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Enerige & Management > Meinung - Irrtum korrigiert
Bild: Denis Junker, Fotolia
MEINUNG:
Irrtum korrigiert
Die Verbindung zwischen dem Steag-Konzern und den Kommunalversorgern aus Nordrhein-Westfalen hat nie so richtig gepasst, meint E&M-Chefreporter Ralf Köpke.
 
Aus der Traum. Was waren das für hochfliegende Pläne, als sich die Ruhrgebietskommunen Dortmund, Bochum, Duisburg, Oberhausen, Essen und Dinslaken sowie ihre Stadtwerke 2010 entschlossen hatten, den traditionellen Steinkohleverstromer Steag von Evonik zu kaufen. Manch einer aus diesem Kreis wähnte die „neue kommunale Steag“ bereits als ernstzunehmenden Wettbewerber des ungeliebten RWE-Konzerns im Revier, als bundesweite Stadtwerke-Plattform für den Ausbau erneuerbarer Energien oder als Motor für mehr (grüne) Kraft-Wärme-Kopplung insbesondere im Ballungsraum Ruhrgebiet.

Klar, Geld sollte auch verdient werden. Und zwar reichlich: Kohlekraftwerke galten vor nicht einem Jahrzehnt durchaus noch als Hoffnungsträger für die künftige Energieversorgung. Von Fridays for Future war noch keine Rede.

All gone with the wind – alle Pläne haben sich in Luft aufgelöst. Selbst beim KWK- und damit beim für das Ruhrgebiet so wichtigen Fernwärmeausbau, sozusagen Kernkompetenz der Steag, ist das Essener Unternehmen nicht groß vorangekommen. Noch immer lässt beispielsweise der erste Spatenstich für die erweitere Fernwärmeschiene Rhein-Ruhr auf sich warten.

Dieses Vorhaben und die damit (später) verbundenen Förderzusagen in dreistelliger Millionenhöhe waren wichtige Gründe dafür, dass die neu ins Amt gekommene rot-grüne Landesregierung 2011 mit Änderung des Gemeindewirtschaftsrechts den Weg für den kommunalen Steag-Deal frei gemacht hatte. Wie sich eine umweltfreundliche Fernwärmeversorgung auf KWK-Basis ausbauen und forcieren lässt, zeigen seit Jahren eindrucksvoll Düsseldorf und Köln. Gemessen daran, ist im Ruhrgebiet Schneckentempo angesagt – was irgendwie typisch für die Region ist.

Liaison stand unter keinem guten Stern

Die Liaison zwischen der Steag und den Revier-Städten stand von Beginn an unter keinem guten Stern. Auch wenn es auf Management- und Geschäftsführungsebene durchaus professionell lief, kam in den (maßgeblich verantwortlichen) Räten der sechs Revier-Kommunen nie das Gefühl auf, dass die Steag ihr Energieversorger sei. Den Nutzen der Steag-Beteiligung konnten immer weniger Kommunalpolitiker erkennen. Zumal die sechs ohnehin klammen Revierstädte den rund 1,2 Mrd. Euro teuren Kauf der Steag mit Krediten finanziert hatten. Geld, das an anderer Stelle fehlt(e). Dass das Unternehmen sein Geld In Kolumbien, Indien, Botswana oder demnächst auch in Indonesien verdient, passte nicht in die übersichtliche Revier-Welt.

Genau für diese Geschäfte braucht die Steag, die ihr Handwerk ja versteht, andere Partner. Seien es internationale Investoren oder ausländische Energieversorger. Der asiatische Energiemarkt, auf dem der Energieversorger beispielsweise erfolgreich unterwegs ist, gehört jedoch nicht zum angestammten Terrain eines deutschen Stadtwerks.

Die fünf Stadtwerke, die demnächst zusammen ihr 64-%-Paket an der Steag verkaufen, hätten 2010 besser daran getan, ihre Beteiligungs-Millionen in grüne Energien und Nahwärme-Projekte zu investieren. Ihre Steag-Beteiligung hat den Aufbau einer zukunftsfähigen Energieversorgung alles andere als vorangebracht. so gesehen ist dieses Quintett dabei, einen früheren Irrtum zu korrigieren.

 
Ralf Köpke ist Chefreporter bei Energie & Management.
Bild: Evi Ludwig
 

Ralf Köpke
© 2019 Energie & Management GmbH
Montag, 08.07.2019, 15:22 Uhr

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