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Bild: Fotolia.com, 3Dmask
STATISTIK:
Erneuerbare legen europaweit zu
In der EU ist im letzten Jahr erstmals mehr Strom aus Sonne, Wind und Biomasse erzeugt worden als aus Kohle.
 
Das geht aus dem jüngsten Bericht der beiden Denkfabriken Agora Energiewende und Sandbag über die Elektrizitätswirtschaft hervor. Die CO2-Emissionen der Branche blieben gegenüber dem Vorjahr stabil bei 1,019 Mrd. Tonnen.
 
Im dritten Jahr in Folge stieg der Stromverbrauch leicht an, um 0,7 % oder 23 Mrd. kWh und erreichte damit wieder das Niveau von 2010. Nach Ansicht der Autoren gibt es für die Trendwende beim Energieverbrauch vier Ursachen.
 
Zunächst wachse die europäische Wirtschaft wieder stärker. Das gesamtwirtschaftliche Wachstum (2 %) war in den letzten drei Jahren etwa doppelt so groß wie der Zuwachs des Stromverbrauchs. Das zeige, dass die Energieeffizienz zwar steige, aber nicht genug, um die Effizienzziele der EU zu erreichen, heißt es in der Studie.
 
Zudem wachse die Industrie wieder stärker als der Rest der Wirtschaft, was eine höhere Energieintensität zur Folge habe. Drittens sei die Bevölkerung aufgrund der Einwanderung gestiegen. Schließlich werde mehr Strom für digitale Anwendungen wie Bitcoin und elektrische Fahrzeuge benötigt.
 
Die CO2-Emissionen aller Unternehmen, die am Emissionshandel teilnehmen, stiegen um etwa 1 %. Sie lagen damit aber immer noch um 9 % unter den verfügbaren Emissionsrechten, so dass keine preistreibenden Engpässe im Emissionshandel auftraten.
 
Der Anteil der erneuerbaren Energien erreichte erstmals 30 %. Der Anstieg betrug allerdings nur 0,2 % gegenüber dem Vorjahr, weil die Erzeugung aus Wasserkraft (-54 Mrd. kWh) wetterbedingt stark rückläufig war. Dagegen legte die Erzeugung aus Wind um 19 % (+58 Mrd. kWh), aus Sonne um 8 % (+9 Mrd. kWh) und Biomasse um 3 % (+5 Mrd. kWh) zu.
 
Die Stromproduktion aus fossilen Brennstoffen nahm leicht zu: +1,6 % (23 Mrd. kWh). Dahinter verbergen sich allerdings ein Rückgang der Steinkohleverstromung um 7 % (-27 Mrd. kWh) sowie eine Zunahme der Erzeugung aus Erdgas um 7 % (+42 Mrd. kWh) und der Braunkohle um 2 % (+6 Mrd. kWh). Die Erzeugung von Atomstrom nahm um 1 % (-9 Mrd. kWh) ab. Die Nettostromimporte der EU fielen um 8 Mrd. kWh geringer aus.
 
Der Zuwachs des Anteils von Strom aus Sonne, Wind und Biomasse im gesamten Energiemix belief sich seit 2010 auf 1,7 % pro Jahr. Wenn sich dieser Trend fortsetze, komme aus diesen Energieträgern 2030 die Hälfte des europäischen Stroms, heißt es in der Studie. Das würde ausreichen, um das Erneuerbaren-Ziel der EU von 27 % an der Primärenergie zu erreichen.
 
Beunruhigt sind die Experten von Agora und Sandbag darüber, dass sich der Zuwachs der Erneuerbaren auf wenige Länder konzentriert. Entfielen von 2011 bis 14 noch 42 % davon auf Deutschland und Großbritannien, waren es von 2014 bis 17 schon 57 %. Auf die 26 anderen EU-Staaten entfielen damit nur noch 43 % des Erneuerbaren-Wachstums. Während manche Länder ihr EU-Ziel bereits erreicht hätten, scheitere der Ausbau der Erneuerbaren vor allem in Ost- und Südosteuropa in vielen Fällen weiter an zu hohen Finanzierungskosten. Technologisch rücke die Erzeugung aus Wind immer stärker in den Vordergrund: von 2014 bis 17 entfielen 72 % des Zuwachses auf Windturbinen.
 
Rückläufig war der Zubau von Solaranlagen: + 9 000 MW. 2011 waren es noch 23 000 MW. Um neue Dynamik in das PV-Geschäft zu bringen, empfehlen Agora und Sandbag eine Stärkung der Stellung von privaten und kollektiven Erzeugern. Damit könnten die Eigenerzeugung und die Rentabilität auch kleiner Anlagen verbessert werden.
 
Die Konzentration der Erneuerbaren-Zuwächse auf wenige Länder und die Windenergie könnte nach Ansicht des Leiters Europäische Energiepolitik von Agora, Matthias Buck, zu einer Belastung werden: „Nur wenn alle Länder in Europa sich gleichermaßen engagieren, ist bis 2030 ein Anteil von 35 Prozent erneuerbarer Energien am Energieverbrauch möglich. Hierzu kann die Photovoltaik viel stärker beitragen als bisher.“ Gemessen an ihrem Potenzial und ihren inzwischen sehr niedrigen Kosten spiele sie eine viel zu geringe Rolle, vor allem in Südeuropa. Das Europäische Parlament hatte sich dafür ausgesprochen, den Anteil der Erneuerbaren bis 2030 auf 35 % anzuheben.
 
Von den Vorschlägen der EU-Kommission zur Reform der europäischen Energiewirtschaft, die gegenwärtig vom Ministerrat und vom Europäischen Parlament beraten werden, erwarten Agora und Sandbag größere Marktchancen für die Anbieter von erneuerbaren Energien. Dadurch würden tendenziell weniger Beihilfen benötigt. Gleichzeitig müssten sie mit höheren Risiken rechnen, wenn Privilegien wie der Einspeisevorrang eingeschränkt werden.
 
2018 erwarten die Autoren eine Normalisierung der Erzeugung aus Wasserkraft. Rund 15 000 MW Windleistung könnten in diesem Jahr zusätzlich ans Netz gehen und den Erneuerbaren neuen Schub geben. Die fossile Erzeugung sollte dagegen 2018 deutlich zurückgehen und die Produktion von Atomstrom leicht zunehmen.
 
Die detaillierten Zahlen zur Stromerzeugung nach Energieträgern aufgeschlüsselt kann hier   abgerufen werden.
 

Tom Weingärtner
© 2018 Energie & Management GmbH
Dienstag, 30.01.2018, 14:07 Uhr

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