E&M exklusiv Newsletter:
E&M gratis testen:
Energie & Management > Stromnetz - Lieferengpässe als großes Risiko
Quelle: Shutterstock / Penofoto
Stromnetz

Lieferengpässe als großes Risiko

Die Regulatorik und lange Genehmigungsverfahren bremsen den Ausbau der deutschen Energieinfrastruktur. Doch auch andere Länder haben laut einer Studie ihre Probleme.
Eigentlich ist alles gerichtet: Deutschland verfügt über Kapital und technische Möglichkeiten für den Ausbau seiner Energieinfrastruktur, so eine Botschaft der internationalen Studie „The Energy Readiness Equation“ von Jacobs.

Allerdings drohen zahlreiche Vorhaben durch Verzögerungen und Kostensteigerungen ausgebremst zu werden, so eine weitere Erkenntnis. Demnach erwarten 84 Prozent der befragten deutschen Führungskräfte, dass mindestens ein Viertel ihrer großen Energieinfrastrukturprojekte in den kommenden drei Jahren von Verzögerungen oder Kostenüberschreitungen bedroht ist.

Das US-amerikanische Beratungsunternehmen Jacobs aus Dallas ist unter anderem in der Planung und Umsetzung von Energie- und Verkehrsinfrastruktur tätig. Für die Studie wurden 600 Führungskräfte und Entscheidungsträger der Energiewirtschaft in Deutschland, den USA, Großbritannien, Australien und Singapur befragt. Untersucht wurden Investitionsbedingungen, Projektrisiken und die Widerstandsfähigkeit der Energieversorgung.

In Deutschland sehen die Befragten vor allem politische und regulatorische Unsicherheiten als Hindernis. 73 Prozent zählen diese zu den drei größten Hemmnissen beim Ausbau der Energieinfrastruktur. Genehmigungsverfahren werden von 63 Prozent genannt, begrenzte Lieferkettenkapazitäten von 49 Prozent und fehlende Netzkapazitäten von 48 Prozent.

Auch bei der Umsetzung bestehender Projekte zeigen sich erhebliche Risiken. Von den deutschen Befragten vermuten 62 Prozent, dass zwischen einem Viertel und knapp der Hälfte ihrer großen Vorhaben von Verzögerungen oder Mehrkosten betroffen sein könnten. Weitere 18 Prozent sehen dieses Risiko bei mindestens der Hälfte bis zu knapp drei Vierteln ihrer Projekte. Vier Prozent rechnen sogar mit einem Anteil von mindestens 75 Prozent.

Doch Schwierigkeiten gibt es nicht nur in Deutschland. In den USA sehen sogar 80 Prozent der Befragten Probleme bei Genehmigungen als eines der drei größten Hindernisse. Das ist der höchste Anteil unter den untersuchten Ländern. In Großbritannien stehen dagegen die Stromnetze stärker im Mittelpunkt: 59 Prozent nennen unzureichende Netzkapazitäten, verglichen mit 48 Prozent in Deutschland.

Australien verfügt zwar über erhebliche Investitionsmittel, doch 49 Prozent der dortigen Befragten wissen nicht, wohin mit dem Geld, da es zu wenige investitionsfähige Projekte gebe, heißt es in der Studie weiter. Besonders schwierig ist dort die Abstimmung zwischen neuen Erzeugungsanlagen, Übertragungsnetzen und weiterer Infrastruktur. Deutschland fällt dagegen bei den Lieferkettenrisiken auf. 68 Prozent der deutschen Befragten sehen mögliche Störungen der Lieferketten als operatives Risiko für die kommenden drei Jahre. Das ist der höchste Anteil unter den fünf untersuchten Ländern.

Positiv bewertet Jacobs die Fortschritte beim deutschen Stromnetzausbau. Im Jahr 2025 wurden nach Angaben der Bundesnetzagentur rund 2.000 Kilometer neue Stromleitungen genehmigt, 45 Prozent mehr als im Vorjahr. Auch bei den großen Nord-Süd-Verbindungen Suedlink und Suedostlink wurden weitere Genehmigungsschritte erreicht.

Jacobs empfiehlt Deutschland, Genehmigungsverfahren und technische Anforderungen stärker zu vereinheitlichen. Zudem sollten Stromnetze, Speicher, flexible Kraftwerke und die digitale Netzsteuerung gemeinsam geplant werden. Als Beispiele für eine bessere Koordination nennt Jacobs die langfristige Infrastrukturplanung Großbritanniens und die institutionelle Zusammenarbeit in Singapur.

Der Report „The Energy Readiness Equation“ kann auf der Webseite von Jacobs heruntergeladen werden.

