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Enerige & Management > Vertrieb - Direktvermarktungs-Umfrage: So  manche Überraschung
Bild: Africa Studio / Fotolia
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Direktvermarktungs-Umfrage: So manche Überraschung
Dass der heimische Markt bei der Direktvermarktung von Ökostromanlagen weiterhin kräftig in Bewegung ist, zeigen die Ergebnisse der mittlerweile 11. E&M-Branchenerhebung.
 
Da sage noch einer, beim Direktvermarktungsgeschäft gebe es keine Überraschungen. Die Ergebnisse der 11. Branchenerhebung von Energie & Management, an der rund 50 Unternehmen teilgenommen haben, dürften solche Stimmen verstummen lassen.

Der größte Knaller: Zum 1. Januar waren bei Statkraft Markets, dem seit je und eh dominierenden Anbieter auf dem hiesigen Direktvermarktungsmarkt, nur noch 9.901 MW Ökostromleistung unter Vertrag, ein Minus von knapp 22 % im Vergleich zum Jahresende 2019. Was in absoluten Zahlen immerhin 2.746 MW ausmacht. Nie hat es bislang einen größeren Schwund bei allen bisherigen E&M-Umfragen im Direktvermarktungsbereich gegeben.

Aus dem Grund für das große Minus macht Andreas Bader, der die Abteilung Vertrieb und Produktentwicklung in der Deutschland-Dependance des norwegischen Energie-Konzerns leitet, kein Geheimnis: „Wir haben insbesondere die Lastgänge der von uns betreuten Windparks analysiert, und gesehen, dass die finanziellen Erträge oft genug nicht optimal waren.“ Das neue „Bepreisungsmodell“ hat eine Reihe von Windmüllern nicht goutiert, sprich sie wechselten zu anderen Anbietern. Was zeigt, dass der Wettbewerb bei der Direktvermarktung nicht nachgelassen hat.

Dass die Geschäfte hierzulande ein Stück härter geworden sind, hängt auch damit zusammen, dass die Krise beim Ausbau der Windenergie an Land den Direktvermarktern zu schaffen macht. Im vergangenen Jahr lag nach den Pflichtmitteilungen der vier Übertragungsnetzbetreiber der Zuwachs bei der Direktvermarktung bei 4.354 MW, kein Vergleich zu früheren Spitzwerten von 7.000 MW und mehr. Immerhin: Das Gesamtvolumen für die Direktvermarktung liegt nun bei knapp 80.000 MW, damit ist Deutschland in Europa der größte Markt. Und noch eine Zahl: 2019 hat die Photovoltaik mit über 2.000 MW den größten Batzen zum Vermarktungsbestand beigetragen – ein Energieträger, der für viele Direktvermarkter nach wie vor ein zu kleinteiliges Geschäft ist.

Nicht jedoch für die Next Kraftwerke GmbH. Das Unternehmen aus dem Kölner Stadtteil Ehrenfeld, ohnehin schon größter Solar-Vermarkter, nahm innerhalb eines Jahres mehrere Dutzend neuer Photovoltaikanlagen mit einer Gesamtleistung von mehr als 1.500 MW unter Vertrag. Was Geschäftsführer und Mitbegründer Hendrik Sämisch so kommentierte: „Beim Zuwachs unseres Solar-Portfolios profitieren wir sicherlich von der Marktstellung, die wir uns in diesem Segment in den letzten Jahren durch viele Kooperationen mit Stadtwerken, Solarteuren, Projektierern, Ingenieurbüros und anderen Marktpartnern sukzessive erarbeitet haben, aber auch durch unsere frühzeitige Entscheidung, Überschusseinspeiser ab 100 Kilowatt in unseren Next Pool aufzunehmen.“ Diese solare Pole Position wollen die Rheinländer ausbauen: „Durch den erwarteten Wegfall des Zubaudeckels und den insgesamt robusten Zuwachs an PV-Kapazitäten momentan gehen wir davon aus, dass wir unser Direktvermarktungsportfolio auch 2020 weiter ausbauen können, übrigens auch im Bioenergiebereich, wo wir 2019 ebenfalls zulegen konnten“, so Sämisch.

