Quelle: sag
Die Nachfrage nach Rechenleistung für KI-Anwendungen wächst schneller, als neue Netze und Kraftwerke gebaut werden können. Das ruft Investoren wie Blackrock auf den Plan.
Der Vermögensverwalter Blackrock will bis zu 100 Milliarden Euro in künstliche Intelligenz investieren. Etwa 75 bis 80 Prozent sollen in Rechenzentren fließen, während 20 bis 25 Prozent für Energieinfrastruktur vorgesehen sind, sagte Vibhu Kaushik von Global Infrastructure Partners. Das Unternehmen ist auf die Finanzierung von Infrastruktur spezialisiert und gehört zu Blackrock.
Kaushik referierte auf dem Global Renewable Energy Summit, einer Firmenveranstaltung des Wechselrichters- und Batterieherstellers Sungrow am Hauptsitz im chinesischen Hefei. Die Redaktion war zu dieser Veranstaltung im Rahmen einer Pressereise eingeladen.
Ein zentrales Merkmal bei der Errichtung künftiger KI-Anlagenprojekte ist dabei die Verzahnung von Energieerzeugung und Rechenzentren. Beide Bereiche lassen sich laut Kaushik nicht mehr getrennt betrachten. Energie werde zum kritischen Pfad für die Umsetzung neuer Projekte. Entsprechend rücken Lösungen in den Fokus, die eine schnelle Bereitstellung von Strom ermöglichen.
„Speed to power“, also die Fähigkeit, ein Rechenzentrum schnell und ausreichend mit Strom bereitzustellen, wird laut Kaushik zum entscheidenden Faktor. In den kommenden Jahren dürfte daher auch die Bereitschaft steigen, höhere Kosten in Kauf zu nehmen, wenn dadurch Projekte schneller realisiert werden können.
Denn es gebe eine zunehmende Diskrepanz zwischen dem Tempo des Ausbaus digitaler Infrastruktur und den klassischen Planungszyklen der Energiebranche. Während Energieversorger ihre Netze in fünf bis sieben Jahren entwickeln und bauen, steigen die Anforderungen der großen Technologiekonzerne an die KI-Infrastruktur deutlich schneller. „Unternehmen wie Amazon, Google, Meta oder Microsoft planen ihre Kapazitäten oft in nur zwölf bis 18 Monaten.“
„Entscheidend ist der Zugang zu Energie“
Diese unterschiedliche Geschwindigkeit führt laut Kaushik zu einer Kollision. Die Nachfrage nach Leistung für KI-Anwendungen wächst schneller, als neue Netze und Kraftwerke gebaut werden können. Üblicherweise werden Standortentscheidungen für neue Rechenzentren über den Zugang zu Fläche, zu (Kühl-)Wasser oder der Glasfaseranbindung getroffen. Diese Faktoren rücken aber vermehrt in den Hintergrund, denn: „Entscheidend ist zunehmend der Zugang zu Energie.“
Deshalb habe sein Unternehmen mit den „Artificial Intelligence Partners“ (AIP) eine Plattform ins Leben gerufen, die gezielt Kapital für den Ausbau von KI-Infrastruktur mobilisieren will. Hinter der Initiative stehen neben Blackrock und GIP auch Tech-Konzerne wie Microsoft und Nvidia sowie weitere Partner mit einem Investitionsvolumen von rund 100 Milliarden US-Dollar.
Bei der Stromversorgung spielen dezentrale Konzepte eine wachsende Rolle. Neben dem klassischen Netzanschluss setzen Rechenzentrumsbetreiber zunehmend auf sogenannte „Behind-the-Meter“-Lösungen. Dazu zählen vor Ort installierte Erzeugungsanlagen wie Gasturbinen oder Motorenkraftwerke, oft kombiniert mit Batteriespeichern und weiteren Komponenten zur Stabilisierung der Stromversorgung.
Damit sollen die oftmals langen Anschlusszeiten an das Stromnetz umgangen werden. In einem so wichtigen Markt wie den USA kann der Netzanschluss fünf bis sieben Jahre dauern. Um Projekte schneller umzusetzen, werden daher verstärkt Übergangslösungen entwickelt, bei denen Rechenzentren zunächst autark betrieben und später ans Netz angebunden werden.
Hohe Anforderung an Stromqualität
Technologisch zeichnet sich dabei kein klarer Standard ab, so Kaushik. Vielmehr entstehen hybride Systeme, die unterschiedliche Erzeugungs- und Speichertechnologien kombinieren. Neben klassischen Gaskraftwerken werde auch mit Brennstoffzellen und anderen Ansätzen experimentiert. Entscheidend sei weniger die einzelne Technologie als die Fähigkeit, „schnell verfügbare und stabile Stromversorgung bereitzustellen“.
Mit dem Wachstum steigen auch die Anforderungen an die Stromqualität. Kurzfristige Lastschwankungen und hohe Leistungsdichten in den Rechenzentren erfordern zusätzliche Maßnahmen zur Stabilisierung der Stromversorgung. Batteriespeicher und Leistungselektronik werden daher zunehmend als integraler Bestandteil der Infrastruktur betrachtet und nicht mehr nur als Backup-Systeme.
Dienstag, 28.04.2026, 15:04 Uhr
Stefan Sagmeister
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