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KLIMASCHUTZ:
G20-Staaten bleiben beim Klimaschutz zurück
Führende Wirtschaftsnationen leisten laut einer aktuellen Studie bislang zu wenig für den Klimaschutz und die Umsetzung der Pariser Klimaziele.
 
In 15 Ländern der G20-Nationen sind die Treibhausgasemissionen 2017 wieder gestiegen. Damit kommen die G20-Staaten bei der Umsetzung des Pariser Klimaabkommens bislang nicht ausreichend voran. Rund zwei Wochen vor Beginn des nächsten G20-Gipfels hat das internationale Klimaschutz-Netzwerk Climate Transparency in einer aktualisierten Studie die Klimaschutzmaßnahmen der G20-Staaten anhand von 80 Kriterien bewertet. Die G20-Staaten spielen beim Klimaschutz eine besonders wichtige Rolle, denn sie sind für rund vier Fünftel der weltweiten Treibhausgasemissionen verantwortlich und beziehen ihren Energiebedarf zu 82 % aus fossilen Energieträgern.

Zwar gibt es laut Studie in einigen wenigen Bereichen erste Fortschritte, die in den kommenden Jahren deutlich ausgebaut und beschleunigt werden müssen. In der Summe werden die G20-Staaten aber selbst mit einem notwendigen Ausstieg aus den fossilen Energien Kohle, Öl und Gas bis 2050 aufgrund der schwachen Dynamik ihre Klimaziele klar verfehlen. Die Defizite der G20 liegen dabei auf zwei Ebenen: Zum einen reichen die Klimaziele nicht aus, um die Erderwärmung deutlich unter zwei Grad oder sogar auf das zur Abwendung eines gefährlichen Klimawandels vereinbarte 1,5-Grad-Ziel zu senken. Zum anderen werden zu wenige der notwendigen Klimaschutzmaßnahmen bisher durchgeführt und die Mehrheit der G20-Staaten droht sogar ihre zu schwachen Klimaziele zu verfehlen, heißt es in der Studie. Bislang habe von den G20 lediglich Indien einen Klimaschutzplan vorgelegt, der einer Begrenzung der Erderwärmung auf zwei Grad annähernd entspricht.

Bezogen auf den gesamten Energiemix seien die G20 noch deutlich mehr „braun als grün“, so das Fazit der Studie. Gerade beim Kohleausstieg würden die Probleme deutlich: Die Länder mit der höchsten Kohleabhängigkeit haben die größten Schwierigkeiten, beim Zurückfahren der Kohleverstromung schnell voranzukommen - auch wenn erste Bemühungen erkennbar seien. „Deutschland mit seiner Kohlekommission wird derzeit international genau beobachtet: Ein ambitionierter und sozialverträglicher Ausstieg kann hier ein wichtiges Signal für andere G20-Staaten setzen“, sagt Jan Burck von Germanwatch, einer der Mitautoren der Studie. Als zweiten Problemsektor der G20-Länder hat die Stude den Verkehr identifiziert. Hier sind die CO2-Emissionen in den letzten fünf Jahren um gut 7 % gestiegen. Bei den Pro-Kopf-Emissionen stehe Deutschland mit 10,5 t bei den jährlichen CO2-Emissionen insgesamt schlechter da, als der Durchschnitt der G20-Staaten, der bei 8 t CO2 pro Einwohner liegt. Im Verkehrssektor liegen die Pro-Kopf-Emissionen in Deutschland mit 2 t CO2 fast doppelt so hoch wie der G20-Durchschnitt, der bei 1,1 t CO2 liegt.

„Deutschland tut bisher deutlich zu wenig, um seine Klimaziele zu erreichen", kritisiert Burck. „Der Report unterstreicht die großen Schwachpunkte im Verkehr, bei den hohen CO2-Emissionen in der Stromproduktion und im Gebäudebereich bei älteren Häusern. Dort schneidet Deutschland jeweils mit der zweitschlechtesten Note ‚schwach‘ ab“, so Burck. Er mahnt eine tatsächliche Verkehrswende hin zu Verkehrsvermeidung, E-Mobilität und deutlich stärkeren Nutzung von Bus, Bahn und Fahrrad an. Zudem sei ein sozialverträglicher Kohleausstieg bis zirka 2030 unumgänglich. Großbritannien und Frankreich seien da immerhin weiter. Sie hätten Ziele zum Ausstieg aus der Kohle und aus dem Verbrennungsmotor vorgelegt.
„Die Bundesregierung hat zwar mit dem Klimaschutzplan 2050 eine langfristige Vision vorgelegt, aber diese ist noch nicht mit den Pariser Klimazielen vereinbar“, kritisiert Burck die schwachen Vorgaben des deutschen Klimaschutzplans.

Allerdings zeigt die Studie auch Licktblicke für Deutschland und bewertet unter anderen die geplante Vorgabe, dass neue Gebäude nahezu klimaneutral gebaut werden müssen. als positiv. Derzeit seien auch die Noten im Bereich erneuerbare Energien noch gut. 34 % des Stroms kamen 2017 aus erneuerbaren Quellen, im G20-Schnitt waren es 24 %. „Diese Zahlen verdanken wir aber guten Ausbauzahlen aus früheren Jahren. Die jüngste Entwicklung bei erneuerbaren Energien gibt Anlass zu großer Sorge. Zum Beispiel bricht der Ausbau der Windenergie ein - ohne Aussicht auf Besserung bis 2020“, mahnt Studienautor Niklas Höhne vom NewClimate Institute.
 

Kai Eckert
Redakteur
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Mittwoch, 14.11.2018, 12:43 Uhr

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