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Energie & Management > Stromspeicher - 700-MWh-Stromspeicher erhält Tolling-Vertrag
300-MW-Batteriespeicher Förderstedt in der Bauphase. Quelle: Eco Stor
Stromspeicher

700-MWh-Stromspeicher erhält Tolling-Vertrag

Batteriespeicher sollen verlässlicher finanzierbar werden. Ein neuer Vermarktungsvertrag für ein Großprojekt in Sachsen-Anhalt setzt dabei auf ein Modell mit festen Erlösstrukturen.
Die Vermarktung eines der größten Batteriespeicherprojekte Deutschlands steht fest. Die Kölner Next Kraftwerke GmbH, Betreiberin eines virtuellen Kraftwerks und Teil der Shell-Gruppe, sowie der Speicherentwickler Eco Stor haben einen fünfjährigen Tolling-Vertrag für das Speicherprojekt Förderstedt in Sachsen-Anhalt geschlossen. Die Vereinbarung soll die wirtschaftliche Grundlage für den Betrieb der Anlage schaffen und Investoren mehr Planungssicherheit bieten.

Der Speicher soll nach vollständiger Inbetriebnahme eine Leistung von 300 MW und eine Kapazität von mehr als 700 MWh erreichen. Nach Angaben der Unternehmen geht zunächst ab November 2026 ein erster Speicherblock mit 100 MW in Betrieb. Zwei weitere Blöcke mit jeweils 100 MW sollen anschließend folgen.

Die Partner übernehmen klar getrennte Aufgaben. Eco Stor entwickelt, finanziert und betreibt die Anlage. Next Kraftwerke übernimmt die Vermarktung der Flexibilität des Speichers. Das Unternehmen steuert den Einsatz an den Day-Ahead-, Intraday- und Regelenergiemärkten und entscheidet im Rahmen der vertraglichen Vorgaben, wann die Batterie Strom aufnimmt, wieder einspeist oder Systemdienstleistungen bereitstellt. Nach Angaben von Next Kraftwerke unterstützt zudem Shell Energy Europe die langfristige Absicherung des Vertrags sowie das Risikomanagement. 

Vermarktung über Tolling und Merchant

Im Mittelpunkt der Vereinbarung steht ein sogenannter Tolling-Vertrag. Dabei stellt Eco-Stor die Speicherkapazität bereit, während Next Kraftwerke das Recht erhält, die Flexibilität der Batterie wirtschaftlich zu nutzen. Im Gegenzug erhält der Speicherbetreiber vertraglich abgesicherte Erlöse. Das Modell soll die Einnahmen kalkulierbarer machen und damit die Finanzierung großer Speicherprojekte erleichtern.

Nach Angaben der Unternehmen umfasst das Tolling-Modell 80 Prozent der Speicherleistung. Die verbleibenden 20 Prozent vermarktet Next Kraftwerke marktpreisabhängig über ein Merchant-Modell. Die Erlöse entstehen ausschließlich durch die Vermarktung am Strom- und Regelenergiemarkt. Dadurch verbindet die Vereinbarung planbare Erlöse mit zusätzlichen Ertragschancen.

Next Kraftwerke übernimmt zudem die sogenannte Cross-Market-Optimierung des Speichers. Das heißt, das Unternehmen setzt die Batterie je nach Marktlage am Day-Ahead-, Intraday- oder Regelenergiemarkt ein. Ziel ist es, die jeweils attraktivsten Erlösmöglichkeiten zu nutzen.

Nach Darstellung der Vertragspartner gewinnt diese Form der Vermarktung an Bedeutung, da Banken und Investoren bei Speicherprojekten zunehmend auf planbare Einnahmen achten. Gleichzeitig verweisen die Unternehmen auf weiterhin bestehende Unsicherheiten bei den regulatorischen Rahmenbedingungen für Batteriespeicher in Deutschland. Strukturierte Vermarktungsverträge könnten deshalb helfen, Finanzierungsrisiken zu reduzieren.

