E&M exklusiv Newsletter:
E&M gratis testen:
Energie & Management > Geothermie - Tiefengeothermie dämpft Kostenanstieg bei Fernwärme
Quelle: Heidi Roider
Geothermie

Tiefengeothermie dämpft Kostenanstieg bei Fernwärme

Fernwärmenetze mit tiefengeothermischer Wärmequelle sind immer noch eine Nische. Eine Analyse aus Bayern zeigt jedoch: Die Tiefengeothermie dämpft den Kostenanstieg bei der Fernwärme.
Die Wärmepreise in bayerischen Fernwärmenetzen, die als Wärmequelle auch Tiefengeothermie nutzen, haben sich in der Heizperiode 2025/26 weitgehend stabil entwickelt. Das zeigt eine aktuelle Marktanalyse des Praxisforums Geothermie Bayern, teilte die Agentur Enerchange mit, die Veranstalterin des Praxisforums.

Demnach stiegen die Kosten in typischen Beispielrechnungen nur geringfügig. Für ein Einfamilienhaus mit einem Jahresverbrauch von 27.000 kWh lag der Preisanstieg im Durchschnitt bei 0,08 Prozent. Für eine Wohnung in einem Mehrfamilienhaus mit 16.000 kWh Jahresverbrauch ergab sich ein Anstieg von 0,54 Prozent.

Damit verzeichnet die Tiefengeothermie die geringste Preisveränderung unter den untersuchten Heizsystemen. Bereits im Vorjahr hatten die Preise im Durchschnitt um 3,4 Prozent nachgegeben. Der Anteil der geothermischen Einspeisung unterscheidet sich je nach Netzstruktur und Anlagenkonzept, doch die Analyse zeigt in allen untersuchten Netzen eine recht stabile Preisentwicklung. 

Insgesamt versorgen derzeit 18 Wärmenetze in Bayern Haushalte und Gewerbe mit Wärme aus Tiefengeothermie − damit werden rund 6 Millionen Haushalte versorgt. „Wärmenetze mit tiefengeothermischer Wärme sind zwar derzeit noch eine Nische“, erklärte Jochen Münch von der Agentur Enerchange, der die Ergebnisse am 13. Februar in einem Online-Webinar vorstellte. Tiefengeothermie-Anlagen würden in den nächsten Jahren aber mehr werden. Und: „Die Analyse zeigt: Geothermie kann die Preise für Fernwärme stabil halten.“

Fossile Heizsysteme mit deutlich höheren Kostensteigerungen

Die recht stabilen Wärmepreise aus Tiefengeothermie stehen im Gegensatz zur Entwicklung bei fossilen Heizsystemen. Laut Heizspiegel der Beratungsgesellschaft „co2online“ stiegen die Heizkosten bei Gasheizungen um rund 15 Prozent. Haupttreiber sind hier die höheren Brennstoffpreise und steigende CO2-Kosten, die Haushalte zusätzlich mit mehreren hundert Euro jährlich belasten. 

Auch andere Heizsysteme verzeichneten Preissteigerungen. Für Wärmepumpen ergab die Analyse ein Kostenplus von rund 5 Prozent, bei Ölheizungen lag der Anstieg bei etwa 3 Prozent. Allgemeine Fernwärme, die häufig auf fossilen Brennstoffen basiert, verteuerte sich um rund 2 Prozent. Vor diesem Hintergrund falle die stabile Entwicklung der geothermischen Wärmenetze besonders ins Gewicht, so Münch weiter.

Allerdings zeigen sich auch bei den Preisen innerhalb dieser Netze, die an einer tiefengeothermischen Quelle angeschlossen sind, deutliche Preisunterschiede. Für Einfamilienhäuser lagen die Preise zwischen 11,25 Cent pro kWh in Kirchweidach und 12,60 Cent pro kWh in Waldkraiburg. Bei Mehrfamilienhäusern bot „Energie-Wende-Garching“ mit 9,26 Cent pro kWh den niedrigsten Preis. Weitere günstige Standorte waren Kirchweidach, Unterföhring und Grünwald.

Der deutschlandweite Medianpreis für Fernwärme lag laut Verbraucherzentrale Bundesverband im April 2025 bei 17 Cent pro kWh. Der Medianpreis für Fernwärme aus Tiefengeothermie betrug laut Praxisforum Geothermie Bayern dagegen 13,4 Cent pro kWh. Damit liegt geothermische Fernwärme um mehr als 20 Prozent unter dem allgemeinen Fernwärmeniveau.

