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Energie & Management > Studien - Globale Nachfrage nach Strom und Erdgas steigt wieder an
Quelle: Pixabay / Gerd Altmann
Studien

Globale Nachfrage nach Strom und Erdgas steigt wieder an

Das Geschäft mit Energie in Europa kommt wieder in Schwung. Die Internationale Energieagentur (IEA) hat auch ihre globale Prognose für 2024 leicht angehoben.
 
Der jüngste Gasmarktbericht der Internationalen Energieagentur (IEA) prognostiziert einen Anstieg der weltweiten Gasnachfrage um 2,5 Prozent oder 100 BCM (Milliarden Kubikmeter) in diesem Jahr. Dafür verantwortlich seien sowohl die Industrie als auch der private Verbrauch. An der Spitze liege der asiatisch-pazifische Raum mit einem Wachstum von 4 Prozent, in der EU erwartet die IEA eine um 3 Prozent höhere Nachfrage. 

Nach einer Analyse des Rohstoff-Informationsdienstes ICIS wird der Energieverbrauch in Europa, der 2023 weitgehend stagnierte, in der zweiten Jahreshälfte wieder zunehmen, allerdings nur langsam. Beim Gas erwartet ICIS eine Zunahme um 8 Prozent, bei Strom um 2,9 Prozent. Damit bleibe die Nachfrage aber auf beiden Märkten unter dem Niveau von 2022.

Zur Begründung verweisen die Autoren darauf, dass die Kaufkraft der privaten Haushalte in diesem Jahr wieder ansteige. Weil die Preise für Erdgas und Strom immer noch doppelt so hoch seien wie vor der Energiekrise, erhole sich die Nachfrage aber nur langsam. Die private Nachfrage werde auch von gesamtwirtschaftlichen Faktoren wie der Preis- und Zinsentwicklung dominiert.

Anders verhalte es sich bei der Industrie, wo einzelne Branchen in einen Strukturwandel eingetreten seien. Der Bericht verweist in diesem Zusammenhang auf die chemische Industrie, die 2021 noch 22 Prozent der Energie verbrauchte. Die Chemieindustrie leide seit zwei Jahren nicht nur unter den hohen Energiepreisen, sondern auch unter einer geringen Nachfrage, einem intensiveren Wettbewerb und in der Folge einer niedrigen Auslastung.

Globale Überkapazitäten in der Chemieindustrie

Das größte Problem der Branche seien globale Überkapazitäten, zumal in den nächsten Jahren neue Anlagen in Betrieb genommen würden: „Der europäische Markt für chemische Produkte hat deswegen auf absehbare Zeit ein strukturelles Problem. Eine höhere Nachfrage ist in den nächsten zwei Jahren höchst unwahrscheinlich.“

Der zusätzliche Bedarf der Europäer an Erdgas wird vorwiegend durch Flüssigerdgas (LNG) gedeckt. Westeuropa wird seine Regasifizierungskapazitäten gegenüber 2023 um 9 Prozent oder 226 Milliarden kWh in diesem Jahr ausbauen, davon 154 Milliarden kWh in Deutschland und 72 Milliarden kWh in Belgien. Damit werde Westeuropa in diesem Jahr 1.743 Milliarden kWh LNG einführen.

Dagegen werden die Pipeline-Importe aus Norwegen wegen Wartungsarbeiten an den Leitungen voraussichtlich um 1 Prozent niedriger ausfallen als 2023. Lieferungen über die anderen Pipelines, einschließlich derjenigen durch die Ukraine, bewegten sich auf dem gleichen Niveau. Obwohl die Produktion im niederländischen Groningen 2023 vollständig eingestellt wurde, soll die Eigenproduktion der EU 2024 um 7 Milliarden kWh höher ausfallen, weil Dänemarkt die Produktion in Tyra wieder aufnimmt.

Global steige die Nachfrag nach LNG 2024 um 5 Prozent, das Angebot um 2 Prozent. Damit kehre der LNG-Markt zu einem Zustand zurück, wo die Nachfrage das Angebot übersteige. Der kräftigste Nachfrageschub kommt dabei aus der EU mit 15 Prozent, gefolgt von China (+9 Prozent), Indien (+7 Prozent) und Südostasien (+1,7 Prozent). In Japan und Südkorea erwartet ICIS einen leichten Nachfragerückgang.

