E&M exklusiv Newsletter:
E&M gratis testen:
Energie & Management > E-World 2024 - Wasserstoffehe zwischen Holland und Deutschland
Quelle: Shutterstock / petrmalinak
E-World 2024

Wasserstoffehe zwischen Holland und Deutschland

Viel Potenzial sehen Expertinnen und Experten in gemeinsamen Wasserstoffprojekten zwischen Deutschland und den Niederlanden. Drei entscheidende Punkte wurden ausgemacht.
Mit Kooperationsmöglichkeiten beim Aufbau einer Wasserstoffwirtschaft befasste sich die Veranstaltungsreihe des Zukunft Forums bei der E-world in Essen. Cora Van Nieuwenzhuizen, Präsidentin des holländischen Energie-Unternehmensverbandes zeigte sich überzeugt, dass es besonders gut zwischen Deutschland und seinem direkten Nachbarn funktionieren wird.

Zum einen verfügen beide bereits über große Wasserstoffindustrien − 80 Prozent des EU-weiten Wasserstoffverbrauchs fallen hier an. Zum anderen gebe es bereits eine Vernetzung der Infrastrukturen, die weiter ausgebaut werden könne. Als größten Trumpf und Motor der Energiewende machte Nieuwenzhuizen aber die Nordsee aus, wo riesige Mengen Strom in Offshore-Windparks produziert werden können. Beste Voraussetzung zur Herstellung von grünem Wasserstoff.

Kerstin Andreae, Hauptgeschäftsführerin des Branchenverbandes BDEW, bewertete die Chancen für solche gemeinsamen Projekte ebenfalls positiv. Sie verwies allerdings auch auf zurückliegende Diskussionen, etwa ob es sich lohnt in die Netze zu investieren, wenn man nicht weiß, ob es überhaupt genug Wasserstoff gibt. Oder an der „Champagner-Frage“: Ist Wasserstoff zu schade zum Verheizen? „Das ist fatal für den Hochlauf, die Mengenfrage muss groß dimensioniert werden.“ Und: „Wir brauchen eine Importstrategie. Die angestrebte Eigenproduktion reicht nicht aus.

Wichtig: 100-prozentige Sicherheit

Gleichzeitig wies Andreae darauf hin, dass die Versorgung mit H2 zu 100 Prozent gesichert sein muss, wenn etwa die großen Stahlfirmen ihre Produktion entsprechend umstellen. In dem Zusammenhang mahnte sie, realistisch zu sein: Eine entsprechende Menge könne anfangs nur mit blauem Wasserstoff bereitgestellt werden.

Roger Miesen, CEO von RWE Generation, mahnte dazu, dass es bei der Umsetzung von gemeinsamen Schritten von Deutschland und den Niederlanden in erster Linie Klarheit brauche, auch seitens der Politik. Als Negativbeispiel verwies er auf entsprechende Anfragen an Brüssel mit einer Rücklaufzeit von drei Jahren. Jörg Bergmann, CEO von Open Grid Europe (OGE), regte an, dass der Hochlauf am besten zu erreichen ist, wenn man konkrete Vorhaben ins Visier nimmt, zum Beispiel das Delta-Rhein-Korridor-Projekt.

Tim Meyerjürgens, CEO beim Übertragungsnetzbetreiber Tennet, plädierte dafür, das Zusammenspiel von Strom und Gas zu verstärken. Nur so könne man auch die Kosten für den Netzausbau in Grenzen halten. „Elektrolyseure müssen an den richtigen Stellen errichtet werden, dann sparen wir beim Netzausbau.“ Das gelte auch umgekehrt: „Wenn sie an der falschen Stelle stehen, braucht es noch mehr Netzausbau.“
 
Hatten sich beim Future Forum das Thema Wasserstoffhochlauf vorgenommen: Kerstin Andreae vom BDEW, Cora Van Nieuwenhuizen, Chefin des niederländischen Energieverbandes, Tim Meyerjürgens,
CEO Tennet, Roger Miesen, Vorstandsvorsitzender RWE Generation,
Jörg Bergmann, CEO OGE
Quelle: E&M/Drewnitzky

