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Energie & Management > Veranstaltung - BEE warnt vor Investitionsrisiken durch Netzregeln
Klaus Müller, Präsident der Bundesnetzagentur auf dem BEE-Netzkongress. Quelle: Susanne Harmsen
Veranstaltung

BEE warnt vor Investitionsrisiken durch Netzregeln

Auf dem BEE-Netzgipfel in Berlin haben Branchenvertreter und die Bundesnetzagentur über Netzausbau, Netzentgelte und Investitionssicherheit für erneuerbare Energien diskutiert.
BEE-Präsidentin Ursula Heinen-Esser erklärte, Netze und erneuerbare Energien müssten gemeinsam weiterentwickelt werden. Sie sprach auf dem Netzgipfel des Bundesverbands Erneuerbare Energie (BEE) am 2. Juni in Berlin. Erneuerbare Energien machten die Energieversorgung hierzulande sicherer und preiswerter, unterstrich sie.

Diese Erkenntnis vermisse sie teilweise in der politischen Diskussion, kritisierte Heinen-Esser. Und die BEE-Präsidentin schickte die Kritik auch an die Adresse ihrer Parteikollegen von der CDU. Die derzeit erarbeiteten Gesetzes- und Regulierungspakete böten aus ihrer Sicht erhebliche Chancen, die Rahmenbedingungen für die Energiewende zu verbessern. 

Netzausbau macht Fortschritte

Auch der Präsident der Bundesnetzagentur, Klaus Müller, verwies auf die anhaltenden Preisrisiken fossiler Energieträger. Gleichzeitig hob er Fortschritte beim Ausbau erneuerbarer Energien sowie beim Bau der Höchstspannungs-Stromautobahnen hervor. „Dies erhöht die Versorgungssicherheit und senkt die Kosten für Redispatch-Maßnahmen“, sagte Müller.

Besondere Bedeutung misst die Behörde künftig den Verteilnetzen bei. Dafür habe die Bundesnetzagentur im Prozess „Netze. Effizient. Sicher. Transformiert.“, kurz NEST, die Anreizregulierung für Netzbetreiber weiterentwickelt. Nach Angaben Müllers müssen insbesondere Netzanschlussverfahren schneller und verlässlicher werden, um industrielle Investitionen nicht zu bremsen. Dafür sei eine stärkere Digitalisierung erforderlich. Die Bundesnetzagentur werde hierzu Ende dieses Jahres einen „Atlas“ über den Stand veröffentlichen.

AgNES-Reform in der Diskussion

Zugleich steht die Reform der Netzentgelte auf der Agenda. Hintergrund ist ein Urteil des Europäischen Gerichtshofs aus dem Jahr 2021, wonach die bestehende deutsche Netzentgeltsystematik nicht mit europäischem Recht vereinbar ist. Die aktuellen Regelungen laufen Ende 2028 aus. Müller zufolge betrifft die Reform jährlich rund 37 Milliarden Euro an Netzkosten, die neu verteilt werden müssen.

Nach Angaben des Behördenpräsidenten soll die Finanzierung der Netze künftig stärker an die zunehmende dezentrale Stromerzeugung angepasst werden. Ziel sei eine gerechtere Verteilung der Kosten. Die Bundesnetzagentur wolle die neue Systematik gemeinsam mit Verbänden, Unternehmen und weiteren gesellschaftlichen Gruppen entwickeln und dabei ein rechtssicheres Modell schaffen, unterstrich Müller. Erste Entwürfe werden in diesem Sommer zur Konsultation gestellt, versprach er.

Dynamische Netzentgelte einführen

Eine wichtige Rolle im zukünftigen Stromsystem sieht Müller bei Batteriespeichern. „Wir lieben Batteriespeicher, wenn sie Teil der Lösung im Stromnetz sind“, umriss Müller. Aktuell gebe es aber keine Anreize, diese netzdienlich zu betreiben. Darüber hinaus kündigte er an, dass auch für Stromerzeuger bei der Beteiligung an Netzkosten künftig klare Grenzwerte gelten sollen, um Investitionen besser kalkulierbar zu machen.

