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INTERVIEW:
Zapreva: "Wir sind auf dem richtigen Weg"
Susanna Zapreva, Vorstandschefin der Enercity AG in Hannover, über erste Erfolge des Transformationsprozesses Enercity 4.0.
 
E&M: Frau Dr. Zapreva, Enercity legte für 2017 stabile Zahlen vor: Greift da schon die Strategie Enercity 4.0?
 
Zapreva: Mit dem Jahresergebnis sind wir sehr zufrieden. Die Umsatzerlöse stiegen um 5,3 Prozent und liegen wieder über der Zwei-Milliarden-Euro-Grenze. Vor allem konnten wir das operative Ergebnis um 6,7 Prozent steigern. Obwohl wir eine Abwertung von 40 Millionen Euro durch den Verkauf des Steinkohlekraftwerks Mehrum und vorsorgliche Rückstellungen für unseren Gasspeicher vornehmen mussten, konnten wir das Ergebnis vor und nach Steuern nahezu stabil halten. Wir sind also mit der Transformation auf dem richtigen Weg – zu mehr Kunden, weg von Kohle hin zu Erneuerbaren. Nun sind auch wesentliche Altlasten quasi aus den Büchern.
 
Susanna Zapreva: „Wir konnten die Kundenverluste nicht nur stoppen, sondern haben Stromkunden dazugewonnen“
Bild: Enercity

E&M: Während die Gewinne anderer Stadtwerke eher schrumpfen, wollen Sie das operative Ergebnis bis 2025 verdoppeln.
 
Zapreva: Ich bin sogar fest davon überzeugt, dass wir das schaffen. Erste Ergebnisse werden sich schon 2018 zeigen. Dann erwarten wir ein Plus von 25 Prozent und wieder einen dreistelligen Millionengewinn nach Steuern. Immerhin verzeichnen wir erstmals seit der Marktöffnung in Deutschland eine Trendwende: Wir konnten die Kundenverluste nicht nur stoppen, sondern haben Stromkunden dazugewonnen. Das hatte ich erst im nächsten Jahr erwartet. Das zeigt, dass der Markenauftritt und unsere neuen Produkte wie die Rabatte im Nahverkehr mit der Enercity Mobilcard greifen.

„Öko-Sondertarife brauchen wir nicht mehr“

E&M: Wie weit ist die Umstellung ihrer Strom- und Gaskunden auf Öko-Energie erfolgt?
 
Zapreva: Beim Strom ist das im Januar geschehen. Bei Enercity gibt es jetzt für Privat- und Gewerbekunden nur noch Stromprodukte aus Erneuerbaren. Öko-Sondertarife brauchen wir nicht mehr. Das gilt auch für die Grundversorgung. Unseren Gaskunden bieten wir nun vermehrt einen speziellen Tarif für 100 Prozent Biogas an – das aus den rund 2 000 Anlagen unserer Dienstleistungstöchter Danpower und Enercity Contracting kommt.
 
E&M: Enercity will bis 2030 den Erneuerbaren-Anteil der eigenen Energieerzeugung auf 50 Prozent zu erhöhen?
 
Zapreva: Da sieht es gut aus. Durch den Wegfall des Kohlekraftwerks Mehrum und den Kauf des Windprojektierers Ventotech sind wir bei Strom schon bei 37 Prozent gelandet. Jetzt erweitern wir noch unser Portfolio durch die Komplettübernahme der Contracting-Tochter Danpower rückwirkend zum 1. Januar. Wir übernehmen die restlichen 15,1 Prozent von der Globos Energy AG mit Sitz Potsdam. Da Danpower inklusive der Aktivitäten im Baltikum rund 2 Milliarden Kilowattstunden Wärme und 700 Millionen Kilowattstunden Strom liefert, steigt der Anteil der Erneuerbaren bei Strom auf 40 Prozent, bei dezentraler Wärme auf 53 Prozent. In Hannover wollen wir die Müllverbrennungsanlage in Lahe an unser Fernwärmenetz anschließen und wir planen eine Klärschlammverbrennung. Auch das wird den Erneuerbaren-Anteil weiter steigern.

„Wir investieren in die digitale Energiewelt von morgen“

E&M: Sind weitere Veränderungen bei den Beteiligungen geplant und wie steht mit den Investitionen?
 
Zapreva: Wir verkaufen unsere sechs Prozent an der Windkraft Nord AG an den Mehrheitsaktionär, die PNE Wind AG mit Sitz in Cuxhaven. Wir trennen uns von dem Windkraftprojektierer, weil das Engagement zu kleinteilig ist. Unsere Gesamtinvestitionen sind 2017 auf knapp 134 Millionen Euro gestiegen, das bedeutet ein Plus von 49 Prozent. Das hohe Investitionsniveau werden wir 2018 um weitere 30 bis 40 Prozent auf rund 180 Millionen Euro erhöhen. Wir investieren in die digitale Energiewelt von morgen.
 
E&M: Müssen sich die Enercity-Kunden auf Tariferhöhungen einstellen?
 
Zapreva: Nein, es sind keine Erhöhungen geplant. Die Preise für Strom, Gas und Wärme bleiben stabil.
 
E&M: Wird es neue Angebote zum Thema Elektromobilität geben?
 
Zapreva: Jetzt zum 1. März haben wir einen neuen Privatkundentarif für E-Mobil-Nutzer eingeführt. Ab sofort kann jeder eine Ladestation inklusive Netzanschluss und auf Wunsch mit Montage bei Enercity kaufen oder im Contracting mieten. Der Kaufpreis für die Ladesäule bis 22 Kilowatt Leistung wird bei 589 Euro liegen. Außerdem werden wir mit ,Share & Charge‘ zum Beispiel Nachbarn die Möglichkeit bieten, Ladepunkte zu teilen und über eine App separat abzurechnen.
 
E&M: Das öffentliche Ladesäulennetz wird weiter ausgebaut?
 
Zapreva: Wir planen in diesem Jahr 220 Ladepunkte einzurichten. DC-Schnellladesäulen für den öffentlichen Raum haben wir ebenfalls im Programm. Im Herbst werden wir ein neues Produkt gemeinsam mit Parkhausbetreibern vorstellen. Als weiteren Vorteil wird es ab Sommer einen Flat-Tarif geben: Jeder Enercity-Kunde kann dann europaweit an jeder Ladesäule tanken. Zudem stellen wir unsere eigene Flotte um. Zu den schon vorhandenen 16 Elektrofahrzeugen und Pedelecs kommen zwölf E-Streetscooter hinzu.
 

Sybille Nobel-Sagolla
© 2018 Energie & Management GmbH
Freitag, 02.03.2018, 13:58 Uhr

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