Dezentrale Datenhaltung und Wallets schaffen die Grundlage für die skalierbare Nutzung dezentraler Flexibilitäten. Ein Gastbeitrag von Dr. Rainer Enzenhöfer*.
Die Integration dezentraler Flexibilitäten – wie etwa Elektrofahrzeuge, Wärmepumpen oder Batterieheimspeicher – stellt die Energiewirtschaft vor die Herausforderung, einen standardisierten, sicheren und effizienten Datenaustausch zu etablieren. Klassische, zentralisierte Datenarchitekturen führen derzeit zu fragmentierten Lösungen für einzelne Use Cases und verhindern Skalierungseffekte.
Einen wesentlichen Mehrwert bieten dezentrale Datenraumarchitekturen, in denen Daten standardisiert, integritätsgesichert und verifizierbar ausgetauscht werden. Ein Ziel des Projekts „DataFleX“ besteht darin, Daten nicht zentral zu bündeln, sondern föderiert verfügbar und kontrolliert nutzbar zu machen. Grundlage hierfür ist die Verknüpfung eines Datenraumes (hier energy data-X) mit digitalen Identitäten und Wallet-Infrastrukturen, um Interoperabilität, Automatisierung und Vertrauen sicherzustellen.
Gleichzeitig wird die DSGVO-Konformität unterstützt, da Daten beim jeweiligen Akteur verbleiben und nur selektiv geteilt werden. Digitale Identitätszertifikate (Credentials) sind Enabler, da sie Daten automatisiert überprüfbar machen und eine vertrauenswürdige sowie dezentrale Speicherung und Verarbeitung ermöglichen. Dadurch werden Fehler reduziert, Datensilos und Inkonsistenzen minimiert sowie Kosten gesenkt, da manuelle Abstimmungen entfallen und Medienbrüche vermieden werden können.
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| Quelle: TransnetBW |
Zentral ist dabei eine sektorenübergreifende Identitätsverwaltung auf Basis von eIDAS 2.0. Digitale Identitäten schaffen Vertrauen und ermöglichen die eindeutige Verknüpfung von Attributen mit Identitäten. Dabei können nicht nur Personen, sondern auch Anlagen wie Elektrofahrzeuge, Ladepunkte und Batterien eigene Identitäten erhalten, wodurch die Anlagen selbst, aber auch Informationen zu den technischen Eigenschaften direkt nutzbar werden.
Ein konkreter Anwendungsfall ist das DataFleX-Teilprojekt „Wallet-Laden“, das einen Ladevorgang Credential-basiert startet und die (Anlagen-) Daten an den Datenraum kommuniziert. Im Demonstrator wird eine European-Business-Wallet-Infrastruktur genutzt bzw. erprobt, um verifizierbare Nachweise zu erstellen, zu verwalten und auszutauschen. Damit wird gezeigt, wie sich (Anlagen-) Daten sicher an den Netzbetreiber bzw. Akteure der Energiewirtschaft übermitteln lassen, ohne dabei Datensicherheit oder Verifizierbarkeit zu verlieren.
Im Demonstrator wird ein Ladevorgang vollständig attributbasiert gesteuert: Die Mitarbeitenden authentifizieren sich per App und weisen sich mittels digitaler Credentials aus, die im Business Wallet verwaltet und geprüft werden. Am Ladepunkt wird eine Credential-Präsentation angefordert, die nach dem Scan des QR-Codes übertragen und validiert wird. Zusätzlich wird der Batteriepass angefragt, um die Stammdaten der Batterie direkt über den Ladepunkt an den Netzbetreiber weiterzugeben. Anschließend startet der Ladevorgang automatisch und erlaubt beispielsweise der Netzführung die Anlagen auf ihre Geolocation zu prüfen.
In diesem Use Case wird zusätzlich über Attribute im Credential differenziert: Mitarbeitende mit entsprechender Berechtigung laden mit 11 kW, andere Nutzer sind auf 4,2 kW begrenzt. Zusätzliche manuelle Prozesse oder zentrale Freigaben entfallen.
Die Ergebnisse zeigen: Dezentrale Datenhaltung und attributbasierter Datenaustausch funktionieren praxisnah, skalierbar und lassen sich einfach in bestehende Systeme integrieren. Rollen, Berechtigungen und technische Eigenschaften lassen sich automatisiert und vertrauenswürdig abbilden. Im Kontext von DataFleX wird deutlich, welches Potenzial sich daraus ergibt:
- skalierbare Integration von Millionen verteilter Flexibilitäten,
- interoperable Datenräume statt isolierter Systeme sowie
- eine deutliche Reduktion operativer Komplexität.
Damit entsteht ein zentraler Baustein für die Digitalisierung der Energiewirtschaft. Dezentrale Datenräume und Wallet-basierte Identitäten entwickeln sich zum Enabler für die effiziente Systemintegration dezentraler Flexibilität.
Diese Arbeit wurde mit 51nodes, Spherity und Fraunhofer IAO im Rahmen von DataFleX (Förderkennzeichen 13MX011B) durchgeführt. DataFleX ist ein aktuell laufendes, vom BMWE mit Mitteln der EU gefördertes Forschungsprojekt zur digitalen Vernetzung sektorübergreifender Datenökosysteme und zur großskaligen Pilotierung des Redispatch 3.0.
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Dr. Rainer Enzenhöfer Quelle: TransnetBW |
*Dr. Rainer Enzenhöfer, Lead Spezialist Disruptive Entwicklungen Netzwirtschaft, TransnetBW
Freitag, 14.08.2026, 14:15 Uhr
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