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Bild: Lars Schmid, Fotolia
WINDKRAFT ONSHORE:
HSH Nordbank sieht neue Chance für Windenergie
Der technische Fortschritt und europaweite Auktionsverfahren tragen dazu bei, dass Windstrom immer konkurrenzfähiger wird und zunehmend ohne staatliche Förderung auskommt.
 
Rund eineinhalb Jahre nach der Einführung des Ausschreibungsverfahrens zur Bestimmung der Förderungshöhe resümiert die HSH Nordbank in einer aktuellen Marktstudie, dass dieses Wettbewerbselement bei neuen Windenergieprojekten den angestrebten Druck auf die Vergütungshöhen entfaltet hat. Die Vergütungen liegen nur noch leicht über oder in einigen Ländern sogar schon unter dem aktuellen Strompreisniveau, erklärten Experten bei der Vorstellung der Studie.

„Der Markt funktioniert zusehends ohne staatliche Förderung“, bringt es Lars Quandel, Leiter Energie & Infrastruktur der HSH Nordbank in einem Pressegespräch in Hamburg auf den Punkt. „Damit eröffnen sich für alle Beteiligten neue Chancen. Mittel- und langfristig wird die Bedeutung von Windenergie bei der Stromproduktion weiter zunehmen“, ist Quandel überzeugt.

Der Übergang zu einer wettbewerbsbasierten Vergabe der Fördermittel in Europa hat im vergangenen Jahr noch einmal zu einem Rekordvolumen geführt. Viele Projekte hätten Übergangsregelungen genutzt, um noch die alten Förderregime zu nutzen.

Für 2017 bilanziert die Studie der HSH Nordbank einen Bruttozubau von knapp 16 900 MW, davon entfiel der größte Anteil mit 13 700 MW auf Windenergieprojekte an Land, rund 3 200 MW entfielen auf Offshore-Projekte. Mit 6 100 MW und einem Anteil von 37,5 % bildet Deutschland dabei in Europa den Spitzenreiter beim Zubau, es folgen Großbritannien (26,5 %) mit 4 300 MW und Frankreich (rund 10 %) mit 1 700 MW.

Für 2018 und 2019 rechnet die HSH Nordbank mit einem deutlich langsameren Windkraftausbau und prognostiziert das erwartete Volumen nur auf 12 000 bis 13 000 MW. Das hänge unter anderem damit zusammen, dass 2016 gerade in Deutschland noch viele Projekte unter den alten Förderregeln genehmigt wurden und in den ersten drei Ausschreibungsrunden 2017 vorwiegend Bürgerenergiegesellschaften zum Zuge kamen, die ohne Genehmigung nach dem Bundesimmissionsschutzgesetz (BImSchG) längere Zeit zur Umsetzung haben.

„Zugleich wird in Frankreich eine Neuordnung der Genehmigungsverfahren durchgeführt, weshalb seit fast einem Jahr keine Umweltgenehmigungen für neue Projekte erteilt werden“, erklärt Nils Driemeyer, Leiter Vertrieb Energie & Versorger International die Hintergründe auf E&M-Nachfrage.

Ab 2020/2021 rechnen die Autoren der Studie mit einem Anstieg des Zubaus auf ein neues Rekordniveau in Europa. „Der Zubau auf internationalen Märkten spielt eine große Rolle“, sagt Quandel und sieht vor allem in Schweden und Spanien einen spürbaren Ausbau der Windenergie.

Insgesamt dürfte die installierte Windleistung in den Jahren 2020 und 2021 um jeweils 19 000 MW steigen, so seine Einschätzung. Danach dürfte sich der jährliche Bruttozubau bis 2025 auf bei rund 16 000 MW einpendeln. Langfristig rechnen die Autoren aufgrund der klimapolitischen Bedeutung der emissionsfreien Energieerzeugung mit einem weiteren Ausbau der Windenergie.

Dabei dürfte die Windbranche auch weiterhin von einem niedrigen Zinsniveau und niedrigen Kreditrisikoprämien profitieren. Windpark-Investments seien inzwischen bei institutionellen Anlegern als „Alternative Assets“ mit gut abgesichertem Cashflow „hoch im Kurs“, heißt es bei der HSH Nordbank.

Beim Bau neuer Windprojekte werden neue Marktinstrumente zunehmend an Bedeutung gewinnen. Mit Power Purchase Agreements (PPA) schließen Wind- und Solarparkbetreiber direkte Stromabnahmeverträge mit Unternehmen und können so auch nach dem Auslaufen von staatlich garantierten Einspeisevergütungen langfristige Erlössicherheit gewährleisten.

„PPA gewinnen immer stärker an Bedeutung. Wir sind startklar, um unsere Kunden optimal zu begleiten, sobald dies auch die Rahmenbedingungen erlauben“, betonte Inka Klinger, Leiterin Energie & Logistik Vertrieb Deutschland.

Auch die Garantien von staatlichen Exportkreditagenturen, die sogenannten „ECA-Deckungen“ werden für die Branche immer wichtiger. „ECA-Deckungen werden künftig eine noch wichtigere Rolle beim weltweiten Ausbau der Windenergie spielen, um sowohl Länderrisiken als auch Projektrisiken zu minimieren“, ist Driemeyer überzeugt.

Die HSH Nordbank hat im Bereich erneuerbare Energien ein Finanzierungsvolumen von 5 Mrd. Euro, davon entfallen rund 4 Mrd. Euro auf die Finanzierung von knapp 250 Projekten und etwa 1 Mrd. Euro auf Unternehmensfinanzierungen.
 

Kai Eckert
Redakteur
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Freitag, 21.09.2018, 16:57 Uhr

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