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Energie & Management > Regenerative - Die Erneuerbaren sind weltweit auf dem Vormarsch
Quelle: Shutterstock / alphaspirit.it
Regenerative

Die Erneuerbaren sind weltweit auf dem Vormarsch

Der Ausbau der erneuerbaren Energien hat sich im vergangenen Jahr weiter beschleunigt aber nicht genug, um die global anvisierten Ziele sicher zu erreichen.
 
Nach dem jüngsten Bericht der Internationalen Energieagentur (IEA) in Paris stiegen die Kapazitäten zur Nutzung erneuerbarer Energien 2023 um 14 Prozent auf rund 4 200.000 MW. Von der Gesamtkapazität entfielen 90 Prozent auf die zwanzig größten Industrie- und Schwellenländer, die G20. Es war das schnellste bisher verzeichnete Wachstum. Drei Viertel des Zuwachses entfielen auf Photovoltaik-Anlagen. Das gegenwärtige Wachstumstempo würde nach den Schätzungen der IEA allerdings nicht reichen, um die Kapazitäten bis 2030 im Vergleich zu 2022 zu verdreifachen.

Die IEA erwartet, dass von 2023 bis 2028 erneuerbare Anlagen mit einer Kapazität von 3,7 Millionen MW ans Netz gehen, 95 Prozent davon zur Nutzung von Wind- und Sonnenenergie. Die Erneuerbaren profitierten dabei von weiter fallenden Kosten und einer zunehmenden Wettbewerbsfähigkeit. Der globale Mix bei der Stromerzeugung werde sich bis 2028 grundlegend ändern. Bereits in diesem Jahr werde mehr Strom aus Wind- und Sonnenenergie erzeugt als aus Wasserkraft. Im nächsten Jahr lösten die Erneuerbaren Kohle als wichtigsten Energieträger zur Elektrizitätserzeugung ab. 2028 würden mehr als 42 Prozent des Stroms aus erneuerbaren Quellen erzeugt.

2023 hätten die Kosten der Stromerzeugung in 96 Prozent der Windräder und PV-Anlagen, die neu ans Netz gingen, unter denen von Kohle- und Gaskraftwerken gelegen, heißt es im Bericht der IEA. Diese Entwicklung werde in den nächsten Jahren anhalten. Trotz der wachsenden Bedeutung des schwankenden Angebotes aus Wind und Sonne nehme die Notwendigkeit, flexible und steuerbare Kraftwerke bereitzuhalten, in den großen Wirtschaftsräumen (EU, USA, China) nur langsam zu.

China beim Zubau an der Spitze

An der Spitze der Entwicklung sieht die IEA China. Dort sollen bis 2028 fast 60 Prozent des Zubaus zur Nutzung der erneuerbaren Energien erfolgen: „Obwohl die nationalen Subventionen 2020 und 2021 zurückgefahren wurden, hat sich der Ausbau von Wind- und Solaranlagen beschleunigt“, heißt es im Bericht der IEA. Neben Fortschritten, die die wirtschaftliche Attraktivität dieser Technologien verbessert hätten, spielten dabei auch die günstigen Rahmenbedingungen in der Volksrepublik eine Rolle, namentlich langfristige Verträge zur Abnahme des Stroms.

Auch in den USA, der EU, Indien und Brasilien erwartet die IEA ein kräftiges Wachstum der Erneuerbaren. Das günstige politische Umfeld spiele dabei eine wichtige Rolle. Windenergie an Land und die Photovoltaik profitierten außerdem von einer höheren Wirtschaftlichkeit. In der EU und in Brasilien suchten vor allem die privaten Verbraucher mit eigenen PV-Anlagen Schutz vor steigenden Energiepreisen. In den USA kämen die Subventionen aus dem Inflation Reduction Act (IRA) vor allem gewerblichen Angeboten zugute.

Preis für PV-Module um fast 50 Prozent gesunken

Wichtigste Ursache für die dynamische Entwicklung der Stromerzeugung aus Wind und Sonne sind nach Ansicht der IEA die sinkenden Kosten, insbesondere für Solarstrom. Die Preise für PV-Module seien im vergangenen Jahr um fast 50 Prozent gesunken. Ob dieser Trend anhält, ist allerdings fraglich.

Die Produktionskapazitäten hätten sich im Vergleich zu 2021 zwar verdreifacht und, berücksichtige man die im Bau befindlichen Fabriken für PV-Module, könnten schon im nächsten Jahr neue Module mit einer Leistung von 1,1 Millionen MW auf den Markt kommen, das Dreifache der erwarteten Nachfrage. Führender Anbieter bleibe China mit etwa 90 Prozent der verfügbaren Kapazität. In dem Bestreben von der Volksrepublik unabhängig zu werden, versuchten wichtige Akteure wie die USA, die EU und Indien jedoch, die eigene Produktion auszuweiten, was dort zu steigenden Kosten führen könne.

Sorgenkind Windkraftanlagen

Sorgen macht man sich in Paris um die Hersteller von Windrädern, die in den USA wie in der EU mit negativen Margen kämpfen. Steigende Kosten, Engpässe in der Rohstoffversorgung und steigende Zinsen machten der Branche zu schaffen. Lediglich in China sorge die Binnennachfrage und die vertikale Integration für eine höhere Widerstandsfähigkeit.

