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STUDIEN:
Grundversorger passen Preise an Intensität der Onlinesuche an
Eine Studie hat aufgedeckt, dass Grundversorger ihre Standardtarife erhöhen, wenn vermehrt im Internet nach günstigen Stromtarifen in ihrem Netzgebiet gesucht wird.
 
Trotz der Marktliberalisierung vor 20 Jahren und der Wahlfreiheit der Stromversorger nutzen die örtlichen Grundversorger ihren Standortvorteil weiterhin aus. Wie eine Studie des Mannheimer Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) zeigt, die gemeinsam mit der Hochschule Mines ParisTech, der Universität Wien und der Wirtschaftsuniversität Wien durchgeführt wurde, erhöhen Grundversorger ihren Grundversorgungstarif, wenn Verbraucher im Internet vermehrt nach günstigeren Tarifen suchen.

Zugleich senken sie ihre eigenen Tarife außerhalb der Grundversorgung, bleiben in der Summe aber deutlich über den Preisen der Wettbewerber. Im Beobachtungszeitraum der Studie von 2010 bis 2015 haben Verbraucher im Grundversorgungstarif durchschnittlich 1 006 Euro bezahlt, ein alternativer, nicht der Grundversorgung unterliegender Stromvertrag des örtlichen Versorgers hätte 929 Euro jährlich gekostet und wäre damit immer noch deutlich teurer als die im Schnitt mit 808 Euro zu Buche schlagenden Tarife konkurrierender Stromanbieter.

„Grundversorger haben natürlich einen starken Anreiz, wechselwillige Kunden davon abzuhalten, zu einem anderen Anbieter zu wechseln, indem sie selbst einen günstigeren Preis als den Grundversorgungstarif anbieten“, erklärt Studienautor Sven Heim vom ZEW. Je höher der Anteil der wechselwilligen Kunden sei, desto niedriger setzen die Grundversorger ihren günstigeren Preis an. Im Gegenzug erhöhten sie dann jedoch den Grundversorgungstarif, um mehr an Kunden zu verdienen, bei denen ein Wechsel zu einem günstigeren Anbieter unwahrscheinlich ist, erklärt Heim und sieht dadurch vor allem ältere Menschen, die im Umgang mit Preisvergleichsseiten im Internet weniger vertraut sind, benachteiligt.

Laut der Studie geht die Tarifschere immer stärker auseinander, je intensiver die Suchaktivität auf Preisvergleichsseiten zunimmt. Die Forscher haben festgestellt, dass die Grundversorgertarife um 0,38 % ansteigen, wenn die Suchaktivität im Internet um 10 % steigt. Zugleich würde der eigene Wettbewerbstarif um 1,16 % gesenkt. Die günstigeren Tarife der Wettbewerber sänken hingegen im Zuge der Suchaktivitäten nur leicht um 0,32 %.

Für die Forscher ist hierin eine „klare Preisdiskriminierung der Grundversorger“ zu erkennen, dennoch blieben die meisten Kunden ihren Versorgern gegenüber loyal. 2015 wechselten nur 24 % der Kunden von ihrem Grundversorger zu einem Wettbewerber. Die übrigen 76 % der Haushalte bleiben ihrem örtlichen Versorger treu. Allerdings stellen nur 43 % auf einen günstigeren Tarif um, 33 % der Haushalte bleiben in der teuren Grundversorgung. Im Schnitt könne ein Zwei-Personen-Haushalt durch den Wechsel aus der Grundversorgung zu einem günstigeren Anbieter seine jährlichen Stromkosten um rund 200 Euro senken.

„Je mehr Konsumenten nach günstigeren Stromanbietern im Internet suchen, desto mehr können auch von günstigeren Strompreisen profitieren. Draufzahlen müssen dann allerdings die Verbraucher, die im teuren Grundversorgungstarif bleiben. Die Möglichkeit, den Stromanbieter zu wechseln, führt also zu Gewinnern und Verlierern unter den Verbrauchern“, fasst Heim seine Erkenntnisse zusammen.

Die Studie „Market Liberalization: Price Dispersion, Price Discrimination and Consumer Search in the German Electricity Markets   “ kann als PDF-Datei von der Internetseite des ZEW heruntergeladen werden.
 

Kai Eckert
Redakteur
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Donnerstag, 15.11.2018, 16:28 Uhr