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Bild: VNG
BILANZ:
VNG vor grüner, digitaler und gasbasierter Zukunft
Das ostdeutsche Gasunternehmen VNG baut für die nächsten Jahre auf ein effizientes Kerngeschäft mit Erdgas und die Entwicklung angrenzender Aktivitäten.
 
Die Leipziger Verbundnetz Gas AG (VNG) hat im ersten Jahr der Zugehörigkeit zum EnBW-Konzern ihr Kerngeschäft gefestigt und eine Strategie für die Entwicklung darum herum gruppierter neuer Geschäftsfelder entwickelt.

VNG-Vorstandschef Ulf Heitmüller sprach bei der Bilanzpressekonferenz des Unternehmens am 1. März von einer „sehr zufriedenstellenden Geschäftsentwicklung“, von einer „guten operativen Performance“ und von „Aufbruchstimmung“ im Unternehmen. Die Finanzziele der gesamten VNG-Gruppe seien „deutlich“ übertroffen worden, ergänzte Finanzvorstand Bodo Rodestock. Die Vermögens- und Finanzlage bewertete er als „unverändert solide“.

Die im letzten Jahr entwickelte und vom Aufsichtsrat bestätigte VNG-Strategie 2030plus sieht vor, auf der einen Seite die vier Gasgeschäftsbereiche Exploration und Produktion, Handel und Vertrieb, Transport sowie Speicher weiter zu optimieren und ergänzend dazu mit Biogas, digitaler Infrastruktur und Quartierlösungen zukunftsträchtige Geschäftsfelder aufzubauen. VNG sehe sich „als Gestalter einer grünen, digitalen und gasbasierten Zukunft“ gut aufgestellt und blicke optimistisch nach vorn, so Heitmüller.

Die VNG hat im Geschäftsjahr 2017 mit 10,3 Mrd. Euro deutlich mehr Umsatz erzielt als 2016. Auch das operative Ergebnis (Ebit) von 104 Mio. Euro zeigt eine deutliche Verbesserung gegenüber dem Vorjahr. Der Geschäftsbericht für 2017 verzeichnet darüber hinaus einen Gewinn von 71 Mio. Euro. Im Vorjahr lag der Jahresüberschuss bei 40 Mio. Euro. Die Zahlen sind jedoch nur bedingt vergleichbar, weil die Rechnungslegung 2017 nach der Vollkonsolidierung der VNG im EnBW-Konzern erstmalig nach IFRS-Standard durchgeführt wurde; bislang hatte die VNG nach Handelsgesetzbuch bilanziert.

Der „maßgebliche Ergebnistreiber“ der VNG, wie Rodestock formulierte, war auch im Geschäftsjahr 2017 die Netztochter Ontras Gastransport GmbH. Der Geschäftsbereich Transport soll auch künftig einer der Säulen des Geschäfts bleiben und langfristig für eine klimaneutrale Energieversorgung fit gemacht werden. Die Beteiligung des Unternehmens an der Europäischen Gasanbindungsleitung (Eugal) im Oktober 2017 bezeichnete Technikvorstand Hans-Joachim Polk als „richtungweisende Zukunftsinvestition". Er zeigte sich überzeugt davon, dass die Pipeline Nord Stream 2 und die Anschlussleitung Eugal gebaut werden. Sie seien sinnvoll für die künftige Versorgung Deutschlands mit Erdgas.

Intensiver Handel steigert den Gasabsatz

Auch mit dem Geschäftsbereich Handel und Vertrieb zeigte sich der Vorstand zufrieden. Der Gasabsatz de VNG-Gruppe fiel 2017 mit 533 Mrd. kWh deutlich höher aus als 2016 (362 Mrd. kWh). Der Zuwachs ist aber vor allem einem stärkeren Handelsgeschäft geschuldet und nicht als Vertriebsplus zu verbuchen.

„Es ist uns gelungen, nahtlos an die gute operative Entwicklung des Vorjahres anzuknüpfen und sowohl im angestammten Großhandelsgeschäft als auch im Endkundengeschäft in Deutschland und im Ausland erfolgreich zu sein“, sagte Heitmüller. Das unterstreiche, dass sich die abgeschlossene Neuorganisation des Geschäftsbereiches bewährt habe.

