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Eine Studie im Auftrag der Verbände für Geothermie und Wärmepumpen hat die Wirtschaftlichkeit erdgekoppelter Wärmepumpen mit einem Gaskessel verglichen − mit einem deutlichen Ergebnis.
Zum Auftakt einer Onlineveranstaltung machte Gregor Dilger, Geschäftsführer des Bundesverbands Geothermie (BVG) deutlich: „Die Wärmewende ist eine der größten Herausforderungen unserer Gesellschaft. Diese gibt es aber nicht zum Nulltarif.“ Das grüne Lösungen für den Gebäudesektor aber durchaus auch wirtschaftlich sein können, zeige nun eine Kurzanlayse von Prognos.
Diese Kurzstudie des Beratungsunternehmens Prognos untersuchte die Wirtschaftlichkeit von Wärmepumpensystemen im Gebäudesektor. Im Fokus standen Einfamilienhäuser sowie Mehrfamilienhäuser. Auftraggeber waren der Bundesverband Geothermie (BVG), die Erdwärmegemeinschaft Bayern und der Bundesverband Wärmepumpe (BWP).
Die Studie hat sich insbesondere Wärmepumpen angesehen, die das Erdreich als Wärmequelle nutzen. Ein zentrales Ergebnis: Erdwärme-Wärmepumpen sind „klar die günstigste Heizoption“, erklärte Dominik Rau von Prognos, der die Ergebnisse bei der Online-Konferenz am 17. April vorstellte.
Die Anfangsinvestitionenen seien zwar hoch, dies würde sich aber langfristig mehr als ausgleichen, so BVG-Geschäftsführer Dilger. Die jüngsten geopolitischen Entwicklungen hätten zudem erneut ein Schlaglicht auf die bestehende Abhängigkeit von fossilen Weltmärkten geworfen.
Auch vor diesem Hintergrund sei neben der der Wirtschaftlichkeit die Unabhängigkeit, die eine heimische, erneuerbare Wärmeversorgung bietet, ein starkes Argument für die Dekarbonisierung des Gebäudesektors. Hier sollte Erdwärme künftig eine entscheidende Rolle spielen.
In diesem Zusammenhang mahnte auch Martin Sabel an, Geschäftsführer des Bundesverbands Wärmepumpe BWP, die Förderungen nicht einzuschränken. Denn erdgekoppelte Anlagen haben aufgrund der Bohrkosten hohe Anfangsinvestitionen. Nach Zahlen der vorgestellten Studie sind bei der erdgekoppelten Wärmepumpe die Anteile für Kapitalkosten mehr als doppelt so hoch wie bei einem Gaskessel.
„Diese hohen Anfangsinvestitionen muss man erst einmal stemmen können“, sagte Sabel. Daher seien Förderungen wichtig, damit Eigentümerinnen und Eigentümer nicht in eine „Kostenfalle“ laufen und sich aufgrund der niedrigeren Beschaffungskosten für eine fossile Anlage entscheiden.
Langfristig laufen die Kosten für einen Gaskessel verglichen mit einer Wärmepumpe, die das Erdreich als Wärmequelle nutzt, deutlich auseinander, zeigt die Prognos-Kurzstudie. Die Kurzanalyse stellt dabei die langfristigen Gesamtkosten eines Gaskessels im Ein- und Mehrfamilienhaus mit jenen einer Luft-Wärmepumpe sowie einer Sole-Wärmepumpe gegenüber.
Lebensdauer von Erdwärmesonden bis zu 60 Jahre
Dabei nimmt das Kurzgutachten auch in den Blick, dass die Lebensdauer von Erdwärmesonden deutlich länger ist als die der eigentlichen Heizgeräte. Während die Gas- und Wärmepumpenheizgeräte mit 18 bis 20 Jahren in die Rechnung eingehen, wird die Lebensdauer von Erdwärmesonden auf 60 Jahre veranschlagt. Experten schätzen, dass diese auch 100 Jahre und mehr betragen könnte.
Dabei zeigt sich: Liegt der Gaskessel mitunter in den ersten Jahren noch gleichauf mit den beiden Wärmepumpentypen, so wachsen die Unterschiede durch steigende Gaspreise, einen wachsenden Anteil an Biomethan sowie einen Anstieg des CO2-Preises schnell an. Die Gesamtkosten fossiler Systeme steigen damit schneller als die der elektrischen Alternativen, stellte die Studie fest.
Dabei macht die Wärmequelle von Beginn an einen Unterschied bei der Wirtschaftlichkeit: Erdwärmepumpen punkten hier verglichen zu Luft-Wasser-Wärmepumpen mit geringeren annuitisierten Kosten pro Jahr, über einen Zeitraum von 20 Jahren sind sie in dieser Betrachtungsweise sogar um acht Prozent günstiger.
Bei einem beispielhaften Mehrfamilienhaus liegen die Gesamtkosten auf 20 Jahre gerechnet, laut Studie, bei einem Gaskessel (neu) bei 380.903 Euro, die Luft-Wasser-Wärmepumpen kommt auf 258.224 Euro und die Erd-Wärmepumpe auf 227.200 Euro. „Insbesondere für Besitzerinnen von Ein- und Mehrfamilienhäusern mit langer Nutzungsperspektive lohnt es sich daher auch wirtschaftlich, bei der Auswahl des Wärmepumpensystems genau hinzusehen“, sagte BWP-Chef Sabel.
Aus Sicht der Erdwärmegemeinschaft Bayern liefert die Kurzanalyse zusätzliche Argumente für die Energiequelle, für deren Einsatz sich der Verein seit seiner Gründung im Jahr 2015 stark macht. „Dass Erdwärme-gespeiste Wärmepumpen mit Wirtschaftlichkeit punkten, ist neben ihrer Umweltfreundlichkeit und ihrer langen Lebensdauer von mehreren Jahrzehnten ein weiterer Grund, auf diese Technologie zu setzen“, sagt Christoph Knepel, Vorstand der Erdwärmegemeinschaft Bayern.
Freitag, 17.04.2026, 15:39 Uhr
Heidi Roider
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