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Bild: Fotolia.com, koya979
EUROPA:
Netzbetreiber legen Szenariorahmen vor
Beim Ausbau der Energiewirtschaft in den nächsten 20 Jahren hat die EU nur vergleichsweise geringe Gestaltungsmöglichkeiten.
 
Das geht aus einer Untersuchung der Dachverbände der europäischen Verteilnetzbetreiber für Strom (Entso-E) und Gas (Entso-G) hervor, die in Brüssel vorgelegt wurde. Beide Verbände verständigten sich erstmals auf drei gemeinsame Szenarien, die der Untersuchung zugrunde gelegt wurden. Damit verfügt die Energiewirtschaft über eine Grundlage für den Ausbau der Gas- und Stromnetze in den kommenden Jahren, heißt es in einer Erklärung der beiden Verbände.
 
Ausgangspunkt der Überlegungen war, dass die Entwicklung bis zur Mitte des nächsten Jahrzehntes weitgehend festgelegt ist. Bis dahin verläuft der Umbau des Energiesektors nach den Annahmen, die die EU-Kommission in ihrem Szenario EUCO30 zugrunde gelegt hat. Nach EUCO30 steigt der Anteil der erneuerbaren Energien bis 2025 auf 22 % (16 % Wind, 6 % Solar).
 
Danach sehen die beiden Verbände nach Rücksprache mit ihren Mitgliedern und anderen interessierten Parteien drei alternative Entwicklungspfade bis 2040: nach dem „external Scenario“ (EUCO) erreicht die EU ihre von den Regierungschefs festgelegten Klimaziele bis 2030: Ausbau der erneuerbaren Energien auf 27 %, Senkung der CO2-Emissionen um 40 % und eine Erhöhung der Energieeffizienz um 30 %.
 
Im Szenario „Distributed Generation“ (DG) würde der Ausbau der dezentralen Stromerzeugung durch die Verbraucher forciert. Sie würden in die Lage versetzt, schnell auf die Entwicklung der Marktpreise zu reagieren. Bei der Elektrifizierung des Verkehrs und der Gebäudeklimatisierung (Wärmepumpen) würden signifikante Fortschritte erreicht. Der Anteil der erneuerbaren Energien würde bis 2030 auf 34 % (Wind 19 % und Solar 15 %) und bis 2040 auf 52 % (Wind 27 % und Solar 25 %) ansteigen, davon würde jeweils 1 % für die Erzeugung von Gas aus Strom verbraucht.
 
Im Szenario „Sustainable Transition“ (ST) steht die schnelle und kostengünstige Senkung der CO2-Emissionen im Vordergrund. Für die Stromerzeugung würde das einen Umstieg von Kohle auf Gas im großen Stil bedeuten. Die Elektrifizierung des Verkehrs und des Gebäudesektors kämen langsamer voran. Nach 2030 könnte es zu einer Beschleunigung der globalen Energiewende kommen, von der auch die europäische Energiewirtschaft erfasst würde. Im Szenario ST würden die erneuerbaren Energien 2030 einen Anteil von 28 % (Wind 20 % und Solar 8 %) erreichen. Danach wäre bis 2040 eine langsame Entwicklung möglich auf 41 % (Wind 29 % und Solar 12 %) oder eine beschleunigte „Global Climate Action“ (GCA), bei der 2040 57 % erneuerbare Energie (Wind 36 % und Solar 21 %) erreicht würden.
 
Die höchste Stromnachfrage sowohl 2030 als auch 2040 entsteht nach der Untersuchung im Szenario DG: 4 200 und 4 400 Mrd. kWh. Allerdings sind die Unterschiede zu den beiden anderen Szenarien nur gering. 2030 wäre die Stromnachfrage bei kostenbewusster Transformation nach dem Szenario TS nur geringfügig geringer. 2040 würden im Szenario DG etwa 10 % mehr Strom verbraucht als im Szenario TS und 7 % mehr als im Szenario GCA.
 
Auch beim Kapazitätsausbau ergeben sich nur geringe Unterschiede. Die maximale Nachfrage läge im Szenario TS bei 650 000 MW, im Szenario GCA bei knapp 700 000 MW und bei 740 000 MW im Szenario DG.
 
Wesentlich größer sind die Unterschiede bei bestimmten Verbrauchern: so wären 2030 im Szenario DG doppelt so viele Elektroautos zugelassen wie im Szenario TS. Bis 2040 würde der Bestand im anspruchsvollsten Fall DG auf 780 000 E-Autos anwachsen, im Fall GCA auf 610 000 und im Fall TS auf knapp 500 000. Ähnliche Unterschiede ergeben sich für den Einsatz von Wärmepumpen.
 
Umgekehrt ist die Entwicklung der Gasnachfrage. Im Szenario TS bleibt sie auf dem Niveau von 5 000 Mrd. kWh pro Jahr. Einem Rückgang des Verbrauchs in der Industrie und in den privaten Haushalten steht eine Zunahme im Verkehrssektor gegenüber. Erst 2040 ergibt sich ein geringfügiger Rückgang des Gasverbrauchs.
 
In den anspruchsvolleren Szenarios DG und GCA sinkt der Gasverbrauch dagegen bis 2040 um rund 20 %, insbesondere aufgrund einer geringeren Verstromung von Gas und des verstärken Einsatzes von Wärmepumpen.
 
Im Ergebnis sinken die CO2-Emissionen bis 2030 in allen drei Szenarien auf rund 1,1 Mrd. Tonnen. Die EU würde ihr 40-%-Ziel in allen drei Fällen mehr als erreichen. Bis 2040 würden die Emissionen im Szenario TS allerdings nur noch geringfügig zurückgehen, im Szenario DG ergäbe sich ein Rückgang auf etwa 800 Mio. Tonnen und im Szenario GCA auf 700 Mio. Tonnen.
 
Große Unterschiede zwischen den Szenarien gibt es bei den Kosten der Stromerzeugung. Überraschenderweise führt der Ausbau der erneuerbaren Energien auch mittelfristig nicht zu einem schnelleren Rückgang der Grenzkosten. Sie liegen 2030 im Szenario TS bei 86 und im Szenario DG bei 72 Euro/MWh. Bis 2040 würden sie beim langsamen Ausbau der erneuerbaren Energien im Szenario TS auf 48 Euro/MWh zurückgehen, nach DG nur auf 66 Euro/MWh und im Szenario GCA auf 60 Euro/MWh.
 
Zur Begründung verweisen die beiden Verbände darauf, dass die niedrigen Grenzkosten für Strom aus Sonne und Wind im Fall von DG und GBA durch hohe Brennstoff- und Emissionspreise mehr als ausgeglichen werden. Eine Entwicklung nach dem Szenario TS sei dagegen nur wahrscheinlich, wenn die Brennstoffpreise niedrig blieben.
 

Tom Weingärtner
© 2018 Energie & Management GmbH
Donnerstag, 05.04.2018, 10:36 Uhr

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