Mittwoch, 28.10.2026, 15:24 Uhr
Stefan Sagmeister
Energie & Management > Stromnetz - Lieferengpässe als großes Risiko
Quelle: Shutterstock / Penofoto
Stromnetz
Lieferengpässe als großes Risiko
Die Regulatorik und lange Genehmigungsverfahren bremsen den Ausbau der deutschen Energieinfrastruktur. Doch auch andere Länder haben laut einer Studie ihre Probleme.
Eigentlich ist alles gerichtet: Deutschland verfügt über Kapital und technische Möglichkeiten für den Ausbau seiner Energieinfrastruktur, so eine Botschaft der internationalen Studie „The Energy Readiness Equation“ von Jacobs.

Allerdings drohen zahlreiche Vorhaben durch Verzögerungen und Kostensteigerungen ausgebremst zu werden, so eine weitere Erkenntnis. Demnach erwarten 84 Prozent der befragten deutschen Führungskräfte, dass mindestens ein Viertel ihrer großen Energieinfrastrukturprojekte in den kommenden drei Jahren von Verzögerungen oder Kostenüberschreitungen bedroht ist.

Das US-amerikanische Beratungsunternehmen Jacobs aus Dallas ist unter anderem in der Planung und Umsetzung von Energie- und Verkehrsinfrastruktur tätig. Für die Studie wurden 600 Führungskräfte und Entscheidungsträger der Energiewirtschaft in Deutschland, den USA, Großbritannien, Australien und Singapur befragt. Untersucht wurden Investitionsbedingungen, Projektrisiken und die Widerstandsfähigkeit der Energieversorgung.

In Deutschland sehen die Befragten vor allem politische und regulatorische Unsicherheiten als Hindernis. 73 Prozent zählen diese zu den drei größten Hemmnissen beim Ausbau der Energieinfrastruktur. Genehmigungsverfahren werden von 63 Prozent genannt, begrenzte Lieferkettenkapazitäten von 49 Prozent und fehlende Netzkapazitäten von 48 Prozent.

Auch bei der Umsetzung bestehender Projekte zeigen sich erhebliche Risiken. Von den deutschen Befragten vermuten 62 Prozent, dass zwischen einem Viertel und knapp der Hälfte ihrer großen Vorhaben von Verzögerungen oder Mehrkosten betroffen sein könnten. Weitere 18 Prozent sehen dieses Risiko bei mindestens der Hälfte bis zu knapp drei Vierteln ihrer Projekte. Vier Prozent rechnen sogar mit einem Anteil von mindestens 75 Prozent.

Doch Schwierigkeiten gibt es nicht nur in Deutschland. In den USA sehen sogar 80 Prozent der Befragten Probleme bei Genehmigungen als eines der drei größten Hindernisse. Das ist der höchste Anteil unter den untersuchten Ländern. In Großbritannien stehen dagegen die Stromnetze stärker im Mittelpunkt: 59 Prozent nennen unzureichende Netzkapazitäten, verglichen mit 48 Prozent in Deutschland.

Australien verfügt zwar über erhebliche Investitionsmittel, doch 49 Prozent der dortigen Befragten wissen nicht, wohin mit dem Geld, da es zu wenige investitionsfähige Projekte gebe, heißt es in der Studie weiter. Besonders schwierig ist dort die Abstimmung zwischen neuen Erzeugungsanlagen, Übertragungsnetzen und weiterer Infrastruktur. Deutschland fällt dagegen bei den Lieferkettenrisiken auf. 68 Prozent der deutschen Befragten sehen mögliche Störungen der Lieferketten als operatives Risiko für die kommenden drei Jahre. Das ist der höchste Anteil unter den fünf untersuchten Ländern.

Positiv bewertet Jacobs die Fortschritte beim deutschen Stromnetzausbau. Im Jahr 2025 wurden nach Angaben der Bundesnetzagentur rund 2.000 Kilometer neue Stromleitungen genehmigt, 45 Prozent mehr als im Vorjahr. Auch bei den großen Nord-Süd-Verbindungen Suedlink und Suedostlink wurden weitere Genehmigungsschritte erreicht.

Jacobs empfiehlt Deutschland, Genehmigungsverfahren und technische Anforderungen stärker zu vereinheitlichen. Zudem sollten Stromnetze, Speicher, flexible Kraftwerke und die digitale Netzsteuerung gemeinsam geplant werden. Als Beispiele für eine bessere Koordination nennt Jacobs die langfristige Infrastrukturplanung Großbritanniens und die institutionelle Zusammenarbeit in Singapur.

Der Report „The Energy Readiness Equation“ kann auf der Webseite von Jacobs heruntergeladen werden.

Mittwoch, 28.10.2026, 15:24 Uhr
Stefan Sagmeister

Haben Sie Interesse an Content oder Mehrfachzugängen für Ihr Unternehmen?

Sprechen Sie uns an, wenn Sie Fragen zur Nutzung von E&M-Inhalten oder den verschiedenen Abonnement-Paketen haben.
Das E&M-Vertriebsteam freut sich unter Tel. 08152 / 93 11-77 oder unter vertrieb@energie-und-management.de über Ihre Anfrage.