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Energie & Management > Elektromobilität - Millionenschäden durch Ladekabeldiebstähle
Schnellladepark an der Autobahn im hessischen Gelnhausen. Quelle EnBW / Endre Dulic
Elektromobilität

Millionenschäden durch Ladekabeldiebstähle

1.200 Ladekabel wurden allein an Ladestandorten von EnBW gestohlen. Der Materialwert des Kupfers, auf das es die Diebe abgesehen haben, ist gering, der Schaden hingegen immens.
Der finanzielle Gesamtschaden, so ein Sprecher von EnBW auf Anfrage der Redaktion, liegt im mittleren einstelligen Millionenbereich. Pro Fall rechnet das Energieunternehmen mit Reparaturkosten von durchschnittlich 3.500 Euro. Denn während die Diebe allenfalls den Kupferleiter zu Geld machen können, wofür sie schätzungsweise 30 bis 50 Euro bekommen, fallen für den Ladesäulenbetreiber ganz andere Beträge an. Neben den Kosten fürs neue Kabel und die Arbeitszeit fürs Installieren und Beseitigen der Schäden muss die Ladesäule vor der Inbetriebnahme neu geeicht werden. Dabei ist der Umsatzverlust für die Zeit, in der die Anlage nicht genutzt werden kann, in die Kalkulation noch gar nicht einbezogen. 

Betroffen waren bisher 170 Ladestandorte von EnBW, die Diebstahl-„Hotspots“ sind in den Bundesländern Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen, Sachsen und Sachsen-Anhalt. 

Mehr Licht, mehr Kameras, mehr Polizei

Stellt sich die Frage, was getan werden kann, um die Attacken zu verhindern. Die Ladestandorte sind zwar gut übers Straßennetz erreichbar, aber doch oft eben auf der grünen Wiese, ohne andere Infrastruktur oder Bebauung in der Nähe. Eben ganz anders als bei Tankstellen, die mit Personal besetzt sind und großzügig ausgeleuchtet sowie mit Kameras überwacht werden. Auf Maßnahmen wie offensivere Beleuchtung und Videoaufzeichnungen setzen die Ladestellenbetreiber zwar jetzt auch, das wird aber nicht ausreichen: Bevor am Tatort die Polizei eintrifft, dürften die Kabel schon lange abgezwickt, im Kofferraum verstaut und die Diebe weit weg sein – siehe gute Straßenanbindung. 

Jeder mutwillige Schaden an den Ladesäulen werde jedenfalls konsequent angezeigt, so heißt es seitens EnBW. Den Austausch mit den Ermittlungsbehörden suche man, der Schutz der Ladeinfrastruktur sei schließlich ein Gemeinschaftsprojekt. Das zielt wohl auf verstärkte Polizeistreifen ab. Weitere Maßnahme seien im Test, auch tausche man sich mit den Herstellern der Ladestationen aus. Maßnahmen wie die Modifizierung von Ladekabeln seien aber nicht von heute auf morgen realisierbar, bis zur Marktreife brauche es Zeit. Zu Details will sich der EnBW-Sprecher aber nicht weiter äußern.

Farbstoff-Verteidigung als Problemlösung

Auch bei Mer, eine Tochter des norwegischen Statkraft-Konzerns, die wie EnBW europaweit mehrere Tausend Ladesäulen betreibt, ist das Problem bekannt. Wie es Matthias Knöller, Head of Marketing Germany & Austria, formuliert, handle es sich leider nicht mehr nur um Einzelfälle, sondern um ein Phänomen das „branchenweit zunehmend Aufmerksamkeit erfährt“. Man sei bisher selbst zwar nur wenig betroffen, beobachte aber, dass es eine Zunahme der Fälle bei anderen CPOs (Charging Point Operators) gebe. Auch Knöller verweist auf die hohen Kosten durch Ausfallzeiten sowie durch Mess- und Eichanforderungen im Anschluss an die Reparatur. Man prüfe fortlaufend, wie sich besonders exponierte Standorte besser schützen lassen, etwa durch Videoüberwachung. „Ein vollständiger Schutz lässt sich aber kaum garantieren, da die Anlagen öffentlich zugänglich sein müssen“. 
 
An manchen Schnelladestationen könnten Kabeldiebe bald ein
blaues oder andersfarbiges Wunder erleben
Quelle: Ionity

Konkreter, was mögliche Gegenmaßnahmen angeht, wird da eine Sprecherin des Schnellladeparkbetreibers Ionity, der ebenfalls zu den führenden Playern in Europa zählt und hinter dem Unternehmen der Automobilindustrie stehen. Man statte die Kabel jetzt zunehmend mit Farbpatronen aus, die beim Durchtrennen zerplatzen und sichtbare Spuren hinterlassen, heißt es da. Zusätzlich seien verschiedene Trackingmaßnahmen im Test. Und: „Über Branchenverbände arbeiten wir außerdem an gemeinsamen Lösungen, um dieses Thema kollektiv anzugehen. All diese Maßnahmen zeigen Wirkung.“

