsfunktion geplant.

Eine durchgängige Prozesskette digital und massentauglich abzubilden, ist nun die Herausforderung − bis in die Abrechnungssysteme und Marktkommunikation hinein. Damit verschiebt sich der Engpass zunehmend von der Hardware zu den Prozessen. Die Gerätehersteller könnten inzwischen mit Recht darauf verweisen, dass Steuerungstechnik verfügbar sei und funktioniere, sagt Frank Hirschi, Manager bei der Horizonte-Group. „Aufseiten der Messstellenbetreiber liegt die Herausforderung inzwischen weniger in der grundsätzlichen Verfügbarkeit der Steuerungstechnik als in der Integration in durchgängige End-to-End-Prozesse und die bestehenden Backend-Systeme“, so Hirschi im Gespräch mit E&M.
 
Prozessprobleme und schlechte Datenqualität bremsen
 
Wie groß die Lücke noch ist, zeigen vorläufige Ergebnisse des „HG-Marktblicks 2026“ der Horizonte-Group. Demnach haben 61 Prozent der befragten Messstellenbetreiber noch keine Steuerungseinrichtung produktiv im Einsatz. Rund 70 Prozent befinden sich noch in Labortest, MVP oder Pilotierung. Besonders häufig nannten die Teilnehmer Prozessprobleme und Schwierigkeiten mit der Datenqualität. Die Berater sehen deshalb Ende-zu-Ende-Prozesse und Backend als kritischen Pfad und prognostizieren erst 2027 als entscheidendes Skalierungsjahr.

Dass vor allem ERP- und Abrechnungssysteme den Fortschritt bremsen, hat laut Benjamin Meyer vom IT-Dienstleister Kisters auch historische Gründe. Die Anbieter dieser Systeme hätten in den vergangenen Jahren zahlreiche andere regulatorische und technische Großprojekte bewältigen müssen. Und das Steuern habe lange hinter dem stockenden Mess-Rollout zurückgestanden und sei erst mit dem Solarspitzengesetz im Februar 2025 wirklich zur Priorität geworden, so Meyer im Gespräch mit E&M.

In Bestandsanlagen dominiere allerdings häufig noch die Relaistechnik, die zusätzliche Verdrahtung benötigt und nur ein vierstufiges Schalten ermögliche. Für solche Anlagen seien inzwischen Lösungen verfügbar, die digitale Befehle in Relaissignale übersetzen. Meyer ist deshalb überzeugt: „Es gibt jedenfalls keinen Grund, beim Steuer-Rollout zu warten.“ Zugleich betont er: „Unser eigentliches Zielbild ist aber die digitale Schnittstelle.“ Über standardisierte Protokolle wie EEBus lassen sich Leistungsgrenzen für ein stufenloses Steuern vorgeben und Rückmeldungen digital verarbeiten.

Langfristig dürfte es darauf hinauslaufen, Verbrauch und Einspeisung stärker gemeinsam zu betrachten. VDE FNN hat dafür im Mai ein Zielbild vorgelegt, nach dem Steuerungsmaßnahmen möglichst am Netzanschlusspunkt ansetzen sollen. Dies soll parallele Regelungsregime vereinfachen und Energiemanagementsystemen mehr Spielraum für die Optimierung der Kunden hinter dem Netzanschlusspunkt lassen. (fw)

Einen ausführlichen Beitrag zum Steuern lesen Sie in der Print-Ausgabe von Energie & Management vom 1. Oktober 2026.

Montag, 28.09.2026, 17:44 Uhr
Fritz Wilhelm

Haben Sie Interesse an Content oder Mehrfachzugängen für Ihr Unternehmen?

Sprechen Sie uns an, wenn Sie Fragen zur Nutzung von E&M-Inhalten oder den verschiedenen Abonnement-Paketen haben.
Das E&M-Vertriebsteam freut sich unter Tel. 08152 / 93 11-77 oder unter vertrieb@energie-und-management.de über Ihre Anfrage.