CO2-Direkt-Abscheidung von Ucaneo in Berlin. Quelle: Leonhard Kupsch
Das Berliner Unternehmen Ucaneo hat in Berlin eine Direct-Air-Capture-Anlage eröffnet. Sie entnimmt CO2 aus der Luft für industrielle Anwendungen und dauerhafte Speicherung.
Das Unternehmen Ucaneo hat in Berlin-Marzahn Anfang Juli Deutschlands größte Direct-Air-Capture-Anlage (DAC) in Betrieb genommen. Die Anlage kann jährlich 150 Tonnen CO2 direkt aus der Umgebungsluft abscheiden und zählt laut dem Unternehmen zu den größten elektrochemischen DAC-Anlagen weltweit. Das abgeschiedene CO2 soll sowohl dauerhaft geologisch gespeichert als auch als Rohstoff für industrielle Anwendungen genutzt werden.
Ucaneo mit Sitz in Berlin entwickelt Technologien zur CO2-Abscheidung aus der Atmosphäre. Nach Angaben des Unternehmens markiert die neue Anlage den Übergang vom Pilotbetrieb zur industriellen Umsetzung. Eine weitere Anlage mit rund zehnfacher Kapazität befindet sich bereits in Planung. Der Baustart ist für 2027 vorgesehen.
Nach Unternehmensangaben arbeitet die Anlage vollständig elektrisch und verzichtet auf die bei vielen Direct-Air-Capture-Verfahren übliche thermische Regeneration. Dadurch lasse sich der Prozess direkt mit erneuerbaren Energien koppeln und flexibel an das Stromangebot anpassen. Das Unternehmen gibt die Reinheit des gewonnenen CO2 mit mehr als 99,9
Prozent an.
Partner Siemens für den HochlaufSiemens unterstützt das Start-up dabei, die elektrochemische DAC-Technologie vom industriellen Pilotmaßstab auf den kommerziellen Maßstab zu skalieren. Das Siemens Xcelerator-Portfolio diene dabei als bevorzugter Automatisierungs- und Digitalisierungspartner. Damit sollen beide Unternehmen eine standardisierte und global reproduzierbare Automatisierungsplattform schaffen, die eine schnelle Bereitstellung durch Ucaneo und seine lizenzierten Betreiber weltweit ermöglicht.
Bis 2035 strebt Ucaneo an, jährlich 500
Millionen Tonnen CO2 aus der Atmosphäre zu binden, was in etwa der Eliminierung der gesamten jährlichen CO2-Emissionen Kanadas entspricht. Ucaneo hat einen patentierten elektrochemischen DAC-Prozess entwickelt, der von der menschlichen Lunge inspiriert ist und CO2 direkt aus der Umgebungsluft entfernt. Statt energieintensiver Hitze nutzt die biomimetische Technologie ein enzymatisches Lösungsmittel und elektrischen Strom.
CO2 wird zum RohstoffDas abgeschiedene CO2 soll laut Unternehmen sowohl für die dauerhafte geologische Speicherung als auch für industrielle Anwendungen eingesetzt werden. Dazu zählen nachhaltige Flugkraftstoffe (Sustainable Aviation Fuel, SAF), e-Methanol, Chemikalien, Materialien sowie biobasierte Produktionsprozesse.
Ein Teil des CO2 soll dauerhaft geologisch gespeichert werden. Ucaneo zufolge handelt es sich um das erste verifizierte Projekt in Deutschland, das Direct Air Capture mit geologischer Speicherung verbindet. Das Unternehmen bezeichnet sich zudem als erstes Unternehmen in Deutschland und als fünftes weltweit, das atmosphärisches CO2 aus einer DAC-Anlage dauerhaft speichert.
Ausstellungsort eröffnetMitgründer und Geschäftsführer Florian Tiller erklärte, die Herausforderung bestehe nicht darin, Kohlenstoff vollständig zu ersetzen, sondern dessen Herkunft neu zu definieren. „Mit der Anlage zeigen wir, dass industrielle CO2-Entnahme bereits heute möglich ist“, so Tiller. Ziel sei der Aufbau einer Infrastruktur für eine künftige Kohlenstoffwirtschaft.
Mitgründerin und Technikchefin Carla Glassl erklärte: „Der modulare Aufbau der Anlage ermögliche eine schrittweise Skalierung der Technologie.“ Parallel zur Industrieanlage eröffnete Ucaneo den sogenannten „CO2 Store of the Future“. Nach Angaben des Unternehmens soll der Ausstellungs- und Erlebnisort die Möglichkeiten der-Nutzung und -Speicherung veranschaulichen. Das Angebot richtet sich an Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft sowie an die Öffentlichkeit.
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Das Team der Direct-Air-Capture-Anlage in Berlin Quelle: Carl Bahra |
Zur Eröffnung kamen laut Ucaneo rund 200 Gäste aus Politik, Industrie und der Klima-Innovationsszene nach Berlin-Marzahn. Reden hielten unter anderem Elisabeth Kaiser, Staatsministerin und Beauftragte der Bundesregierung für Ostdeutschland, Nadja Zivkovic, Bezirksbürgermeisterin von Marzahn-Hellersdorf, sowie Andreas Kraus, Staatssekretär für Klimaschutz und Umwelt des Landes Berlin. Vertreter aus Unternehmen und Organisationen diskutierten anschließend über die Rolle der CO2-Entnahme und den Aufbau einer Kohlenstoffwirtschaft.
(sh)
Dienstag, 14.07.2026, 11:10 Uhr
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