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Energie & Management > Gas - Entsog gibt Entwarnung für den Gasmarkt
Quelle: Fotolia / Dmitry Naumov
Gas

Entsog gibt Entwarnung für den Gasmarkt

Die Sicherheit der Gasversorgung hat sich in den letzten Monaten weiter verbessert. Die EU kommt inzwischen ohne russisches Leitungsgas über die Runden.
Zu diesem Ergebnis kommt der jüngste Situationsbericht des Verbandes der Erdgasnetzbetreiber, Entsog. Am 1. April befanden sich in den Gasspeichern der EU (einschließlich Großbritannien) noch 663 Milliarden kWh Energie. Die Speicher waren damit noch zu 59 Prozent gefüllt, der höchste Stand seit fünf Jahren.

Die Aussichten für den nächsten Winter würden außerdem dadurch verbessert, dass neue LNG-Terminals ans Netz gegangen seien, heißt es in der Analyse weiter. Zum ersten Mal werden darin auch zusätzliche Speicher in der Ukraine berücksichtigt, die von Versorgern in der EU genutzt werden können.

Zwar könne es auch im nächsten Winter noch zu Engpässen kommen. In den meisten Szenarien, die Entsog untersucht hat, können sie aber überwunden werden, wenn sich die Mitgliedsstaaten der EU solidarisch verhalten. Die Gasinfrastruktur reiche aus, um die Speicher in enger Zusammenarbeit im Sommer wieder aufzufüllen, sagt Entsog-Direktor Piotr Kus: „Unsere Analyse zeigt, wie wichtig die Speicher sind und dass wir durch zusätzliche Kapazität in der Ukraine erheblich an Flexibilität gewinnen.“

Im Sommer 2023 lag der Verbrauch weiter um 15 Prozent unter dem Durchschnitt der letzten fünf Jahre. Damit rechnet Entsog auch für dieses Jahr. Gleichzeitig halbierten sich die Lieferungen (über Pipelines) aus Russland auf nur noch 7  Prozent. Trotzdem sei es der EU gelungen, mit einem Speicherstand von 96 Prozent in die Wintersaison zu starten.

Dass davon am Ende der Heizperdiode noch 59 Prozent übrig sind, führt Entsog auf mehrere Faktoren zurück: einen Rückgang des Verbrauchs aufgrund des milden Winters, aber auch aufgrund der von den Mitgliedsstaaten ergriffenen Sparmaßnahmen. Zum sparsamen Umgang mit Gas hätten außerdem die hohen Preise beigetragen.

Künftig bis zu 10 Prozent mehr Speicherkapazität

Die Voraussetzungen dafür, die Speicher in den nächsten sechs Monaten wieder aufzufüllen, sind nach Ansicht von Entsog gut. Der Ausbau der Infrastruktur erlaube es, mehr Flüssiggas (LNG) zu importieren und zu einer besseren Kooperation zwischen den Mitgliedsstaaten zu kommen. Das Auslaufen der Transitvereinbarung zwischen Russland und der Ukraine am Ende dieses Jahres eröffne Unternehmen aus der EU die Möglichkeit, mehr Gas an die Ukraine und nach Moldawien zu liefern und dort vorhandene Speicher zu nutzen. Damit stünden der EU in Zukunft bis zu 10 bcm Speicherkapazität (+10 Prozent) zusätzlich zur Verfügung.

Die allermeisten Szenarien zeigten, dass die Speicher bis Ende September auch ohne russisches Gas wieder aufgefüllt werden könnten. Alleine über die LNG-Terminals könnten in den Sommermonaten 96 bcm (966 Milliarden kWh) importiert werden, weitere 69 bcm über Pipelines aus Norwegen. Nur wenn deutlich weniger LNG verfügbar wäre, könnte der Speicherstand von 90 Prozent nicht bis zum 1. Oktober ohne russisches Pipelinegas erreicht werden.

Unter der Voraussetzung, dass die EU ohne russisches Gas auskommen muss und die Gasnachfrage auch im nächsten Winter um 15 Prozent geringer ausfällt als im Durchschnitt der fünf Refernzjahre 2017-21, wären die Speicher der EU Ende März 2025 immer noch zu 43 Prozent gefüllt. Dann wären zusätzliche LNG-Importe im Sommer 2025 nötig, um die Speicher wieder aufzufüllen.

Sollte die Nachfrage wieder das Niveau vor dem Ausbruch des Ukrainekrieges erreichen und kein russisches Gas mehr zur Verfügung stehen, würden die Speicherstände auf 11 Prozent zurückgehen. Lieferbeschränkungen könnten dann nicht mehr ausgeschlossen werden. 