Im Großhandel in Deutschland strebe VNG weiter nach „Midstream-Exzellenz“. Auch der Einzelhandel habe als wichtige Ergebnissäule ein moderates Kundenwachstum erzielt. Über die Tochter Goldgas werden inzwischen 100 000 Gas- und 130 000 Stromkunden in Deutschland bedient, im letzten Jahr kam Goldgas erst auf insgesamt 200 000 Kunden. Aus regulatorischen Gründen wird das Handels- und Vertriebsgeschäft zum zweiten Quartal 2018 in die neue die VNG Handel & Vertrieb GmbH ausgegliedert.

Erfolgreich war auch der Geschäftsbereich Exploration und Produktion. Das Tochterunternehmen VNG Norge habe im Dezember 2017 beim Norwegischen Ministerium für Erdöl und Energie den Plan für die Entwicklung des neuen Gasfeldes Fenja eingereicht, mit dessen Genehmigung er demnächst rechne, erklärte Technikvorstand Polk. Im Jahr 2021 könne voraussichtlich die Gasproduktion beginnen.

Auch in diesem Geschäft strebe VNG nach weiterer Optimierung und Wertmaximierung. Um VNG Norge zu einem „bedeutenden Akteur auf dem Norwegischen Kontinentalschelf“ weiterentwickeln zu können“, werde zudem nach einem „strategischen Partner“ gesucht. Das Interesse an einer Partnerschaft mit VNG sei größer als erwartet, so Polk. Private-Equity-Gesellschaften, Produzenten und Infrastrukturfonds hätten Interesse bekundet.

Ein Sorgenkind der VNG bleibt dagegen das Speichergeschäft. Der Konzern hat als drittgrößter Gasspeicherbetreiber in Deutschland weiter mit hohem Wettbewerbsdruck und geringen Erlösmöglichkeiten zu kämpfen. Auch 2017 seien außerordentliche Abschreibungen auf Speicher erforderlich gewesen. In diesem Geschäftsbereich laute die Devise deshalb Halten und Optimieren.

Gasspeicher für grüne Gase vorbereiten

Mittelfristig seien keine Veränderungen zu erwarten, so Polk weiter. Langfristig dagegen könnten Gasspeicher durchaus wieder interessant werden. „Mit Blick in die Zukunft sehen wir vor allem im Bereich der erneuerbaren Energien große Potenziale für eine moderne Speicher- und Transportinfrastruktur“, stellte der Technikvorstand in Aussicht. Dafür werde VNG beispielsweise die Einlagerung von erneuerbar erzeugtem Wasserstoff in eine Gaskaverne testen.

Als gute Ergänzung zum Kerngeschäft und Perspektive in Richtung erneuerbare Gase plant VNG weitere Biogasaktivitäten vor allem in Ostdeutschland. Bislang betreiben die Leipziger fünf Biogasanlagen, die teilweise Biomethan in das Gasnetz einspeisen oder produzieren und dezentral zu Strom oder Wärme verarbeiten. Zukäufe seien geplant, kündigte Heitmüller an. Polk nannte das Ziel, das VNG-Portfolio in den nächsten Jahren auf 15 bis 20 Biogasanlagen aufzustocken.

Derzeit seien viele Anlagen auf dem Markt. Das Unternehmen sieht seine Aufgabe darin, als langjähriger Akteur im Biogasgeschäft die Anlagen zu optimieren und Skaleneffekte zu nutzen. Auch diese Aktivitäten sollen aus eigener Kraft finanziert werden.

Außerdem soll das digitale Know-how der VNG vermarktet werden. Geplant ist, daraus leistungsfähige Angebote für Betreiber kritischer Infrastrukturen zu schaffen. Als Zielgruppe für das dritte neue Geschäftsfeld Quartierlösungen sieht der VNG-Vorstand vor allem kleinere Kommunen in Ostdeutschland ohne ausreichendes eigenes Know-how im Bereich Energiedienstleistungen. Ihnen sollen effiziente Quartierlösungen angeboten werden. Dafür gebe es „deutlich mehr Bedarf, als wir gedacht haben“, stellte Heitmüller fest.

Insgesamt sieht der Vorstandschef das Unternehmen auf längere Sicht als Gestalter einer grünen, digitalen und gasbasierten Zukunft. „Wir fühlen uns dabei durch den breiten Rückhalt unserer Aktionäre bestärkt“, so Ulf Heitmüller. Er sei guter Dinge, „dass wir damit herauskommen aus der verstaubten Energiewirtschaft“. Für das Jahr 2018 erwarte die VNG-Gruppe eine leichte Ergebnisverbesserung.
 

Peter Focht
Redakteur
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Donnerstag, 01.03.2018, 18:06 Uhr

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