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Enerige & Management > Wasserstoff - Modell für eine netzdienliche Wasserstoff-Förderung
Bild: Thyssenkrupp Steel Europe
WASSERSTOFF:
Modell für eine netzdienliche Wasserstoff-Förderung
Über ein kombiniertes Ausschreibungsmodell sollen sich die in der Nationalen Wasserstoffstrategie gesteckten Ausbauziele für Elektrolyseure erreichen lassen, wie eine Studie zeigt.
 
Keine Frage: Die Bundesregierung sieht in grünem Wasserstoff ein Schlüsselelement der Energiewende. Wie die Initiative Erdgasspeicher (Ines) anführt, soll gemäß der Nationalen Wasserstoffstrategie bis 2030 rund 13 bis 16 % des gesamten in Deutschland verbrauchten Wasserstoffs über inländisch produzierten, CO2-freien Wasserstoff aus Elektrolyse-Kapazitäten bereitgestellt werden. Insgesamt soll die Wasserstoffproduktion in Deutschland auf eine Kapazität von bis zu 5.000 MW hochgefahren werden. Einen Fördermechanismus, der die Herstellung von grünem Wasserstoff in Elektrolyseuren zu wettbewerbsfähigen Preisen ermöglichen soll, hat die Initiative von Becker Büttner Held (BBH) untersuchen lassen.

Die Ergebnisse dieser Untersuchung präsentierte Sebastian Bleschke, Geschäftsführer der Ines, zusammen mit den Studienautoren von BBH − Roland Monjau und Christian Dessau − am 12. Januar in einer Online-Veranstaltung. Ihrer Kurzstudie gaben sie den Titel "Kombiniertes Ausschreibungsmodell zur Förderung von Elektrolyseuren für eine netzdienliche Umsetzung der Nationalen Wasserstoffstrategie". 

Den Fokus der Modellentwicklung legten die Studienautoren auf den Aufbau einer Elektrolyse-Kapazität von 3.000 MW bis 2030 außerhalb des Verkehrssektors. Der Grund: "Die Nationale Wasserstoffstrategie sieht bereits ein breites Instrumentarium zur Realisierung der im Verkehrssektor avisierten 2 GW Elektrolysekapazität vor", schreiben die Autoren in der Studie mit Bezug auf die Umsetzung der Erneuerbare-Energien-Richtlinie (RED II).

Ausschreibung von regelbaren Lasten 

Folgenden Ansatz schlägt BBH vor, um die staatliche Förderung mit einer netzdienlichen Fahrweise der Elektrolyseure zu kombinieren: In einem ersten Schritt erfolgt durch die Übertragungsnetzbetreiber (ÜNB) im Kontext der Systemdienstleistungen eine Ausschreibung von regelbaren Lasten (siehe Grafik). Daran können sich potenzielle Betreiber von Elektrolyseuren beteiligen und einen sogenannten Vorvertrag mit den ÜNB schließen. Wie Roland Monjau von BBH aufführte, sichert dieser Vorvertrag den Betreibern einen Investitionskostenbeitrag für den geplanten Elektrolyseur und gibt ihnen die Berechtigung, an wöchentlichen Auktionen für die Bereitstellung der vereinbarten Systemdienstleistungen, teilzunehmen.

In einem zweiten Schritt findet eine behördliche Ausschreibung zur Förderung der Wasserstoffproduktion statt. "Zweimal jährlich sollen dabei 150 MW ausgeschrieben werden – über zehn Jahre also drei Gigawatt", so Monjau. Hierbei ermöglicht die Systemdienstleistungsausschreibung den Betreibern mit einem Vorvertrag dann die Abgabe besonders netzdienlicher und kosteneffizienter Angebote.
 
Ablauf der integrierten Ausschreibung. Zum Vergrößern bitte auf die Grafik klicken.
Grafik BBH

Wie Bleschke betonte, werde durch das vorgeschlagene Modell der Markthochlauf von Elektrolyseuren gleich zu Beginn an mit einer netzdienlichen Fahrweise gekoppelt. Das Modell setze also genau da an, wo die Energiewende den Stromsektor vor großen Herausforderung stellt. Auch eine effizientere Förderung sei durch das Modell möglich − Bleschke: "Deckungsbeiträge, die Elektrolyseure aus Systemdienstleistungen erwirtschaften, müssen nicht gefördert werden."

Monjau ist sich sicher: "Unser Vorschlag zeigt, dass sich effiziente Förderung und Mehrwert für das Energiesystem sinnvoll ergänzen." Gerade für sektorkoppelnde Technologien wie Wasserstoff-Elektrolyseure sei ein integrativer Ansatz sehr wichtig, um frühzeitig die Weichen für ein intelligentes Versorgungssystem der Zukunft zu stellen. Zudem: "Die Studie macht auch klar, dass die rechtliche Umsetzung schnell und unkompliziert angestoßen werden kann", so Monjau. 

Weitere Details zum vorgeschlagenen Ausschreibungsmodell finden sich auf der Internetseite der Ines. Dort steht die 28-seitige Kurzstudie "Kombiniertes Ausschreibungsmodell zur Förderung von Elektrolyseuren für eine netzdienliche Umsetzung der Nationalen Wasserstoffstrategie"   zum Download bereit.

 
 

Davina Spohn
Redakteurin
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Dienstag, 12.01.2021, 16:01 Uhr

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