Mittwoch, 21.02.2024, 12:56 Uhr
Gnter Drewnitzky
Energie & Management > E-World 2024 - Wasserstoffehe zwischen Holland und Deutschland
Quelle: Shutterstock / petrmalinak
E-World 2024
Wasserstoffehe zwischen Holland und Deutschland
Viel Potenzial sehen Expertinnen und Experten in gemeinsamen Wasserstoffprojekten zwischen Deutschland und den Niederlanden. Drei entscheidende Punkte wurden ausgemacht.
Mit Kooperationsmöglichkeiten beim Aufbau einer Wasserstoffwirtschaft befasste sich die Veranstaltungsreihe des Zukunft Forums bei der E-world in Essen. Cora Van Nieuwenzhuizen, Präsidentin des holländischen Energie-Unternehmensverbandes zeigte sich überzeugt, dass es besonders gut zwischen Deutschland und seinem direkten Nachbarn funktionieren wird.

Zum einen verfügen beide bereits über große Wasserstoffindustrien − 80 Prozent des EU-weiten Wasserstoffverbrauchs fallen hier an. Zum anderen gebe es bereits eine Vernetzung der Infrastrukturen, die weiter ausgebaut werden könne. Als größten Trumpf und Motor der Energiewende machte Nieuwenzhuizen aber die Nordsee aus, wo riesige Mengen Strom in Offshore-Windparks produziert werden können. Beste Voraussetzung zur Herstellung von grünem Wasserstoff.

Kerstin Andreae, Hauptgeschäftsführerin des Branchenverbandes BDEW, bewertete die Chancen für solche gemeinsamen Projekte ebenfalls positiv. Sie verwies allerdings auch auf zurückliegende Diskussionen, etwa ob es sich lohnt in die Netze zu investieren, wenn man nicht weiß, ob es überhaupt genug Wasserstoff gibt. Oder an der „Champagner-Frage“: Ist Wasserstoff zu schade zum Verheizen? „Das ist fatal für den Hochlauf, die Mengenfrage muss groß dimensioniert werden.“ Und: „Wir brauchen eine Importstrategie. Die angestrebte Eigenproduktion reicht nicht aus.

Wichtig: 100-prozentige Sicherheit

Gleichzeitig wies Andreae darauf hin, dass die Versorgung mit H2 zu 100 Prozent gesichert sein muss, wenn etwa die großen Stahlfirmen ihre Produktion entsprechend umstellen. In dem Zusammenhang mahnte sie, realistisch zu sein: Eine entsprechende Menge könne anfangs nur mit blauem Wasserstoff bereitgestellt werden.

Roger Miesen, CEO von RWE Generation, mahnte dazu, dass es bei der Umsetzung von gemeinsamen Schritten von Deutschland und den Niederlanden in erster Linie Klarheit brauche, auch seitens der Politik. Als Negativbeispiel verwies er auf entsprechende Anfragen an Brüssel mit einer Rücklaufzeit von drei Jahren. Jörg Bergmann, CEO von Open Grid Europe (OGE), regte an, dass der Hochlauf am besten zu erreichen ist, wenn man konkrete Vorhaben ins Visier nimmt, zum Beispiel das Delta-Rhein-Korridor-Projekt.

Tim Meyerjürgens, CEO beim Übertragungsnetzbetreiber Tennet, plädierte dafür, das Zusammenspiel von Strom und Gas zu verstärken. Nur so könne man auch die Kosten für den Netzausbau in Grenzen halten. „Elektrolyseure müssen an den richtigen Stellen errichtet werden, dann sparen wir beim Netzausbau.“ Das gelte auch umgekehrt: „Wenn sie an der falschen Stelle stehen, braucht es noch mehr Netzausbau.“
 
Hatten sich beim Future Forum das Thema Wasserstoffhochlauf vorgenommen: Kerstin Andreae vom BDEW, Cora Van Nieuwenhuizen, Chefin des niederländischen Energieverbandes, Tim Meyerjürgens,
CEO Tennet, Roger Miesen, Vorstandsvorsitzender RWE Generation,
Jörg Bergmann, CEO OGE
Quelle: E&M/Drewnitzky

Mittwoch, 21.02.2024, 12:56 Uhr
Gnter Drewnitzky

Haben Sie Interesse an Content oder Mehrfachzugängen für Ihr Unternehmen?

Sprechen Sie uns an, wenn Sie Fragen zur Nutzung von E&M-Inhalten oder den verschiedenen Abonnement-Paketen haben.
Das E&M-Vertriebsteam freut sich unter Tel. 08152 / 93 11-77 oder unter vertrieb@energie-und-management.de über Ihre Anfrage.