Filip Thon von Eon Energie Deutschland* fordert in diesem E&M-Gastbeitrag, den Stromnetz-Ausbaubedarf verursachergerecht in den Netzentgelten abzubilden.
Die Reform der allgemeinen Netzentgeltsystematik Strom (AgNes) ist ein zentrales energiepolitisches Thema, wird aber momentan stark aus Expertensicht betrachtet. Als größter deutscher Energievertrieb wollen wir den Blick darauf richten, was für die Kundinnen und Kunden bei AgNes maßgeblich ist.
Aufgrund der fortschreitenden Energiewende und des daraus resultierenden Netzausbaus machen Netzentgelte heute rund ein Viertel bis ein Drittel des Endkundenpreises aus. Keine Frage: Der Netzausbau ist notwendig und ein entscheidender Baustein der Energiewende, aber die Kosten müssen fair verteilt werden. Deshalb muss die neue Netzentgeltsystematik verursachungsgerecht sein, bezahlbar bleiben und für Kunden nachvollziehbar sein. Das zeigt auch eine entsprechende von Statista für uns durchgeführte, repräsentative Umfrage: 78
Prozent der befragten Privatleute wollen eine fairere Kostenverteilung, 92
Prozent fordern Verständlichkeit und den Verzicht auf Sonderregelungen.
Die historisch gewachsene volumenbasierte Logik bildet die aktuelle Energiewelt nicht mehr ab und führt zu einseitigen Belastungen. Künftig braucht es kapazitätsbasierte Netzentgelte statt rein mengenbasierter Abrechnung. Wer Netze besonders stark oder zu Spitzenzeiten intensiv beansprucht und damit einen entsprechend höheren Ausbaubedarf triggert, soll stärker zur Finanzierung beitragen. Dieses Prinzip „Kilowatt statt Kilowattstunde“ schafft Fairness, entlastet Haushalte und stärkt die Akzeptanz der Energiewende. Und: Solche Kapazitätsentgelte lassen sich praxistauglich und transparent ausgestalten. Sie sind weniger komplex als mehrstufige Arbeitspreismodelle und besser massengeschäftstauglich.
Praxistaugliche und transparente AusgestaltungEine zeitvariable Ausgestaltung der Netzentgelte hat das Potenzial, Netzausbau- und Redispatchkosten zu dämpfen – allerdings nur bei realistischer Umsetzbarkeit. Ein volldynamisches 15-Minuten-Modell ist aktuell weder technisch noch wirtschaftlich sinnvoll. Wir plädieren daher für zeitvariable und einfach verständliche Modelle mit festen Zeitscheiben. Denn nur wenn durch die Dynamisierung auch richtige Anreize zur Lastverschiebung gesetzt werden, wird es für das Gesamtsystem und jeden Einzelnen günstiger.
Unsere Umfrage zeigt: Menschen ohne Energiewende-Assets wünschen sich einfache, stabile Entgelte. Haushalte mit PV, Speicher oder Wärmepumpe dagegen wollen Flexibilität und wären bereit, ihren Verbrauch bei entsprechenden Anreizen zu verschieben. Beide Kundenbedürfnisse können wir abbilden, ohne das System unnötig zu verkomplizieren. Bezahlbarkeit, Einfachheit und Flex-Anreize schließen sich nicht aus.
Als Energievertrieb sind wir das Gesicht der Energiewirtschaft zu den Kunden und verstehen uns auch als Sprachrohr der Verbraucher in die Branche: Komplexität gehört in den Hintergrund, der Nutzen in den Vordergrund. Kein Kunde sollte zwei Verträge für den klassischen Strombezug und seinen Speicher brauchen oder schwer erklärbare Tariflogiken verstehen müssen. Deshalb ist unser Anspruch, die Komplexität auf Regulierungsseite zu begrenzen und es Kunden später mit smarten Lösungen möglichst einfach zu machen.
Mit Blick auf die diskutierten Netzentgelte für Solaranlagen gilt es jetzt ebenfalls, faire Regelungen zu finden. Damit AgNes wirkt, braucht es nun klare Leitplanken und rechtzeitige Entscheidungen, so dass Marktkommunikation (Mako), Abrechnung und Kundenprozesse frühzeitig angepasst werden können.
AgNes ist eine Chance: für ein faireres, verständlicheres und zukunftssicheres Netzentgeltsystem. Entscheidend ist, dass wir dabei immer die Perspektive der Kundinnen und Kunden in den Mittelpunkt stellen.
 |
* Filip Thon, der Autor dieses Gastbeitrags, ist CEO von Eon Energie Deutschland Quelle: E.ON / Alex Schelbert |
Dienstag, 24.02.2026, 12:17 Uhr
© 2026 Energie & Management GmbH