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Bild: E&M
STARTKLAR:
Power-to-X im Kompaktformat
In unserer Rubrik Startklar stellen wir regelmäßig Start-ups aus der Energiewirtschaft vor. Dieses Mal: Ineratec aus Karlsruhe.
 
Wirtschaftlich – das ist einer der Begriffe, die aus den jüngsten Mitteilungen von Ineratec besonders herausstechen. Im Zusammenhang mit Power-to-Gas lässt er allemal aufhorchen. Denn die Einspeisung von synthetisch hergestelltem Gas in die vorhandene Leitungsinfrastruktur wird bisher zwar immer als Option mit riesigem Mengenpotenzial gesehen, aber von vielen Ingenieuren als ineffiziente Alternative auch wieder verworfen.

Doch das, was den Gründern von Ineratec gelungen ist, ist laut Karlsruher Institut für Technologie (KIT) der „Durchbruch“ im Hinblick auf die Sektorenkopplung. Power-to-Gas ist nicht mehr auf teure großtechnische Anlagen angewiesen. Die vom KIT-Spin-off entwickelte Reaktortechnologie passt in einen Schiffscontainer und lässt sich in ihrer modularen Konzeption entsprechend skalieren. Eine Pilotanlage wurde kürzlich in einer Kläranlage in der Nähe von Barcelona in Betrieb genommen und liefert nun rund 100 Kubikmeter Gas pro Tag, die ins Netz eingespeist werden können. Dies entspricht einer Energiemenge von knapp 900 kWh. Ausdrücklich weist Geschäftsführer Tim Böltken darauf hin, dass dort auch die von den Behörden geforderte Gasqualität für das spanische Netz erreicht wird.

 
Die Power-to-Gas-Anlage von Ineratec
Bild: Ineratec

Im Jahr 2016 gründete Böltken gemeinsam mit Philipp Engelkamp und Paolo Piermartini das Unternehmen. „Das Kernteam ist allerdings schon seit 2014 zusammen“, berichtet der promovierte Ingenieur. Die Anfänge der gemeinsamen Forschungsarbeit am KIT datiert er sogar noch weiter zurück – in das Jahr 2004.
Bei Ineratec geht es aber nicht nur um Power-to-Gas, sondern auch um Power-to-Liquids. Die erste Pilotanlage dafür wurde bereits 2016 in Finnland errichtet – „die weltweit erste ihrer Art“, wie Böltken betont. Dort wird seither mithilfe von regenerativ erzeugtem Strom Wasserstoff gewonnen, der in einem chemischen Reaktor zusammen mit Kohlendioxid in flüssige Treibstoffe umgewandelt wird. Das Besondere dabei: Das CO2 wird aus der Umgebungsluft entnommen.

„Die Anlage ist außerordentlich lastflexibel“, erklärt der Ineratec-Geschäftsführer. Ein schnelles An- und Abfahren der Anlage ermögliche es, Flexibilitäten für das Stromnetz bereitzustellen. Die kompakte Bauweise bringe hier entscheidende Vorteile gegenüber den herkömmlichen Power-to-X-Anlagen.

Eine weitere Anlage zur Produktion von regenerativem Treibstoff dürfte demnächst in Bau gehen. Sie soll in Laufenburg im Schweizer Kanton Aargau entstehen und mit einer Elektrolyseleistung von 1 MW rund 400 000 Liter pro Jahr liefern. Projektpartner sind die Audi AG und die Energiedienst Holding AG, eine Tochtergesellschaft von EnBW. Laut Böltken sind alle Antragsunterlagen eingereicht. Die Beteiligten warten jetzt nur noch auf das "Go" der Behörden.

Auch wenn das Interesse der etablierten Energieversorger an der Technologie des Start-ups groß sei, wollen die drei Gründer keinen von ihnen als Anteilseigner an Bord holen. „Eine Zusammenarbeit mit der Energiewirtschaft gibt es und soll es auch weiter geben.“ Böltken spricht von „Partnerschaften auf Augenhöhe“. Das eigene Unternehmen, das unter den drei Finalisten des diesjährigen Deutschen Gründerpreises ist, werde aber weiter vollständig in Gründerhand bleiben.
 

Fritz Wilhelm
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Freitag, 20.07.2018, 15:56 Uhr

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