Netzstruktur und Geothermie-Anteil bestimmen Preisniveau

Die Marktanalyse weist aber auch auf erhebliche Unterschiede in den Kostenstrukturen der einzelnen Projekte hin. In der Beispielrechnung für ein Einfamilienhaus beträgt die Differenz zwischen dem günstigsten und teuersten Standort mehr als 1.700 Euro pro Jahr. Entscheidend sind insbesondere die vorhandene Netzinfrastruktur und der Umfang des erforderlichen Netzausbaus. 

Auch der Anteil der geothermischen Wärme im Netz beeinflusst die Preisentwicklung. Anlagen mit hoher geothermischer Einspeisung benötigen weniger fossile Spitzenlastversorgung und erreichen dadurch niedrigere Wärmegestehungskosten. Projekte, die auf bestehende Fernwärmenetze aufbauen, profitieren zusätzlich von geringeren Investitionskosten.
 
Preisübersicht aus der Marktanalyse Fernwärme aus Geothermie
(Zur Vollansicht bitte auf die Grafik klicken)
Quelle: Enerchange

Die politischen und regulatorischen Rahmenbedingungen für den Ausbau der Tiefengeothermie haben sich in den vergangenen Jahren verändert. Neue Förderinstrumente und Finanzierungsmodelle, darunter Programme mit Risikoabsicherung für Bohrungen, sollen Investitionen erleichtern. Parallel zeigt sich die Branche auch wegen des neuen Geothermiebeschleunigungsgesetzes positiv gestimmt.

Nach Angaben der „Roadmap Tiefe Geothermie“ für Deutschland könnte die Technologie bis zu 25 Prozent des Wärmebedarfs decken. Besonders in Süddeutschland bestehen günstige geologische Voraussetzungen. Die Marktanalyse zeigt, dass bestehende Anlagen bereits heute stabile und im Vergleich zu fossilen Alternativen niedrigere Wärmepreise ermöglichen.

Montag, 16.02.2026, 14:22 Uhr
Heidi Roider
Energie & Management > Geothermie - Tiefengeothermie dämpft Kostenanstieg bei Fernwärme
Quelle: Heidi Roider
Geothermie
Tiefengeothermie dämpft Kostenanstieg bei Fernwärme
Fernwärmenetze mit tiefengeothermischer Wärmequelle sind immer noch eine Nische. Eine Analyse aus Bayern zeigt jedoch: Die Tiefengeothermie dämpft den Kostenanstieg bei der Fernwärme.
Die Wärmepreise in bayerischen Fernwärmenetzen, die als Wärmequelle auch Tiefengeothermie nutzen, haben sich in der Heizperiode 2025/26 weitgehend stabil entwickelt. Das zeigt eine aktuelle Marktanalyse des Praxisforums Geothermie Bayern, teilte die Agentur Enerchange mit, die Veranstalterin des Praxisforums.

Demnach stiegen die Kosten in typischen Beispielrechnungen nur geringfügig. Für ein Einfamilienhaus mit einem Jahresverbrauch von 27.000 kWh lag der Preisanstieg im Durchschnitt bei 0,08 Prozent. Für eine Wohnung in einem Mehrfamilienhaus mit 16.000 kWh Jahresverbrauch ergab sich ein Anstieg von 0,54 Prozent.

Damit verzeichnet die Tiefengeothermie die geringste Preisveränderung unter den untersuchten Heizsystemen. Bereits im Vorjahr hatten die Preise im Durchschnitt um 3,4 Prozent nachgegeben. Der Anteil der geothermischen Einspeisung unterscheidet sich je nach Netzstruktur und Anlagenkonzept, doch die Analyse zeigt in allen untersuchten Netzen eine recht stabile Preisentwicklung. 

Insgesamt versorgen derzeit 18 Wärmenetze in Bayern Haushalte und Gewerbe mit Wärme aus Tiefengeothermie − damit werden rund 6 Millionen Haushalte versorgt. „Wärmenetze mit tiefengeothermischer Wärme sind zwar derzeit noch eine Nische“, erklärte Jochen Münch von der Agentur Enerchange, der die Ergebnisse am 13. Februar in einem Online-Webinar vorstellte. Tiefengeothermie-Anlagen würden in den nächsten Jahren aber mehr werden. Und: „Die Analyse zeigt: Geothermie kann die Preise für Fernwärme stabil halten.“

Fossile Heizsysteme mit deutlich höheren Kostensteigerungen

Die recht stabilen Wärmepreise aus Tiefengeothermie stehen im Gegensatz zur Entwicklung bei fossilen Heizsystemen. Laut Heizspiegel der Beratungsgesellschaft „co2online“ stiegen die Heizkosten bei Gasheizungen um rund 15 Prozent. Haupttreiber sind hier die höheren Brennstoffpreise und steigende CO2-Kosten, die Haushalte zusätzlich mit mehreren hundert Euro jährlich belasten. 