Für ein flexibles Energiesystem seien nach Ansicht der Bundesnetzagentur nicht nur dynamische Strompreise, sondern auch dynamische Netzentgelte erforderlich. Voraussetzung dafür sei jedoch, dass Netzbetreiber sich künftig zeitgenauere Informationen über die aktuelle Auslastung ihrer Netze verschaffen.

Konsultationen der Netzentgelte

Müller kündigte an, die Bundesnetzagentur werde im Sommer erste Entwürfe der geplanten AgNES-Regelungen zur Konsultation vorlegen. Dabei wolle die Behörde fachliche Argumente auswerten und in ihre Vorschläge einarbeiten. Parallel dazu stehe sie im Austausch mit dem Bundeswirtschaftsministerium (BMWE), das derzeit unter anderem Änderungen am Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) und am Kraft-Wärme-Kopplungs-Gesetz (KWKG) vorbereitet. Nach Angaben Müllers soll eine möglichst schnelle Verabschiedung der neuen Regelungen Investoren und Behörden frühzeitig Planungssicherheit geben.

Die im sogenannten „Netzpaket“ des BMWE vorgesehenen Redispatch-Regeln wurden auf dem Kongress scharf kritisiert. Demnach soll es keine Entschädigungen für erneuerbaren Strom in Netzengpassgebieten mehr geben, wenn er nicht ins Netz passt. Das könnte den Ausbau erneuerbarer Energien erheblich erschweren, warnte Fritz Halla vom Beratungsunternehmen Enervis.

Fehlende Planbarkeit, schwer kalkulierbare Erlösrisiken und zusätzliche Netzkosten könnten nach seiner Einschätzung die Finanzierung vieler Wind- und Photovoltaikprojekte gefährden. Carolin Dähling, Politikleiterin von Green Planet Energy warnte vor „Projekten in Milliardenhöhe“, die für die Energiewende dringend nötig wären, aber unter diesen Bedingungen und ohne Netzanschluss ausblieben. Im Mittelpunkt der Konferenz stehen noch bis zum 3. Juni Fragen zur besseren Verzahnung von Netz- und Erneuerbaren-Ausbau.

Dienstag, 2.06.2026, 13:10 Uhr
Susanne Harmsen
Energie & Management > Veranstaltung - BEE warnt vor Investitionsrisiken durch Netzregeln
Klaus Müller, Präsident der Bundesnetzagentur auf dem BEE-Netzkongress. Quelle: Susanne Harmsen
Veranstaltung
BEE warnt vor Investitionsrisiken durch Netzregeln
Auf dem BEE-Netzgipfel in Berlin haben Branchenvertreter und die Bundesnetzagentur über Netzausbau, Netzentgelte und Investitionssicherheit für erneuerbare Energien diskutiert.
BEE-Präsidentin Ursula Heinen-Esser erklärte, Netze und erneuerbare Energien müssten gemeinsam weiterentwickelt werden. Sie sprach auf dem Netzgipfel des Bundesverbands Erneuerbare Energie (BEE) am 2. Juni in Berlin. Erneuerbare Energien machten die Energieversorgung hierzulande sicherer und preiswerter, unterstrich sie.

Diese Erkenntnis vermisse sie teilweise in der politischen Diskussion, kritisierte Heinen-Esser. Und die BEE-Präsidentin schickte die Kritik auch an die Adresse ihrer Parteikollegen von der CDU. Die derzeit erarbeiteten Gesetzes- und Regulierungspakete böten aus ihrer Sicht erhebliche Chancen, die Rahmenbedingungen für die Energiewende zu verbessern. 

Netzausbau macht Fortschritte

Auch der Präsident der Bundesnetzagentur, Klaus Müller, verwies auf die anhaltenden Preisrisiken fossiler Energieträger. Gleichzeitig hob er Fortschritte beim Ausbau erneuerbarer Energien sowie beim Bau der Höchstspannungs-Stromautobahnen hervor. „Dies erhöht die Versorgungssicherheit und senkt die Kosten für Redispatch-Maßnahmen“, sagte Müller.