Die Normalisierung habe zu einem Rückgang der Gaspreise am wichtigsten Handelsplatz der EU, dem TTF, geführt, der sich 2024 fortsetzen werde. In diesem Jahr erwartet ICIS Preise zwischen 30 und 40 Euro/MWh.

Erneuerbare decken Zunahme am Strommarkt komplett

Auf dem Elektrizitätsmarkt erwartet ICIS eine Zunahme der Nachfrage von 75 Milliarden kWh. Diese könne mehr als gedeckt werden durch 33.500 MW mehr Solar- und 17.400 MW mehr Windkapazität. Die neuen Windräder und PV-Anlagen sollen 106 Milliarden kWh zusätzlichen Strom liefern. Außerdem stünden 10 Milliarden kWh mehr Atomstrom zur Verfügung, nachdem die französischen AKW wieder weitgehend normal produzieren.

Das neue Element auf dem europäischen Strommarkt sind nach Ansicht von ICIS die hohen deutschen Stromimporte. Vor 2021 war Deutschland nach Frankreich der größte Exporteur von Strom in Europa, im letzten Jahr beliefen sich die Importe (netto) schon auf 52 Milliarden kWh. 2024, wo Kohlekraftwerke mit einer Kapazität von 10.000 MW vom Netz gehen sollen, erwarten die Experten des ICIS einen Anstieg der Importe auf 55 Milliarden kWh. Frankreich ist dagegen 2023 zu seiner Rolle als führender Stromexporteur (50 Milliarden kWh) zurückgekehrt und werde diese Position weiter ausbauen.

Im Großhandel müsse man in diesem Jahr durchschnittlich etwa 100 Euro/MWh Strom bezahlen. Allerdings gebe es unterschiedliche Preisniveaus, insbesondere zwischen Deutschland und Frankreich.

Der Kohlenstoffpreis könnte im Laufe des Jahres auf 60 bis 65 Euro/Tonne zurückgehen, wenn im vierten Quartal weitere Kohlekraftwerke vom Netz gehen würden.

Montag, 29.01.2024, 17:15 Uhr
Tom Weingrtner
Energie & Management > Studien - Globale Nachfrage nach Strom und Erdgas steigt wieder an
Quelle: Pixabay / Gerd Altmann
Studien
Globale Nachfrage nach Strom und Erdgas steigt wieder an
Das Geschäft mit Energie in Europa kommt wieder in Schwung. Die Internationale Energieagentur (IEA) hat auch ihre globale Prognose für 2024 leicht angehoben.
 
Der jüngste Gasmarktbericht der Internationalen Energieagentur (IEA) prognostiziert einen Anstieg der weltweiten Gasnachfrage um 2,5 Prozent oder 100 BCM (Milliarden Kubikmeter) in diesem Jahr. Dafür verantwortlich seien sowohl die Industrie als auch der private Verbrauch. An der Spitze liege der asiatisch-pazifische Raum mit einem Wachstum von 4 Prozent, in der EU erwartet die IEA eine um 3 Prozent höhere Nachfrage. 

Nach einer Analyse des Rohstoff-Informationsdienstes ICIS wird der Energieverbrauch in Europa, der 2023 weitgehend stagnierte, in der zweiten Jahreshälfte wieder zunehmen, allerdings nur langsam. Beim Gas erwartet ICIS eine Zunahme um 8 Prozent, bei Strom um 2,9 Prozent. Damit bleibe die Nachfrage aber auf beiden Märkten unter dem Niveau von 2022.

Zur Begründung verweisen die Autoren darauf, dass die Kaufkraft der privaten Haushalte in diesem Jahr wieder ansteige. Weil die Preise für Erdgas und Strom immer noch doppelt so hoch seien wie vor der Energiekrise, erhole sich die Nachfrage aber nur langsam. Die private Nachfrage werde auch von gesamtwirtschaftlichen Faktoren wie der Preis- und Zinsentwicklung dominiert.

Anders verhalte es sich bei der Industrie, wo einzelne Branchen in einen Strukturwandel eingetreten seien. Der Bericht verweist in diesem Zusammenhang auf die chemische Industrie, die 2021 noch 22 Prozent der Energie verbrauchte. Die Chemieindustrie leide seit zwei Jahren nicht nur unter den hohen Energiepreisen, sondern auch unter einer geringen Nachfrage, einem intensiveren Wettbewerb und in der Folge einer niedrigen Auslastung.