Mittwoch, 17.04.2024, 14:15 Uhr
Tom Weingrtner
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Gas
Entsog gibt Entwarnung für den Gasmarkt
Die Sicherheit der Gasversorgung hat sich in den letzten Monaten weiter verbessert. Die EU kommt inzwischen ohne russisches Leitungsgas über die Runden.
Zu diesem Ergebnis kommt der jüngste Situationsbericht des Verbandes der Erdgasnetzbetreiber, Entsog. Am 1. April befanden sich in den Gasspeichern der EU (einschließlich Großbritannien) noch 663 Milliarden kWh Energie. Die Speicher waren damit noch zu 59 Prozent gefüllt, der höchste Stand seit fünf Jahren.

Die Aussichten für den nächsten Winter würden außerdem dadurch verbessert, dass neue LNG-Terminals ans Netz gegangen seien, heißt es in der Analyse weiter. Zum ersten Mal werden darin auch zusätzliche Speicher in der Ukraine berücksichtigt, die von Versorgern in der EU genutzt werden können.

Zwar könne es auch im nächsten Winter noch zu Engpässen kommen. In den meisten Szenarien, die Entsog untersucht hat, können sie aber überwunden werden, wenn sich die Mitgliedsstaaten der EU solidarisch verhalten. Die Gasinfrastruktur reiche aus, um die Speicher in enger Zusammenarbeit im Sommer wieder aufzufüllen, sagt Entsog-Direktor Piotr Kus: „Unsere Analyse zeigt, wie wichtig die Speicher sind und dass wir durch zusätzliche Kapazität in der Ukraine erheblich an Flexibilität gewinnen.“

Im Sommer 2023 lag der Verbrauch weiter um 15 Prozent unter dem Durchschnitt der letzten fünf Jahre. Damit rechnet Entsog auch für dieses Jahr. Gleichzeitig halbierten sich die Lieferungen (über Pipelines) aus Russland auf nur noch 7  Prozent. Trotzdem sei es der EU gelungen, mit einem Speicherstand von 96 Prozent in die Wintersaison zu starten.

Dass davon am Ende der Heizperdiode noch 59 Prozent übrig sind, führt Entsog auf mehrere Faktoren zurück: einen Rückgang des Verbrauchs aufgrund des milden Winters, aber auch aufgrund der von den Mitgliedsstaaten ergriffenen Sparmaßnahmen. Zum sparsamen Umgang mit Gas hätten außerdem die hohen Preise beigetragen.

Künftig bis zu 10 Prozent mehr Speicherkapazität

Die Voraussetzungen dafür, die Speicher in den nächsten sechs Monaten wieder aufzufüllen, sind nach Ansicht von Entsog gut. Der Ausbau der Infrastruktur erlaube es, mehr Flüssiggas (LNG) zu importieren und zu einer besseren Kooperation zwischen den Mitgliedsstaaten zu kommen. Das Auslaufen der Transitvereinbarung zwischen Russland und der Ukraine am Ende dieses Jahres eröffne Unternehmen aus der EU die Möglichkeit, mehr Gas an die Ukraine und nach Moldawien zu liefern und dort vorhandene Speicher zu nutzen. Damit stünden der EU in Zukunft bis zu 10 bcm Speicherkapazität (+10 Prozent) zusätzlich zur Verfügung.

Die allermeisten Szenarien zeigten, dass die Speicher bis Ende September auch ohne russisches Gas wieder aufgefüllt werden könnten. Alleine über die LNG-Terminals könnten in den Sommermonaten 96 bcm (966 Milliarden kWh) importiert werden, weitere 69 bcm über Pipelines aus Norwegen. Nur wenn deutlich weniger LNG verfügbar wäre, könnte der Speicherstand von 90 Prozent nicht bis zum 1. Oktober ohne russisches Pipelinegas erreicht werden.

Unter der Voraussetzung, dass die EU ohne russisches Gas auskommen muss und die Gasnachfrage auch im nächsten Winter um 15 Prozent geringer ausfällt als im Durchschnitt der fünf Refernzjahre 2017-21, wären die Speicher der EU Ende März 2025 immer noch zu 43 Prozent gefüllt. Dann wären zusätzliche LNG-Importe im Sommer 2025 nötig, um die Speicher wieder aufzufüllen.

Sollte die Nachfrage wieder das Niveau vor dem Ausbruch des Ukrainekrieges erreichen und kein russisches Gas mehr zur Verfügung stehen, würden die Speicherstände auf 11 Prozent zurückgehen. Lieferbeschränkungen könnten dann nicht mehr ausgeschlossen werden. 

Mittwoch, 17.04.2024, 14:15 Uhr
Tom Weingrtner

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