Besondere Bedeutung misst die Behörde künftig den Verteilnetzen bei. Dafür habe die Bundesnetzagentur im Prozess „Netze. Effizient. Sicher. Transformiert.“, kurz NEST, die Anreizregulierung für Netzbetreiber weiterentwickelt. Nach Angaben Müllers müssen insbesondere Netzanschlussverfahren schneller und verlässlicher werden, um industrielle Investitionen nicht zu bremsen. Dafür sei eine stärkere Digitalisierung erforderlich. Die Bundesnetzagentur werde hierzu Ende dieses Jahres einen „Atlas“ über den Stand veröffentlichen.

AgNES-Reform in der Diskussion

Zugleich steht die Reform der Netzentgelte auf der Agenda. Hintergrund ist ein Urteil des Europäischen Gerichtshofs aus dem Jahr 2021, wonach die bestehende deutsche Netzentgeltsystematik nicht mit europäischem Recht vereinbar ist. Die aktuellen Regelungen laufen Ende 2028 aus. Müller zufolge betrifft die Reform jährlich rund 37 Milliarden Euro an Netzkosten, die neu verteilt werden müssen.

Nach Angaben des Behördenpräsidenten soll die Finanzierung der Netze künftig stärker an die zunehmende dezentrale Stromerzeugung angepasst werden. Ziel sei eine gerechtere Verteilung der Kosten. Die Bundesnetzagentur wolle die neue Systematik gemeinsam mit Verbänden, Unternehmen und weiteren gesellschaftlichen Gruppen entwickeln und dabei ein rechtssicheres Modell schaffen, unterstrich Müller. Erste Entwürfe werden in diesem Sommer zur Konsultation gestellt, versprach er.

Dynamische Netzentgelte einführen

Eine wichtige Rolle im zukünftigen Stromsystem sieht Müller bei Batteriespeichern. „Wir lieben Batteriespeicher, wenn sie Teil der Lösung im Stromnetz sind“, umriss Müller. Aktuell gebe es aber keine Anreize, diese netzdienlich zu betreiben. Darüber hinaus kündigte er an, dass auch für Stromerzeuger bei der Beteiligung an Netzkosten künftig klare Grenzwerte gelten sollen, um Investitionen besser kalkulierbar zu machen.

Für ein flexibles Energiesystem seien nach Ansicht der Bundesnetzagentur nicht nur dynamische Strompreise, sondern auch dynamische Netzentgelte erforderlich. Voraussetzung dafür sei jedoch, dass Netzbetreiber sich künftig zeitgenauere Informationen über die aktuelle Auslastung ihrer Netze verschaffen.

Konsultationen der Netzentgelte

Müller kündigte an, die Bundesnetzagentur werde im Sommer erste Entwürfe der geplanten AgNES-Regelungen zur Konsultation vorlegen. Dabei wolle die Behörde fachliche Argumente auswerten und in ihre Vorschläge einarbeiten. Parallel dazu stehe sie im Austausch mit dem Bundeswirtschaftsministerium (BMWE), das derzeit unter anderem Änderungen am Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) und am Kraft-Wärme-Kopplungs-Gesetz (KWKG) vorbereitet. Nach Angaben Müllers soll eine möglichst schnelle Verabschiedung der neuen Regelungen Investoren und Behörden frühzeitig Planungssicherheit geben.

Die im sogenannten „Netzpaket“ des BMWE vorgesehenen Redispatch-Regeln wurden auf dem Kongress scharf kritisiert. Demnach soll es keine Entschädigungen für erneuerbaren Strom in Netzengpassgebieten mehr geben, wenn er nicht ins Netz passt. Das könnte den Ausbau erneuerbarer Energien erheblich erschweren, warnte Fritz Halla vom Beratungsunternehmen Enervis.

Fehlende Planbarkeit, schwer kalkulierbare Erlösrisiken und zusätzliche Netzkosten könnten nach seiner Einschätzung die Finanzierung vieler Wind- und Photovoltaikprojekte gefährden. Carolin Dähling, Politikleiterin von Green Planet Energy warnte vor „Projekten in Milliardenhöhe“, die für die Energiewende dringend nötig wären, aber unter diesen Bedingungen und ohne Netzanschluss ausblieben. Im Mittelpunkt der Konferenz stehen noch bis zum 3. Juni Fragen zur besseren Verzahnung von Netz- und Erneuerbaren-Ausbau.

Dienstag, 2.06.2026, 13:10 Uhr
Susanne Harmsen

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