Globale Überkapazitäten in der Chemieindustrie

Das größte Problem der Branche seien globale Überkapazitäten, zumal in den nächsten Jahren neue Anlagen in Betrieb genommen würden: „Der europäische Markt für chemische Produkte hat deswegen auf absehbare Zeit ein strukturelles Problem. Eine höhere Nachfrage ist in den nächsten zwei Jahren höchst unwahrscheinlich.“

Der zusätzliche Bedarf der Europäer an Erdgas wird vorwiegend durch Flüssigerdgas (LNG) gedeckt. Westeuropa wird seine Regasifizierungskapazitäten gegenüber 2023 um 9 Prozent oder 226 Milliarden kWh in diesem Jahr ausbauen, davon 154 Milliarden kWh in Deutschland und 72 Milliarden kWh in Belgien. Damit werde Westeuropa in diesem Jahr 1.743 Milliarden kWh LNG einführen.

Dagegen werden die Pipeline-Importe aus Norwegen wegen Wartungsarbeiten an den Leitungen voraussichtlich um 1 Prozent niedriger ausfallen als 2023. Lieferungen über die anderen Pipelines, einschließlich derjenigen durch die Ukraine, bewegten sich auf dem gleichen Niveau. Obwohl die Produktion im niederländischen Groningen 2023 vollständig eingestellt wurde, soll die Eigenproduktion der EU 2024 um 7 Milliarden kWh höher ausfallen, weil Dänemarkt die Produktion in Tyra wieder aufnimmt.

Global steige die Nachfrag nach LNG 2024 um 5 Prozent, das Angebot um 2 Prozent. Damit kehre der LNG-Markt zu einem Zustand zurück, wo die Nachfrage das Angebot übersteige. Der kräftigste Nachfrageschub kommt dabei aus der EU mit 15 Prozent, gefolgt von China (+9 Prozent), Indien (+7 Prozent) und Südostasien (+1,7 Prozent). In Japan und Südkorea erwartet ICIS einen leichten Nachfragerückgang.

Die Normalisierung habe zu einem Rückgang der Gaspreise am wichtigsten Handelsplatz der EU, dem TTF, geführt, der sich 2024 fortsetzen werde. In diesem Jahr erwartet ICIS Preise zwischen 30 und 40 Euro/MWh.

Erneuerbare decken Zunahme am Strommarkt komplett

Auf dem Elektrizitätsmarkt erwartet ICIS eine Zunahme der Nachfrage von 75 Milliarden kWh. Diese könne mehr als gedeckt werden durch 33.500 MW mehr Solar- und 17.400 MW mehr Windkapazität. Die neuen Windräder und PV-Anlagen sollen 106 Milliarden kWh zusätzlichen Strom liefern. Außerdem stünden 10 Milliarden kWh mehr Atomstrom zur Verfügung, nachdem die französischen AKW wieder weitgehend normal produzieren.

Das neue Element auf dem europäischen Strommarkt sind nach Ansicht von ICIS die hohen deutschen Stromimporte. Vor 2021 war Deutschland nach Frankreich der größte Exporteur von Strom in Europa, im letzten Jahr beliefen sich die Importe (netto) schon auf 52 Milliarden kWh. 2024, wo Kohlekraftwerke mit einer Kapazität von 10.000 MW vom Netz gehen sollen, erwarten die Experten des ICIS einen Anstieg der Importe auf 55 Milliarden kWh. Frankreich ist dagegen 2023 zu seiner Rolle als führender Stromexporteur (50 Milliarden kWh) zurückgekehrt und werde diese Position weiter ausbauen.

Im Großhandel müsse man in diesem Jahr durchschnittlich etwa 100 Euro/MWh Strom bezahlen. Allerdings gebe es unterschiedliche Preisniveaus, insbesondere zwischen Deutschland und Frankreich.

Der Kohlenstoffpreis könnte im Laufe des Jahres auf 60 bis 65 Euro/Tonne zurückgehen, wenn im vierten Quartal weitere Kohlekraftwerke vom Netz gehen würden.

Montag, 29.01.2024, 17:15 Uhr
Tom Weingrtner

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