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Österreichs Wirtschaftsministerium will Stromspeicher stärker fördern. Sie sollen Solarstrom vom Mittag für die teureren Abendstunden verfügbar machen.
Österreich will seine Energiepolitik stärker auf Stromspeicher ausrichten. Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer (ÖVP) begründete den neuen Kurs am 21. August mit den Erfahrungen des Sommers 2026. Hohe Temperaturen, wenig Niederschlag und eine starke PV-Erzeugung hätten die Unterschiede zwischen Stromangebot und -nachfrage verstärkt.
Am Samstag davor erzeugte Österreich bei einem Tagesverbrauch von 120,1 Millionen kWh insgesamt 117,8 Millionen kWh Strom. Rund 30 Prozent der Erzeugung stammten aus Photovoltaik. Die PV-Leistung erreichte zu Mittag 4.300 MW. Die Tageslastspitze lag dagegen am Abend bei 6.100 MW, als die PV-Erzeugung bereits weitgehend abgefallen war.
Auch die Großhandelspreise spiegelten diese Entwicklung wider. Laut dem Wirtschaftsministerium lag der durchschnittliche Strompreis zwischen 10 und 16 Uhr bei 14 Euro/MWh. In den Abendstunden stieg er auf rund 180 Euro/MWh. Daher sollen Speicher künftig dazu beitragen, Strom aus der mittäglichen PV-Spitze aufzunehmen und zu späteren Zeitpunkten wieder bereitzustellen, so der Minister.
Stromspitzen für den Abend auffangen
„Die Herausforderung ist nicht, dass wir im Sommer zu wenig günstigen heimischen Strom erzeugen. Wir müssen ihn dann verfügbar machen, wenn wir ihn brauchen“, sagte Hattmannsdorfer. Speicher könnten den Angaben zufolge zugleich die Netze entlasten und den Eigenverbrauch erhöhen.
Das Energieministerium plant dafür eine Reihe von Maßnahmen. Dazu zählen eine neue Photovoltaik-Förderung mit stärkerem Fokus auf Speicher, die Berücksichtigung von Speicherinfrastruktur im neuen Netzinfrastrukturplan sowie schnellere Genehmigungsverfahren für Batteriespeicher. Zudem soll ein eigenes Förderprogramm für intelligente Energiemanagementsysteme in Haushalten und Betrieben entstehen.
Die österreichische EAG-Investitionsförderung soll ab 2027 grundlegend neu ausgerichtet werden. Nach Angaben des Ministeriums sollen Förderanträge künftig erst nach Installation und Rechnungslegung gestellt werden können. Damit soll das bisherige First-Come-First-Serve-Verfahren entfallen.
Gleichzeitig soll die Förderung stärker auf intelligente Energiemanagementsysteme (EMS) in Kombination mit Speichern abzielen. Die breite Förderung klassischer kleiner PV-Anlagen soll auslaufen. Gefördert werden sollen stattdessen Systeme, die den Eigenverbrauch erhöhen und zur Entlastung der Stromnetze beitragen.
Auch die Nachrüstung bestehender PV-Anlagen soll attraktiver werden. Speicher sollen künftig in Verbindung mit einem EMS unabhängig von der Neuerrichtung einer PV-Anlage förderfähig sein. Innovative PV-Anwendungen wie gebäudeintegrierte Anlagen, Agri-PV, Parkplatzüberdachungen, schwimmende PV-Anlagen und PV an Lärmschutzwänden sollen weiterhin unterstützt werden.
Die neue Förderlogik soll zudem europäische Wertschöpfung berücksichtigen. Für den Einsatz zentraler Komponenten aus europäischer Produktion ist ein Bonus vorgesehen.
Bis zu 8.000 MW Batteriespeicher
Das Wirtschaftsministerium verweist auf erste Ergebnisse einer von ihm beauftragten Speicherstudie. Demnach könnten bis 2030 aus volkswirtschaftlicher Sicht bis zu 8.000 MW marktorientierte Batteriekapazität in Österreich sinnvoll sein. Je nach Szenario könnten zusätzliche Batteriespeicher den Großhandelspreis im Jahr 2030 um bis zu 2 Euro/MWh senken.
Neben der Förderung sieht Hattmannsdorfer auch die Regulierung als entscheidend für den Ausbau. Insbesondere die Netzentgelte müssten so ausgestaltet sein, dass sich Speicherprojekte wirtschaftlich betreiben lassen. Zugleich fordert der Minister eine Überarbeitung der Kriterien, die die österreichische Regulierungsbehörde E-Control für systemdienliche Speicher vorsieht.
Die Zahl und Ausgestaltung der Kriterien müssten überprüft werden, sagte Hattmannsdorfer. Die Vorgaben müssten praxistauglich und ausreichend breit sein, damit sie den Ausbau von Speichern nicht behinderten.
Hansesun kritisiert PV-Pläne
Als „völlig unzureichend“ bezeichnet der führende PV-Anbieter in Westösterreich, Hansesun, die vorgelegten Pläne für die neue Photovoltaik-Förderung. 25.000 bereits vorliegende Projekte verlören damit die Chance auf eine Förderung, kritisiert Hansesun-Marketingleiter Andreas Müller. Hansesun fordert gemeinsam mit anderen Branchenexperten eine einfache steuerliche Begünstigung für Photovoltaik-Anlagen in Form eines Klima-Investitionsfreibetrags.
„Die Bundesregierung lässt 25.000 Menschen im Stich, die etwas für den Klimaschutz tun wollen“, kritisiert Müller. Denn so viele Photovoltaik-Projekte stünden seit dem letzten Fördercall auf der Warteliste für die PV-Förderung. „Fast alle werden leer ausgehen“, prognostiziert Müller. (sh)
Montag, 24.08.2026, 09:15 Uhr
Susanne Harmsen
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