Auch andere Heizsysteme verzeichneten Preissteigerungen. Für Wärmepumpen ergab die Analyse ein Kostenplus von rund 5 Prozent, bei Ölheizungen lag der Anstieg bei etwa 3 Prozent. Allgemeine Fernwärme, die häufig auf fossilen Brennstoffen basiert, verteuerte sich um rund 2 Prozent. Vor diesem Hintergrund falle die stabile Entwicklung der geothermischen Wärmenetze besonders ins Gewicht, so Münch weiter.

Allerdings zeigen sich auch bei den Preisen innerhalb dieser Netze, die an einer tiefengeothermischen Quelle angeschlossen sind, deutliche Preisunterschiede. Für Einfamilienhäuser lagen die Preise zwischen 11,25 Cent pro kWh in Kirchweidach und 12,60 Cent pro kWh in Waldkraiburg. Bei Mehrfamilienhäusern bot „Energie-Wende-Garching“ mit 9,26 Cent pro kWh den niedrigsten Preis. Weitere günstige Standorte waren Kirchweidach, Unterföhring und Grünwald.

Der deutschlandweite Medianpreis für Fernwärme lag laut Verbraucherzentrale Bundesverband im April 2025 bei 17 Cent pro kWh. Der Medianpreis für Fernwärme aus Tiefengeothermie betrug laut Praxisforum Geothermie Bayern dagegen 13,4 Cent pro kWh. Damit liegt geothermische Fernwärme um mehr als 20 Prozent unter dem allgemeinen Fernwärmeniveau.

Netzstruktur und Geothermie-Anteil bestimmen Preisniveau

Die Marktanalyse weist aber auch auf erhebliche Unterschiede in den Kostenstrukturen der einzelnen Projekte hin. In der Beispielrechnung für ein Einfamilienhaus beträgt die Differenz zwischen dem günstigsten und teuersten Standort mehr als 1.700 Euro pro Jahr. Entscheidend sind insbesondere die vorhandene Netzinfrastruktur und der Umfang des erforderlichen Netzausbaus. 

Auch der Anteil der geothermischen Wärme im Netz beeinflusst die Preisentwicklung. Anlagen mit hoher geothermischer Einspeisung benötigen weniger fossile Spitzenlastversorgung und erreichen dadurch niedrigere Wärmegestehungskosten. Projekte, die auf bestehende Fernwärmenetze aufbauen, profitieren zusätzlich von geringeren Investitionskosten.
 
Preisübersicht aus der Marktanalyse Fernwärme aus Geothermie
(Zur Vollansicht bitte auf die Grafik klicken)
Quelle: Enerchange

Die politischen und regulatorischen Rahmenbedingungen für den Ausbau der Tiefengeothermie haben sich in den vergangenen Jahren verändert. Neue Förderinstrumente und Finanzierungsmodelle, darunter Programme mit Risikoabsicherung für Bohrungen, sollen Investitionen erleichtern. Parallel zeigt sich die Branche auch wegen des neuen Geothermiebeschleunigungsgesetzes positiv gestimmt.

Nach Angaben der „Roadmap Tiefe Geothermie“ für Deutschland könnte die Technologie bis zu 25 Prozent des Wärmebedarfs decken. Besonders in Süddeutschland bestehen günstige geologische Voraussetzungen. Die Marktanalyse zeigt, dass bestehende Anlagen bereits heute stabile und im Vergleich zu fossilen Alternativen niedrigere Wärmepreise ermöglichen.

Montag, 16.02.2026, 14:22 Uhr
Heidi Roider

Haben Sie Interesse an Content oder Mehrfachzugängen für Ihr Unternehmen?

Sprechen Sie uns an, wenn Sie Fragen zur Nutzung von E&M-Inhalten oder den verschiedenen Abonnement-Paketen haben.
Das E&M-Vertriebsteam freut sich unter Tel. 08152 / 93 11-77 oder unter vertrieb@energie-und-management.de über Ihre Anfrage.