Engie mit deutlichem Sprung nach vorne

Den größten Zuwachs beim Gesamtportfolio zwischen dem 31. Dezember 2019 und dem 1. Januar 2020 verbuchte ein Unternehmen, dessen Deutschland-Filiale ebenfalls in Köln ansässig ist: Engie. Der französisch-belgische Konzern legte binnen Jahresfrist ein Plus von 1.000 auf nunmehr 3.500 MW hin. Mit 950 MW fiel der Zuwachs bei Sunnic Lighthouse etwas geringer aus. Zu den Top drei der Unternehmen mit den größten Zuwächsen konnte sich überraschenderweise Ane.Energy mit Sitz in Husum platzieren. Die Nordfriesen meldeten E&M eine Steigerung ihres Vermarktungsbestandes um 502 MW.

Der Gewinn von 1.000 MW Vermarktungsleistung basiere nicht auf „Kampfpreisen“, betonte Katrin Fuhrmann, Senior Originator bei Engie, gegenüber E&M. „Wir sind heute bei den regenerativen Betreibern weitaus bekannter als bei unserem Markteintritt in Deutschland vor zwei Jahren“, so Fuhrmann. Nicht nur deshalb konnten in der sogenannten „Hunting Season“ während der zurückliegenden Herbstwochen weit mehr Angebote an die Betreiber von Wind-, Solar- und Biomasseanlagen verschickt worden.

 
Die fünf führenden Anbieter (in MW)*
1 Statkraft Markets 9.901
2 Quadra Energy 7.100
3 Vattenfall Energy Trading 6.205
4 Next Kraftwerke 5.864
5 Wind Energy Trading & BKW 4.662
*Stichtag: 1. Januar 2020
 
 
Die fünf größten Zuwächse (in MW)*
1 Engie 1.000
2 Sunnic Lighthouse 950
3 Ane.Energy 502
4 Quadra Energy 500
5 Vattenfall Trading & Sales 445
*Stichtag: Jahreswechsel 2019/2020
 
 
Die fünf größten Rückgänge (in MW)*
1 Statkraft Markets 2.746
2 Wind Energy Trading & BKW 653
3 Stadtwerke München 365
4 Verbund 300
5 Mark-E 209
*Stichtag: Jahreswechsel 2019/2020

Gespannt warten die Direktvermarkter auf die von der Bundesnetzagentur für diesen Sommer angekündigte Umstellung bei den Regelungen für die Regelenergie. So auch Julian Göhler. Der Mitbegründer und Geschäftsführer der WET Wind Energy Trading AG (seit Sommer 2016 weitestgehend unter dem Dach der Berner BKW Energie AG) ist jedenfalls froh, dass sich die Querelen um das Mischpreisverfahren im vergangenen Sommer nicht negativ auf die Vermarktungspreise ausgewirkt haben.

Dass das WET-Portfolio nach der Silvesternacht mit einem Minus von 653 MW gestartet ist, beunruhigt Göhler nicht im Geringsten: „Solch eine Entwicklung hatten wir auch in den Vorjahren gehabt.“ Um Fehlerquellen zu vermeiden und das Vertragshandling zu verbessern, gebe es bei WET mittlerweile eine Reihe von Verträgen, „die unterjährig auslaufen und dann zur Verlängerung anstehen.“ Was beispielsweise zum 1. März der Fall sein wird: „Dann wächst unser Portfolio gleich um 1.000 Megawatt, womit wir schon über Vorjahresniveau liegen“, so Göhler. (Überraschende) Sprünge bei der Direktvermarktung bleiben nicht aus. Nachzulesen dann in der nächsten E&M-Direktvermarktungsumfrage Mitte August.

Die Langfassung der 11. E&M-Branchenerhebung erscheint in der Ausgabe 3 der Energie & Management am 3. Februar. Eine ausführliche Auswertung sowie knapp 80 detaillierte Unternehmensdaten zur Direktvermarktung können Sie bei uns im E&M-Shop   erwerben.
 

Ralf Köpke
© 2020 Energie & Management GmbH
Freitag, 31.01.2020, 10:14 Uhr

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