Die Gasaufbereitungsanlage des DBI -Gastechnologisches Institut gGmbH Freiberg im Energiepark Bad Lauchstädt. Quelle: Tom Schulze
Die Gasaufbereitung im Energiepark Bad Lauchstädt hat eine wichtige Sicherheitsprüfung bestanden. Damit rückt der Nachweis industrietauglicher Wasserstoffqualität näher.
Nach Angaben der Projektpartner, darunter Uniper, VNG und Ontras Gastransport, haben die wasserstoffführenden Anlagenteile der Gasaufbereitung im Energiepark Bad Lauchstädt die H2-Dichtheitsprüfung unter Begleitung des TÜV Thüringen bestanden. Damit kann die Anlage schrittweise in Betrieb gehen.
Die Prüfung gilt als wichtiger Schritt auf dem Weg zum industriellen Einsatz von grünem Wasserstoff, da viele Anwendungen hohe Anforderungen an dessen Reinheit stellen. Die Gasaufbereitung soll deshalb sicherstellen, dass der Wasserstoff am Übergabepunkt die erforderliche Qualität erreicht. Laut den Projektpartnern unterscheidet sich der Energiepark damit von vielen anderen Wasserstoffprojekten, die sich vor allem auf Erzeugung, Transport oder Speicherung konzentrieren.
Der Energiepark verbindet die gesamte Wertschöpfungskette von der Erzeugung über den Transport bis zur Nutzung und künftig auch zur Speicherung von grünem Wasserstoff. Ein 30-MW-Elektrolyseur soll den Wasserstoff künftig mit Strom aus einem benachbarten Windpark erzeugen. Über eine rund 25
Kilometer lange, für Wasserstoff umgestellte Leitung wird der Wasserstoff künftig zur Raffinerie von Totalenergies in Leuna transportiert. Vor der Einspeisung in die Leitung soll die Gasaufbereitungsanlage die erforderliche Reinheit des Wasserstoffs sicherstellen.
Die Gasaufbereitung verantwortet das DBI – Gastechnologisches Institut gGmbH Freiberg. Nach Angaben der Forschungseinrichtung entfernt die Anlage selbst kleinste Verunreinigungen aus dem Wasserstoff. Bei der Trocknung setzt das DBI auf eine Membrantechnologie. Anders als bei herkömmlichen Verfahren muss das Trocknungsmittel dafür nicht energieaufwendig durch Erhitzen regeneriert werden. Dadurch sinken laut DBI Energieverbrauch und Verschleiß des Trocknungsmittels.
Nach der Aufbereitung erreicht der Wasserstoff laut Unternehmen die höchste Reinheitsstufe (Gruppe D) nach dem DVGW-Regelwerk G 260. Sie verlangt einen Wasserstoffgehalt von mindestens 99,97
Prozent. Die Anlage kann bis zu 12.000
Normkubikmeter Wasserstoff pro Stunde aufbereiten.
DBI-Geschäftsführer Prof. Hartmut Krause bezeichnet die Anlage als wichtigen Baustein für den Hochlauf der Wasserstoffwirtschaft. Sie zeige im industriellen Maßstab, wie sich Feuchtigkeit, Schwefelverbindungen und Kohlenwasserstoffe aus Wasserstoff entfernen sowie die Gasqualität online überwachen lassen. Die gewonnenen Erkenntnisse könnten künftig für Wasserstoffnetze und Speicher genutzt werden.
Nach der bestandenen H2-Dichtheitsprüfung nimmt das DBI die Gasaufbereitungsanlage schrittweise in Betrieb. Zunächst läuft sie mit Stickstoff, anschließend mit Wasserstoff aus dem Elektrolyseur, sobald dieser kontinuierlich zur Verfügung steht. Die erste Wasserstoffproduktion erwarten die Projektpartner noch in diesem Jahr. Parallel laufen technische Prüfungen und Dichtigkeitsuntersuchungen an den Elektrolyse-Stacks. Als Reallabor soll der Energiepark Erfahrungen für den künftigen Wasserstoffhochlauf unter Praxisbedingungen liefern.
(ds)
Der Energiepark Bad Lauchstädt liegt rund 20 Kilometer südwestlich von Halle (Saale) in Sachsen-Anhalt. Es handelt sich um ein großtechnisches Reallabor für grünen Wasserstoff. Dort soll die gesamte Wertschöpfungskette von der Erzeugung über Speicherung, Transport und Vermarktung bis zur Nutzung abgebildet werden. Herzstück ist ein 30-MW-Elektrolyseur. Die erste Wasserstoffproduktion visieren die Projektpartner noch im laufenden Jahr an.
Der erzeugte Wasserstoff soll über eine umgestellte Erdgasleitung nach Leuna transportiert und perspektivisch auch in einer Salzkaverne gespeichert werden. Insgesamt investieren die Projektpartner 210 Millionen Euro. Das Bundeswirtschaftsministerium fördert das Vorhaben als Reallabor der Energiewende mit 34 Millionen Euro.
Am Energiepark Bad Lauchstädt arbeiten Unternehmen und Forschungseinrichtungen aus unterschiedlichen Bereichen der Wasserstoffwirtschaft zusammen.
Die Leipziger Terrawatt Planungsgesellschaft verantwortet die Projektentwicklung. Der Düsseldorfer Energiekonzern Uniper bringt seine Erfahrung als Energieunternehmen ein. Die VNG Handel & Vertrieb GmbH aus Leipzig übernimmt die Vermarktung des Wasserstoffs, während die ebenfalls in Leipzig ansässige VNG Gasspeicher GmbH ihre Kompetenz bei der Wasserstoffspeicherung einbringt. Für den Transport des Wasserstoffs ist die Ontras Gastransport GmbH aus Leipzig zuständig. Das DBI – Gastechnologisches Institut gGmbH Freiberg entwickelt und betreibt die Gasaufbereitungsanlage. Die VNG AG mit Sitz in Leipzig koordiniert das Konsortium.
Mittwoch, 8.07.2026, 12:09 Uhr
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