• An allen Enden fester
  • OGE arbeitet mit Lkw-Herstellern zusammen
  • Verbände fordern mehr Hilfen bei Effizienz-Projekten
  • Vonovia will mehr Mieterstromanlagen bauen
  • Projektplaner von Amprion erhalten eigenes Bürogebäude
  • BEE: Energiewende braucht schnell mehr grüne Stromerzeugung
  • Aufbruch in die E-Luxusklasse mit reichlich Kilowatt
  • Feldversuch in Tamm macht Netze BW fit fürs Elektromobilität
  • Uniper klagt gegen niederländischen Kohleausstieg ohne Entschädigung
  • Netzagentur kürzt Gebotsvolumen um 250 MW
Enerige & Management > Stadtwerke - Jobmotor hinterm Deich
Bild: E&M, Jonas Rosenberger
STADTWERKE:
Jobmotor hinterm Deich
Dank der Nähe zu den Offshore-Windparks in der Nordsee nutzen immer mehr Dienstleister den kleinen Flugplatz Emden, der dem lokalen Stadtwerk gehört, als Service- und Wartungsbasis.
 
Emden, Ostfrieslands Seehafenstadt nahe der Emsmündung, hat so einige Alleinstellungsmerkmale: Das Mitte der 1980er Jahre geschaffene Museumshaus Otto Huus, initiiert von Komiker Otto Waalkes, einem der bekanntesten Söhne der Stadt, zählt dazu oder die Kunsthalle, für deren Bau sich der frühere, ebenfalls in Emden geborene Stern-Chefredakteur Henri Nannen stark gemacht hat.

Und die 50.000-Einwohner-Stadt hat seit 1959 einen Flugplatz. Klein, aber fein, mit einer 1.300 Meter langen und 30 Meter breiten Start- und Landebahn. Für die kleinen Propeller-Maschinen, die bis heute von hier aus Kurs auf die ostfriesischen Inseln nehmen, ist das allemal ausreichend. Auch so manche VW-Manager wissen den kleinen Landeplatz seit Jahren zu schätzen, um schnell in das am Stadtrand gelegene Produktionswerk zu kommen.
 
Seit einigen Jahren hat der „Ostfriesland-Airport“, komplett im Besitz der lokalen Stadtwerke, eine Entwicklung genommen, die im Rathaus am Delft mit großem Wohlwollen gesehen wird: „Auf unserem Gelände sind rund 300 neue, zukunftsfähige Arbeitsplätze entstanden“, sagt Flugplatz-Geschäftsführer Olaf Schmidt, „für unsere Region ist das eine Hausnummer und mit einem mittelständischen Betrieb zu vergleichen.“
 
Verantwortlich für diese „Transformation“ ist die Offshore-Windenergie: Hintern dem Deich in der Nordsee sind mittlerweile ein Dutzend Offshore-Windparks im so genannten Borkum-Cluster am Netz. „Für einen reibungslosen Betrieb müssen diese Meereskraftwerke in den nächsten Jahren regelmäßig gewartet und repariert werden“, erklärt Schmidt, „wir liegen hier geografisch genau richtig, so dass die Hubschrauber die Gondeln der Offshore-Windturbinen in durchschnittlich 35 bis 40 Minuten erreichen.“
 
Der Flugplatz Emden hat sich zur Heimatbasis für zahlreiche Dienstleister aus dem Offshore-Windsektor entwickelt.
Bild: Ralf Köpke
 
Deshalb liegt es auf der Hand, dass gleich vier Helikopter-Unternehmen Emden zu ihrem „Offshore-Hub“ gemacht haben. Nicht die einzige Neuansiedlung: Die OutSmart GmbH beispielsweise managt von ihrer Leitwarte auf dem Emder Flugplatz den Betrieb mehrerer Offshore-Windparks. Der Energiekonzern EnBW hat nicht unweit vom OutSmart-Gebäude vor gut zwei Jahren eine eigene Dependance gebaut, um mit Service- und Wartungskräften die eigenen Nordsee-Kraftwerke wie „Hohe See“ und Albatros und demnächst „He Dreiht“ zu betreuen.
 
Nachdem die Bundesregierung für den weiteren Ausbau der Offshore-Windenergie mit der Wind-auf-See-Gesetznovelle im vergangenen Spätherbst endlich grünes Licht gegeben hatte, setzt Schmidt auf weiteres Wachstum: „Da kommt noch einiges auf uns zu, deshalb wollen wir uns für die nächsten Offshorewind-Firmen weitere Flächen sichern.“
 
Noch ein Ziel hat der Flugplatz-Manager: „Bis ich in den Ruhestand gehe, will ich hier zumindest die Schwarze Null schaffen.“ Zahlreiche Abgaben und hohe Sicherheitsstandards belasten derzeit die Bilanz der Stadtwerke Emden jährlich mit rund 400.000 Euro. Der einzige kleine Wermutstropfen, der die Erfolgsstory des Emder Flugplatzes noch trübt.
 

Ralf Köpke
© 2021 Energie & Management GmbH
Freitag, 19.03.2021, 09:00 Uhr

Mehr zum Thema