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Enerige & Management > Kohlekraftwerke - Analyse sieht neue Kohlekraftwerke bei Stilllegung benachteiligt
Bild: Photocase.com, Markus Imorde
KOHLEKRAFTWERKE:
Analyse sieht neue Kohlekraftwerke bei Stilllegung benachteiligt
Die Beratungsgesellschaft Frontier Economics hat für Trianel die Verluste bei der verordneten Stilllegung des Steinkohlekraftwerks Lünen berechnet.
 
Die Stadtwerke-Kooperation Trianel hat bei Frontier Economics eine Analyse in Bezug auf eine vorzeitige Stilllegung der Steinkohleanlage in Lünen (Nordrhein-Westfalen) in Auftrag gegeben. Das Kohleausstiegsgesetz der Bundesregierung sieht vor, dass Braunkohlekraftwerk spätestens 2038 abgeschaltet werden, Steinkohlekraftwerke hingegen sollen bereits bis 2033 stillgelegt werden. Zudem erfolgt die Abschaltung der Steinkohleblöcke laut Gesetz ab 2027 entschädigungslos.

Das Ergebnis der Berater: Durch den verordneten Ausstieg entsteht dem Betreiber des Steinkohlekraftwerks in Lünen ein wirtschaftlicher Schaden von knapp 600 Mio. Euro. Das Kraftwerk ging 2013 ans Netz. Frontier Economics geht davon aus, dass die Anlage im Jahr 2030 abgeschaltet werden wird – „weit vor dem geplanten betriebswirtschaftlichen Stilllegungsdatum 2053.“

Werde nur der wirtschaftliche Schaden auf Basis der entgangenen Deckungsbeiträge für die Jahre 2030 bis 2045 betrachtet, die das Kraftwerk nach seiner Stilllegung gemäß der zu erwartenden Strommarktentwicklung nicht mehr verdienen kann, „ergibt sich für das Trianel Kohlekraftwerke Lünen ein Wert von 571 Mio. Euro“, heißt es in der Analyse der Berater.

Ältere Kraftwerke sind im Vorteil

Hinzu kommen die Abschreibungen für das Kraftwerk, das mit Herstellungskosten von 1,4 Mrd. Euro in den Büchern steht. Bei einer Stilllegung im Jahr 2030 wäre eine Abschreibung in Höhe von 805 Mio. Euro für „die dann gerade mal 17 Jahre alte Anlage verbunden“. Ohne Zwangsstilllegung könnte das Kraftwerk in Lünen mittel- und langfristig profitabel Deckungsbeiträge bis mindestens Mitte 2040 generieren.

Bei dem Stilllegungsprozedere für die Kohlekraftwerke beklagt die Trianel ein Ungleichgewicht. „Jüngere Steinkohlekraftwerke werden benachteiligt“, sagte eine Sprecherin zu E&M. Zwar will die Regierung mittels Auktionen einen Stilllegungspfad für Steinkohleanlagen aufzeigen, aber auch Frontier Economics glaubt nicht an einen Zuschlag für jüngere Anlagen. Ältere Kraftwerke seien aufgrund ihrer bereits getätigten Abschreibungen deutlich im Vorteil.

Das Steinkohlekraftwerk Lünen ist im Besitz von knapp 30 kommunalen Energieversorgern. Die politisch motivierte Stilllegung würde diese finanziell hart treffen. Dem hohen wirtschaftlichen Schaden, der jungen Steinkohlekraftwerken entsteht, werde der Entwurf des Kohleausstiegsgesetzes nicht gerecht, kritisiert daher Frontier Economics. Gerade Kraftwerken mit hoher Effizienz und hoher technisch/ökonomischen Restlebensdauer, die noch viel Geld verdienen könnten und müssten, werde keine Entschädigung gezahlt. „Hier entsteht eine Ungleichbehandlung gegenüber den Entschädigungslösungen, die für die Braunkohle gefunden werden konnten.“
 
Das Steinkohlekraftwerk Lünen.
Bild: Trianel

 
 

Stefan Sagmeister
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Montag, 04.05.2020, 16:16 Uhr

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