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Enerige & Management > E&M Vor 20 Jahren - Eher anziehend als abstoßend
Bild: Verbund
E&M VOR 20 JAHREN:
Eher anziehend als abstoßend
E&M hat von Anfang an über den Wandel des Energiemarkts berichtet. In der Rubrik "Die Energiewirtschaft vor 20 Jahren", geben wir einen Eindruck davon, was damals den Markt bewegte.
 
Mit der Liberalisierung der Energiewirtschaft im Jahr 1998 erlebte die Branche einen Paradigmenwechsel. Gebietsmonopole wurden aufgebrochen. Energieabnehmer wurden zu Kunden und Energie wurde zu einer börsengehandelten Commodity. Neue Player traten am Markt auf, alteingesessene Unternehmen verschwanden. Ausgewählte Beiträge aus unserer Zeitung und aus E&M Powernews lassen Protagonisten aus dieser Zeit noch einmal zu Wort kommen und zeichnen die ehemaligen Strukturen der Branche nach.

Auch jetzt, da die Energiewende in vollem Gang ist, gibt es immer wieder Diskussionen über die Wechselwirkungen zwischen dem Betrieb von Windkraftanlagen und der touristischen Nutzung von Landschaftsräumen. Längst ist eine geordnete räumliche Entwicklung der Windenergienutzung aber ein wesentliches Anliegen aller Bundesländer. Angesichts der regionalplanerischen Berücksichtigung von Vorranggebieten ist die Debatte um eine Beeinträchtigung des Tourismus verebbt.
 
Vor 20 Jahren sah das teilweise noch ganz anders aus. Eine Studie zeigte aber schon damals, dass Windenergienutzung und Tourismus grundsätzlich nicht im Widerspruch stehen.

 
Ein Beitrag von E&M-Chefreporter Ralf Köpke vom März 2001.
 
Von Windrädern lassen sich Touristen nicht stören. Eine Studie in Schleswig-Holstein widerlegt lang gepflegte Vorurteile.
 
Das Gespenst, das viele Tourismus-Manager in Schleswig-Holstein jahrelang an die Wand gemalt hatten, die steigende Zahl der Windturbinen an Nord- und Ostseeküste würde ihnen die Urlaubsgäste vertreiben, hat sich in Luft aufgelöst.
Die Ergebnisse einer vom Institut für Tourismus- und Bäderforschung in Nordeuropa GmbH (N.I.T.) jüngst vorgestellten Studie sind eindeutig: Nur ein verschwindend geringer Teil der befragten Urlaubsgäste lässt sich von den drehenden Rotoren wirklich abschrecken. Rund drei Viertel der Schleswig-Holstein-Besucher begrüßten hingegen den weiteren Ausbau von Windturbinen. Und noch ein Befund hat Relevanz: Nur ein Fünftel der interviewten Touristen kritisierte zwar das durch die Propeller veränderte Landschaftsbild, würde deshalb aber nicht den Urlaubsort wechseln.
 
Nach der N.I.T.-Studie stören sich Urlauber insbesondere an Hochhäusern und Mülldeponien. Windparks landeten auf Rang acht, einzelne Anlagen sogar erst auf Platz 16. „Mit diesen wichtigen Aussagen hoffen wir, die leidige Diskussion, dass der Windkraft-Ausbau der Tourismuswirtschaft schade, vom Tisch zu haben“, freute Hermann Albers, Vizepräsident des Bundesverbandes WindEnergie (BWE).

„Grundsätzlich hat die Nutzung der Windkraft ein positives Image“

Der BWE gehörte neben dem Tourismusverband Schleswig-Holstein, der Industrie- und Handelskammer Lübeck, der Energiestiftung Schleswig-Holstein, den beiden ostholsteinischen Kommunen Kellenhusen und Grömitz sowie der Betreibergemeinschaft des geplanten Offshore-Projektes Sky 2000 zu den Motoren und Financiers der rund 100 000 DM teuren Expertise.
 
Das Thema Windkraft und Tourismus hat für das nördlichste Bundesland allemal große Bedeutung. Bei der sogenannten „Tourismus-Intensität“, den Gästeübernachtungen pro Einwohner, steht das Bundesland an zweiter Stelle im Bundesvergleich.
 
Auch die Kieler Landesregierung zeigte sich zufrieden, mit der Studien das Dauerbrenner-Thema endlich vom Tisch zu haben. Gleich zwei ihrer Minister präsentierten die Ergebnisse auf der Pressekonferenz in Kiel. Dabei betonte Ingrid Franzen, die Ministerin für ländliche Räume, Landesplanung, Landwirtschaft und Tourismus: „Grundsätzlich hat die Nutzung der Windkraft ein positives Image. Bestehende Windturbinen finden überwiegend Akzeptanz, beim weiteren Ausbau ist dennoch ein sensibles Vorgehen angebracht, wobei ich ständige Beobachtungen des Gästeverhaltens für sinnvoll halte.“ Ihr Haus hatte die Studie mit 25 000 DM gefördert. Ihr Kabinettskollege, der als Windkraft-Befürworter bekannte Energieminister Claus Möller, hob einen zusätzlichen Aspekt der Studie hervor. Der weitere Windkraft-Ausbau im Lande werde sowohl von den Einheimischen als auch den Urlaubern befürwortet, „insbesondere wenn eine gewisse öffentliche Lenkung der Standorte gewährleistet wird und die Windturbinen nicht in beliebiger Dichte überall im Land installiert werden.“
 
Der SPD-Politiker schloss noch einmal nachdrücklich den Bau von Offshore-Maschinen im Nationalpark Wattenmeer aus. Daran, so versicherte BWE-Mann Albers, denke auch kein Investor. Apropos Offshore-Parks. Dazu heißt es in dem Gutachten: „Es lassen sich keine Hinweise dafür identifizieren, dass das Vorhandensein von einzelnen, gruppierten oder auf See installierten Windkraftanlagen zu einem starken Urlauberschwund führt.“
 
Diese Ergebnisse zu akzeptieren, fällt dem CDU-Landrat von Nordfriesland, Olaf Bastian, sichtbar schwer. Der ausgewiesene Windkraft-Gegner hatte als stellvertretender Vorsitzende des Tourismusverbandes an der Pressekonferenz teilgenommen. Er könne Teile der Studie nicht mittragen: „Wir dürfen die Grenzen der Belastbarkeit nicht austesten. Wenn die überschritten sind, bleiben die Gäste weg.“ Trotz anderslautender Ergebnisse in der vor ihm liegenden Studie behauptete Bastian stur, dass jeder fünfte Besucher Schleswig-Holstein angesichts der rund 2000 Windmühlen als Urlaubsland meiden würde.
 
 

Ralf Köpke
© 2021 Energie & Management GmbH
Freitag, 26.02.2021, 13:58 Uhr

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