Windpark He Dreiht. Quelle: EnBW / Rolf Otzipka
Bei der Hauptversammlung des Energiekonzerns EnBW betonte Vorstandschef Georg Stamatelopoulos, dass die Energiewende nur gelingen kann, wenn auch die Bezahlbarkeit berücksichtigt wird.
Entscheidend bei der Energiewende sei das Zusammenspiel aller Bereiche, wozu neben Nachhaltigkeit und Sicherheit auch der finanzielle Aspekt gehört. Die Herausforderung bestehe darin, die verschiedenen Teile des Energiesystems optimal aufeinander abzustimmen – vom Ausbau der Erneuerbaren über die Netzintegration bis hin zur Steuerung des Verbrauchs.
Stamatelopoulos bekräftigte, dass neue Gesetzesvorhaben systemdienlich gestaltet werden müssen, um die Transformation des Energiesystems erfolgreich voranzutreiben. In der Vergangenheit sei etwa der Ausbau der erneuerbaren Energien vorangetrieben worden, ohne den Netzausbau ausreichend zu berücksichtigen.
Ebenso müsse gewährleistet werden, dass während Dunkelflauten zuverlässige Stromquellen verfügbar seien. Gaskraftwerke sieht Stamatelopoulos als unverzichtbar, um auch in wind- und sonnenarmen Zeiten Strom liefern zu können. Diese Anlagen sollen künftig mit grünem Wasserstoff betrieben werden und ergänzen Batteriespeicher, die jedoch allein keine Versorgungssicherheit garantieren würden. „Entscheidend ist hier das Miteinander im Sinne des Gesamtsystems, nicht ein Gegeneinander”, so der EnBW-Chef.
EnBW sieht sich gut aufgestellt, um die Energiewende aktiv mitzugestalten und plant dafür Investitionen von bis zu 50 Milliarden Euro bis 2030. Voraussetzung dafür seien jedoch stabile energiepolitische Rahmenbedingungen.
Rekordinvestitionen in Erneuerbare und Netze
Im Geschäftsjahr 2025 hat der Energiekonzern mit einem Adjusted Ebitda von 5,1 Milliarden Euro das erwartete Ergebnisziel erreicht und das Jahr operativ erfolgreich abgeschlossen. Stamatelopoulos verglich in seiner Rede das Ergebnis mit denen früherer Jahre, als EnBW noch bei zwei bis 2,5 Milliarden Ebitda lag: „Wir spielen heute in einer anderen Liga.“
Die Investitionen stiegen auf 7,6 Milliarden Euro – ein Plus von 22 Prozent verglichen zum Vorjahr. 87 Prozent der Investitionen flossen in Wachstumsprojekte. Ein Schwerpunkt war dabei der Ausbau der Strom- und Gasnetze, wie etwa die Gleichstromleitungen Südlink und Ultranet, die den Stromtransport zwischen Nord- und Süddeutschland sichern sollen. Weitere Mittel flossen in den Ausbau der erneuerbaren Energien, zum Beispiel den bereits fünften EnBW-Offshore-Windpark „He Dreiht“ sowie in den Bau wasserstofffähiger und flexibel einsetzbarer Gaskraftwerke.
Insgesamt gelang 2025 ein Zubau von 800 MW bei Wind und Solar. Stamatelopoulos: „Damit sind inzwischen rund 66 Prozent unserer installierten Leistung erneuerbar. Das zeigt: Wir sind ‚on track‘ beim Ziel, bis 2035 klimaneutral zu sein. Und wir wollen bis spätestens 2050 auch die Emissionen im gesamten Einflussbereich der EnBW auf Netto-Null senken.“ Bis 2030 soll der Anteil erneuerbarer Energien auf 75 bis 80 Prozent steigen.
Prognose 2026
Für das laufende Geschäftsjahr wird auf Konzernebene ein Adjusted Ebitda zwischen 4,6 und 5,1 Milliarden Euro erwartet. Das Segment „Systemkritische Infrastruktur“ soll mit 2,5 bis 2,8 Milliarden Euro etwa das Vorjahresniveau erreichen – maßgeblich getragen von höheren Netznutzungserlösen. Für das Segment „Nachhaltige Erzeugungsinfrastruktur“ wird ein Ergebnis zwischen 2 und 2,3 Milliarden Euro prognostiziert, wobei die erneuerbaren Energien mit bis zu 1,3 Milliarden Euro einen wichtigen Beitrag leisten.
Donnerstag, 7.05.2026, 11:53 Uhr
Günter Drewnitzky
© 2026 Energie & Management GmbH