Mittwoch, 4.02.2026, 11:37 Uhr
Günter Drewnitzky
Energie & Management > Elektromobilität - Millionenschäden durch Ladekabeldiebstähle
Schnellladepark an der Autobahn im hessischen Gelnhausen. Quelle EnBW / Endre Dulic
Elektromobilität
Millionenschäden durch Ladekabeldiebstähle
1.200 Ladekabel wurden allein an Ladestandorten von EnBW gestohlen. Der Materialwert des Kupfers, auf das es die Diebe abgesehen haben, ist gering, der Schaden hingegen immens.
Der finanzielle Gesamtschaden, so ein Sprecher von EnBW auf Anfrage der Redaktion, liegt im mittleren einstelligen Millionenbereich. Pro Fall rechnet das Energieunternehmen mit Reparaturkosten von durchschnittlich 3.500 Euro. Denn während die Diebe allenfalls den Kupferleiter zu Geld machen können, wofür sie schätzungsweise 30 bis 50 Euro bekommen, fallen für den Ladesäulenbetreiber ganz andere Beträge an. Neben den Kosten fürs neue Kabel und die Arbeitszeit fürs Installieren und Beseitigen der Schäden muss die Ladesäule vor der Inbetriebnahme neu geeicht werden. Dabei ist der Umsatzverlust für die Zeit, in der die Anlage nicht genutzt werden kann, in die Kalkulation noch gar nicht einbezogen. 

Betroffen waren bisher 170 Ladestandorte von EnBW, die Diebstahl-„Hotspots“ sind in den Bundesländern Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen, Sachsen und Sachsen-Anhalt. 

Mehr Licht, mehr Kameras, mehr Polizei

Stellt sich die Frage, was getan werden kann, um die Attacken zu verhindern. Die Ladestandorte sind zwar gut übers Straßennetz erreichbar, aber doch oft eben auf der grünen Wiese, ohne andere Infrastruktur oder Bebauung in der Nähe. Eben ganz anders als bei Tankstellen, die mit Personal besetzt sind und großzügig ausgeleuchtet sowie mit Kameras überwacht werden. Auf Maßnahmen wie offensivere Beleuchtung und Videoaufzeichnungen setzen die Ladestellenbetreiber zwar jetzt auch, das wird aber nicht ausreichen: Bevor am Tatort die Polizei eintrifft, dürften die Kabel schon lange abgezwickt, im Kofferraum verstaut und die Diebe weit weg sein – siehe gute Straßenanbindung. 

Jeder mutwillige Schaden an den Ladesäulen werde jedenfalls konsequent angezeigt, so heißt es seitens EnBW. Den Austausch mit den Ermittlungsbehörden suche man, der Schutz der Ladeinfrastruktur sei schließlich ein Gemeinschaftsprojekt. Das zielt wohl auf verstärkte Polizeistreifen ab. Weitere Maßnahme seien im Test, auch tausche man sich mit den Herstellern der Ladestationen aus. Maßnahmen wie die Modifizierung von Ladekabeln seien aber nicht von heute auf morgen realisierbar, bis zur Marktreife brauche es Zeit. Zu Details will sich der EnBW-Sprecher aber nicht weiter äußern.

Farbstoff-Verteidigung als Problemlösung

Auch bei Mer, eine Tochter des norwegischen Statkraft-Konzerns, die wie EnBW europaweit mehrere Tausend Ladesäulen betreibt, ist das Problem bekannt. Wie es Matthias Knöller, Head of Marketing Germany & Austria, formuliert, handle es sich leider nicht mehr nur um Einzelfälle, sondern um ein Phänomen das „branchenweit zunehmend Aufmerksamkeit erfährt“. Man sei bisher selbst zwar nur wenig betroffen, beobachte aber, dass es eine Zunahme der Fälle bei anderen CPOs (Charging Point Operators) gebe. Auch Knöller verweist auf die hohen Kosten durch Ausfallzeiten sowie durch Mess- und Eichanforderungen im Anschluss an die Reparatur. Man prüfe fortlaufend, wie sich besonders exponierte Standorte besser schützen lassen, etwa durch Videoüberwachung. „Ein vollständiger Schutz lässt sich aber kaum garantieren, da die Anlagen öffentlich zugänglich sein müssen“. 
 
An manchen Schnelladestationen könnten Kabeldiebe bald ein
blaues oder andersfarbiges Wunder erleben
Quelle: Ionity

Konkreter, was mögliche Gegenmaßnahmen angeht, wird da eine Sprecherin des Schnellladeparkbetreibers Ionity, der ebenfalls zu den führenden Playern in Europa zählt und hinter dem Unternehmen der Automobilindustrie stehen. Man statte die Kabel jetzt zunehmend mit Farbpatronen aus, die beim Durchtrennen zerplatzen und sichtbare Spuren hinterlassen, heißt es da. Zusätzlich seien verschiedene Trackingmaßnahmen im Test. Und: „Über Branchenverbände arbeiten wir außerdem an gemeinsamen Lösungen, um dieses Thema kollektiv anzugehen. All diese Maßnahmen zeigen Wirkung.“

Mittwoch, 4.02.2026, 11:37 Uhr
Günter Drewnitzky

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