Flexible Netzanschlussvereinbarung

Eine weitere Besonderheit des Projekts betrifft den Netzanschluss. Eco Stor hat mit dem Übertragungsnetzbetreiber 50 Hertz eine flexible Netzanschlussvereinbarung geschlossen. Dabei gelten bestimmte Vorgaben für den Betrieb des Speichers, etwa bei der Geschwindigkeit von Leistungsänderungen oder bei der Bereitstellung von Systemdienstleistungen.

Next Kraftwerke will diese Einschränkungen nach eigenen Angaben direkt in die Betriebsoptimierung einbeziehen. Die Unternehmen bezeichnen diesen Ansatz als Weiterentwicklung des bisherigen Tolling-Modells. Ziel sei es, wirtschaftliche Vermarktung und netzdienlichen Betrieb miteinander zu verbinden.

Der Batteriespeicher soll nicht nur Erlöse am Strommarkt erzielen. Die Anlage soll außerdem Frequenzschwankungen ausgleichen, Blindleistung bereitstellen und kurzfristige Ungleichgewichte im Stromnetz abfedern. Nach Angaben der Unternehmen ist das Speicherprojekt Förderstedt für zwei vollständige Lade- und Entladezyklen pro Tag ausgelegt. Rechnerisch könne die Anlage rund 500.000 Haushalte für zwei Stunden oder 100.000 Haushalte für zehn Stunden mit Strom versorgen.

Für Eco Stor ist die Vereinbarung nicht der erste Vertrag dieser Art. Bereits Ende 2025 hatte das Unternehmen einen Tolling-Vertrag mit dem Schweizer Energieunternehmen Alpiq für die Vermarktung eines Batteriespeichers abgeschlossen (wir berichteten). Mit der nun vereinbarten Zusammenarbeit mit Next Kraftwerke baut Eco Stor diesen Vermarktungsansatz weiter aus.

Dienstag, 2.06.2026, 15:05 Uhr
Davina Spohn
Energie & Management > Stromspeicher - 700-MWh-Stromspeicher erhält Tolling-Vertrag
300-MW-Batteriespeicher Förderstedt in der Bauphase. Quelle: Eco Stor
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700-MWh-Stromspeicher erhält Tolling-Vertrag
Batteriespeicher sollen verlässlicher finanzierbar werden. Ein neuer Vermarktungsvertrag für ein Großprojekt in Sachsen-Anhalt setzt dabei auf ein Modell mit festen Erlösstrukturen.
Die Vermarktung eines der größten Batteriespeicherprojekte Deutschlands steht fest. Die Kölner Next Kraftwerke GmbH, Betreiberin eines virtuellen Kraftwerks und Teil der Shell-Gruppe, sowie der Speicherentwickler Eco Stor haben einen fünfjährigen Tolling-Vertrag für das Speicherprojekt Förderstedt in Sachsen-Anhalt geschlossen. Die Vereinbarung soll die wirtschaftliche Grundlage für den Betrieb der Anlage schaffen und Investoren mehr Planungssicherheit bieten.

Der Speicher soll nach vollständiger Inbetriebnahme eine Leistung von 300 MW und eine Kapazität von mehr als 700 MWh erreichen. Nach Angaben der Unternehmen geht zunächst ab November 2026 ein erster Speicherblock mit 100 MW in Betrieb. Zwei weitere Blöcke mit jeweils 100 MW sollen anschließend folgen.

Die Partner übernehmen klar getrennte Aufgaben. Eco Stor entwickelt, finanziert und betreibt die Anlage. Next Kraftwerke übernimmt die Vermarktung der Flexibilität des Speichers. Das Unternehmen steuert den Einsatz an den Day-Ahead-, Intraday- und Regelenergiemärkten und entscheidet im Rahmen der vertraglichen Vorgaben, wann die Batterie Strom aufnimmt, wieder einspeist oder Systemdienstleistungen bereitstellt. Nach Angaben von Next Kraftwerke unterstützt zudem Shell Energy Europe die langfristige Absicherung des Vertrags sowie das Risikomanagement. 

