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Enerige & Management > Bayern - Bayern kann zum EE-Selbstversorger werden
Bild: Fotolia.com, saschi79
BAYERN:
Bayern kann zum EE-Selbstversorger werden
Erneuerbar erzeugter Strom kann perspektivisch Bayerns Strombedarf bilanziell decken – dafür ist allerdings ein deutlich stärkerer Ausbau erforderlich, so eine Studie.
 
Das ist das Ergebnis einer gemeinsamen Studie der Netzbetreiber Bayernwerk Netz, LEW Verteilnetz und Main-Donau Netz­gesellschaft. Die bayerischen Stromnetzbetreiber haben analysiert, welche Entwicklungspfade hinsichtlich der regenerativen Stromerzeugung für Bayern möglich sind und ob Klimaneutralität im Stromsektor erreicht werden kann. Wissenschaftlich begleitet wurden sie dabei von der Münchner Forschungsstelle für Energiewirtschaft (FfE).

Die Untersuchung knüpft an eine Vorgängerstudie aus dem Jahr 2015 an und beschreibt die zukünftige Entwicklung der regenerativen Stromerzeugung in Bayern. Dabei werden in hoher regionaler Auflösung vier Szenarien für die Entwicklung von Windkraftanlagen und Photovoltaik im Freistaat untersucht:
  • Das Szenario „Vernetzung“ setzt einen starken bundesweiten Stromaustausch über Leitungen voraus – im Hinblick auf Kostenoptimierung unter heutigen Bedingungen das ökonomischste Szenario.
  • Im Szenario „Regionale Erzeugung“ wird Ökostrom bevorzugt vor Ort in Bayern erzeugt.
  • Im Szenario „Trend“ wird beim Erneuerbaren-Ausbau die tatsächliche Entwicklung der vergangenen drei Jahre einfach fortgeschrieben.
  • Beim Szenario „Politik" wird der aktuelle bundespolitische Rahmen für die künftige Energie- und Klimapolitik zugrunde gelegt wird.
Das Ergebnis der Simulationen: Mit den beiden letztgenannten Szenarien lasse sich eine CO2-neutrale Stromversorgung hingegen nicht erreichen.

Die beiden Szenarien „Vernetzung“ und „Regionale Erzeugung“ hingegen gehen von einer vollständigen Klimaneutralität der Stromerzeugung in Bayern aus. In beiden Szenarien werden 2030 bereits rund 60 Mrd. kWh grüner Strom erzeugt, 2060 sind es rund 85 Mrd. kWh. Schreibt man den aktuellen Stromverbrauch fort, ließen sich mit dieser Menge 2030 rechnerisch rund 80 % des Stromverbrauchs im Freistaat decken.

2060 produzieren die bayerischen Ökostromanlagen dann sogar deutlich mehr Strom als verbraucht wird. Perspektivisch steht damit genügend regenerativer Strom für die Elektri­fizierung neuer Anwendungen wie Elektromobilität, Ausbau von Wärme­pumpen oder Power-to-X-Maßnahmen zur Verfügung.

Ein wichtiger Baustein ist in beiden erfolgversprechenden Szenarien ein starker Zubau von Photovoltaikanlagen: Die installierte PV-Leistung auf Gebäuden erhöht sich von aktuell 9.500 MW auf 21.100 MW im Jahr 2030 bzw. 32.400 MW im Jahr 2060. Im Vernetzungsszenario verzeichnen zudem die Freiflächenanlagen einen deutlichen Zuwachs - von aktuell 3.000 MW auf 10.000 MW (2030) bzw. 25.200 MW (2060).

Während im Regionalszenario der Zubau an Freiflächenanlagen etwas verhaltener ausfällt, kommt hier der Windkraft eine wichtigere Rolle zu. Das Szenario beschreibt einen Zubau der Windkraft von aktuell 2.800 MW auf 5.700 MW (2030) bzw. 9.300 MW (2060).

Windkraft mit regionalen Schwerpunkten

Im Regionalszenario erfolgt der stärkste Zubau von Windkraftanlagen mit +1.500 MW in Unterfranken. Es müssen aber auch Standorte in den südlichen Regierungsbezirken (Niederbayern: +1.200 MW und Schwaben: +1.100 MW) erschlossen werden, um die Klimaschutzziele zu erreichen. In den anderen Regierungsbezirken beträgt der Zubau zwischen 550 und 650 MW.

Im Gegensatz zur Windkraft verteilt sich der Zubau von Photovoltaik-Freiflächenanlagen gleichmäßiger auf alle Regierungsbezirke. Mit 2.300 MW entfällt der größte Zubau auf den größten Regierungsbezirk, Oberbayern.

„Wir brauchen noch mehr Dynamik beim Ausbau der Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien, wenn wir die Idee einer klimaneutralen Energieversorgung erreichen wollen“, so die drei Verteilnetzbetreiber in einem gemeinsamen Statement.

Neben der weiteren Integration der erneuerbaren Anlagen in das Stromnetz wird auch die absehbar zunehmende Beanspruchung der Stromnetze im Zuge neuer Anwendungen wie der Elektromobilität eine zentrale Aufgabe bleiben. Durch Netzausbau, den Einsatz innovativer Technologien sowie Digitalisierung und Flexibilisierung in Erzeugung, Verbrauch und Speicherung sehen die Verteilnetzbetreiber sich für diese Aufgaben gut gerüstet. „Wir können den notwendigen Netzausbau zusätzlich optimieren, wenn wir auf Flexibilitätsoptionen in Erzeugung, Vertrieb und Speicherung netzdienlich zugreifen können“, so die Verteilnetzbetreiber.
 
Eine Kurzfassung der Studie "EE-Prognose Bayern   " kann auf der Website der FFE heruntergeladen werden.

 
 

Peter Koller
Redakteur
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Donnerstag, 06.02.2020, 11:43 Uhr

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