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Von der Zukunft abgekoppelt
Beim Breitbandausbau gibt es zwischen Stadt und Land sowie Ost- und West-Bundesländern deutliche Diskrepanzen. Strukturschwache Regionen drohen den Anschluss zu verlieren.
 
Glaubt man den Zahlen des Statistischen Bundesamts, dann steht Deutschland in Sachen Internet gar nicht so schlecht da: 87 % der Haushalte haben einen Breitbandanschluss, schreiben die Chefstatistiker aus Wiesbaden in ihrem Jahrbuch von 2018. Aber diese Quote ist trügerisch, denn das Statistische Bundesamt zählt auch mobile Internetzugänge und solche mit weniger nachhaltigen Technologien als Breitbandanschlüsse.

Tatsächlich gibt es bei der Versorgung mit schnellem Internet deutliche Diskrepanzen innerhalb Deutschlands. Generell haben Großstädte und Stadtstaaten schnellere Netze als Flächenländer, auch bieten die westlichen Bundesländer höhere Datenübertragungsgeschwindigkeiten als die Leitungen im Osten Deutschlands.

Zu diesem Ergebnis kommt eine E&M vorliegende aktuelle Breitbandstudie der Etrality GmbH, die die Internetplattform „speedcheck.org“   betreibt. Danach hat sich hierzulande die durchschnittliche Downloadgeschwindigkeit seit 2013 von 10,12 Megabit pro Sekunde (Mbit/s) auf 22,68 Mbit/s mehr als verdoppelt. Laut den Messungen von Speedcheck werden in Bremen mit einer durchschnittlichen Downloadrate von 27,22 Mbit/s die besten Werte, in Niedersachsen dagegen mit 14,45 Mbit/s die schlechtesten Werte erzielt. „Bei solchen Geschwindigkeitsunterschieden kann von einer flächendeckenden gleichwertigen Versorgung der Bürger also keine Rede sein“, schreiben die Autoren der Studie.

Mecklenburg-Vorpommern im Bundesvergleich auf Platz 9

Bei Betrachtung der Werte aus den einzelnen Bundesländern fällt auf, dass die vorderen Plätze allesamt von Bundesländern im Westen dominiert werden, während sich die neuen Bundesländer auf die hinteren Plätze konzentrieren. Mecklenburg-Vorpommern erreicht mit Platz 9 und 21,22 Mbit/s die höchste durchschnittliche Downloadgeschwindigkeit der neuen Bundesländer. Die Studie zeigt damit, dass es beim Breitbandausbau in Deutschland nicht nur eine Lücke gibt, die immer noch zwischen den ehemals getrennten Teilen Deutschlands herrscht, sondern zugleich auch die Zukunftsfähigkeit der ostdeutschen Bundesländer gefährdet ist, weil der Trend zur Digitalisierung verschlafen wird. So lässt sich seit 2013 keine Tendenz zu einer Verkleinerung dieser Lücke erkennen. Der Abstand zwischen Ost und West ist in absoluten Zahlen von 2,8 Mbit/s auf nun 6,5 Mbit/s sogar stark angestiegen.

Fehlender Breitbandausbau verstärkt Trend zur Abwanderung

Noch deutlicher werden die vorhandenen Unterschiede, wenn die Extremwerte der Messungen genauer betrachtet werden. So wuchs die Download-Geschwindigkeit seit 2013 im Median mit 124 % schnell an, aber im selben Zeitraum konnten die unteren 5 % der Messungen nur ein Wachstum von lediglich 23 % verzeichnen. Die oberen 5 % legten hingegen um knapp 200 % zu. Durch diese Stagnation auf der einen und die deutliche Verbesserung auf der anderen Seite wird klar, dass es auch in Zukunft einen nicht unerheblichen Teil der Bevölkerung geben wird, der im digitalen Abseits leben muss, heißt es in der Studie. Und durch die demografischen Entwicklungen in den derzeit benachteiligten Regionen dürfte sich die Tendenz eher noch verstärken, weil junge, gut ausgebildete Menschen in die wirtschaftlich attraktiveren Orte abwandern werden.

Keine Alternative zum Glasfaserausbau

Die Ursache für die Entwicklungen im Breitbandmarkt sehen die Studienautoren bei Wirtschaft und Politik. Zu lange hätten Telekommunikationsunternehmen, vor allem die Telekom, auf das bestehende Kupfernetz gesetzt, um Kunden an das internationale Glasfasernetz anzuschließen. Zwar können mit bestimmten technischen Verfahren wie dem (Super-)Vectoring höhere Übertragungsraten auch im Kupferkabel erzielt werden, allerdings sind die Geschwindigkeitszuwächse nur kurzfristig und wenig nachhaltig. Vielmehr würden Zukunftsinvestitionen in nachhaltigere Technologien wie den direkten Glasfaseranschluss dadurch herausgezögert und somit der Breitbandausbau abgebremst. Langfristig wird es aber keine Alternative zur Glasfaser geben. 2018 verfügten in Deutschland gerade einmal 2,6 % der Haushalte über einen solchen Anschluss.

Für die Studie „Speedcheck Breitband Report: Deutschland und die Bundesländer (2019)“ waren zwischen Januar 2013 und April 2019 insgesamt mehr als 9 Mio. Geschwindigkeitstests aus zuletzt über 1 Mio. Haushalte ausgewertet worden.
 

Kai Eckert
Redakteur
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Montag, 15.07.2019, 15:30 Uhr

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