Vermarktung über Tolling und Merchant

Im Mittelpunkt der Vereinbarung steht ein sogenannter Tolling-Vertrag. Dabei stellt Eco-Stor die Speicherkapazität bereit, während Next Kraftwerke das Recht erhält, die Flexibilität der Batterie wirtschaftlich zu nutzen. Im Gegenzug erhält der Speicherbetreiber vertraglich abgesicherte Erlöse. Das Modell soll die Einnahmen kalkulierbarer machen und damit die Finanzierung großer Speicherprojekte erleichtern.

Nach Angaben der Unternehmen umfasst das Tolling-Modell 80 Prozent der Speicherleistung. Die verbleibenden 20 Prozent vermarktet Next Kraftwerke marktpreisabhängig über ein Merchant-Modell. Die Erlöse entstehen ausschließlich durch die Vermarktung am Strom- und Regelenergiemarkt. Dadurch verbindet die Vereinbarung planbare Erlöse mit zusätzlichen Ertragschancen.

Next Kraftwerke übernimmt zudem die sogenannte Cross-Market-Optimierung des Speichers. Das heißt, das Unternehmen setzt die Batterie je nach Marktlage am Day-Ahead-, Intraday- oder Regelenergiemarkt ein. Ziel ist es, die jeweils attraktivsten Erlösmöglichkeiten zu nutzen.

Nach Darstellung der Vertragspartner gewinnt diese Form der Vermarktung an Bedeutung, da Banken und Investoren bei Speicherprojekten zunehmend auf planbare Einnahmen achten. Gleichzeitig verweisen die Unternehmen auf weiterhin bestehende Unsicherheiten bei den regulatorischen Rahmenbedingungen für Batteriespeicher in Deutschland. Strukturierte Vermarktungsverträge könnten deshalb helfen, Finanzierungsrisiken zu reduzieren.

Flexible Netzanschlussvereinbarung

Eine weitere Besonderheit des Projekts betrifft den Netzanschluss. Eco Stor hat mit dem Übertragungsnetzbetreiber 50 Hertz eine flexible Netzanschlussvereinbarung geschlossen. Dabei gelten bestimmte Vorgaben für den Betrieb des Speichers, etwa bei der Geschwindigkeit von Leistungsänderungen oder bei der Bereitstellung von Systemdienstleistungen.

Next Kraftwerke will diese Einschränkungen nach eigenen Angaben direkt in die Betriebsoptimierung einbeziehen. Die Unternehmen bezeichnen diesen Ansatz als Weiterentwicklung des bisherigen Tolling-Modells. Ziel sei es, wirtschaftliche Vermarktung und netzdienlichen Betrieb miteinander zu verbinden.

Der Batteriespeicher soll nicht nur Erlöse am Strommarkt erzielen. Die Anlage soll außerdem Frequenzschwankungen ausgleichen, Blindleistung bereitstellen und kurzfristige Ungleichgewichte im Stromnetz abfedern. Nach Angaben der Unternehmen ist das Speicherprojekt Förderstedt für zwei vollständige Lade- und Entladezyklen pro Tag ausgelegt. Rechnerisch könne die Anlage rund 500.000 Haushalte für zwei Stunden oder 100.000 Haushalte für zehn Stunden mit Strom versorgen.

Für Eco Stor ist die Vereinbarung nicht der erste Vertrag dieser Art. Bereits Ende 2025 hatte das Unternehmen einen Tolling-Vertrag mit dem Schweizer Energieunternehmen Alpiq für die Vermarktung eines Batteriespeichers abgeschlossen (wir berichteten). Mit der nun vereinbarten Zusammenarbeit mit Next Kraftwerke baut Eco Stor diesen Vermarktungsansatz weiter aus.

Dienstag, 2.06.2026, 15:05 Uhr
Davina Spohn

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