Außerhalb von China hat die IEA ihre Prognose für den Ausbau der Windkraft nach unten revidiert. 2028 erwartet man in Paris, dass 25 Prozent des Stroms aus Wind und Sonne erzeugt werden, doppelt so viel wie heute. In sieben EU-Staaten werden es voraussichtlich mehr als 50 Prozent und in Dänemark sogar 90 Prozent. Das werde zu einem immer höheren Redispatch führen, weil der Ausbau der Stromnetze damit nicht Schritt halte.

7 Prozent der Erneuerbaren-Projekte, die bis 2028 geplant seien, dienten der Herstellung von grünem Wasserstoff (45.000 MW. Drei Viertel davon würden voraussichtlich in den USA, China und Saudi-Arabien realisiert. Auch hier habe man die Prognosen nach unten revidiert. Die Investitionsentscheidungen für viele Projekte (außer in China) hätten sich verzögert, weil die Entwicklung eines internationalen Wasserstoffmarktes mit großen Unsicherheiten behaftet sei.

Donnerstag, 11.01.2024, 10:43 Uhr
Tom Weingrtner
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Quelle: Shutterstock / alphaspirit.it
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Der Ausbau der erneuerbaren Energien hat sich im vergangenen Jahr weiter beschleunigt aber nicht genug, um die global anvisierten Ziele sicher zu erreichen.
 
Nach dem jüngsten Bericht der Internationalen Energieagentur (IEA) in Paris stiegen die Kapazitäten zur Nutzung erneuerbarer Energien 2023 um 14 Prozent auf rund 4 200.000 MW. Von der Gesamtkapazität entfielen 90 Prozent auf die zwanzig größten Industrie- und Schwellenländer, die G20. Es war das schnellste bisher verzeichnete Wachstum. Drei Viertel des Zuwachses entfielen auf Photovoltaik-Anlagen. Das gegenwärtige Wachstumstempo würde nach den Schätzungen der IEA allerdings nicht reichen, um die Kapazitäten bis 2030 im Vergleich zu 2022 zu verdreifachen.

Die IEA erwartet, dass von 2023 bis 2028 erneuerbare Anlagen mit einer Kapazität von 3,7 Millionen MW ans Netz gehen, 95 Prozent davon zur Nutzung von Wind- und Sonnenenergie. Die Erneuerbaren profitierten dabei von weiter fallenden Kosten und einer zunehmenden Wettbewerbsfähigkeit. Der globale Mix bei der Stromerzeugung werde sich bis 2028 grundlegend ändern. Bereits in diesem Jahr werde mehr Strom aus Wind- und Sonnenenergie erzeugt als aus Wasserkraft. Im nächsten Jahr lösten die Erneuerbaren Kohle als wichtigsten Energieträger zur Elektrizitätserzeugung ab. 2028 würden mehr als 42 Prozent des Stroms aus erneuerbaren Quellen erzeugt.

2023 hätten die Kosten der Stromerzeugung in 96 Prozent der Windräder und PV-Anlagen, die neu ans Netz gingen, unter denen von Kohle- und Gaskraftwerken gelegen, heißt es im Bericht der IEA. Diese Entwicklung werde in den nächsten Jahren anhalten. Trotz der wachsenden Bedeutung des schwankenden Angebotes aus Wind und Sonne nehme die Notwendigkeit, flexible und steuerbare Kraftwerke bereitzuhalten, in den großen Wirtschaftsräumen (EU, USA, China) nur langsam zu.

China beim Zubau an der Spitze

An der Spitze der Entwicklung sieht die IEA China. Dort sollen bis 2028 fast 60 Prozent des Zubaus zur Nutzung der erneuerbaren Energien erfolgen: „Obwohl die nationalen Subventionen 2020 und 2021 zurückgefahren wurden, hat sich der Ausbau von Wind- und Solaranlagen beschleunigt“, heißt es im Bericht der IEA. Neben Fortschritten, die die wirtschaftliche Attraktivität dieser Technologien verbessert hätten, spielten dabei auch die günstigen Rahmenbedingungen in der Volksrepublik eine Rolle, namentlich langfristige Verträge zur Abnahme des Stroms.

Auch in den USA, der EU, Indien und Brasilien erwartet die IEA ein kräftiges Wachstum der Erneuerbaren. Das günstige politische Umfeld spiele dabei eine wichtige Rolle. Windenergie an Land und die Photovoltaik profitierten außerdem von einer höheren Wirtschaftlichkeit. In der EU und in Brasilien suchten vor allem die privaten Verbraucher mit eigenen PV-Anlagen Schutz vor steigenden Energiepreisen. In den USA kämen die Subventionen aus dem Inflation Reduction Act (IRA) vor allem gewerblichen Angeboten zugute.

Preis für PV-Module um fast 50 Prozent gesunken

Wichtigste Ursache für die dynamische Entwicklung der Stromerzeugung aus Wind und Sonne sind nach Ansicht der IEA die sinkenden Kosten, insbesondere für Solarstrom. Die Preise für PV-Module seien im vergangenen Jahr um fast 50 Prozent gesunken. Ob dieser Trend anhält, ist allerdings fraglich.

Die Produktionskapazitäten hätten sich im Vergleich zu 2021 zwar verdreifacht und, berücksichtige man die im Bau befindlichen Fabriken für PV-Module, könnten schon im nächsten Jahr neue Module mit einer Leistung von 1,1 Millionen MW auf den Markt kommen, das Dreifache der erwarteten Nachfrage. Führender Anbieter bleibe China mit etwa 90 Prozent der verfügbaren Kapazität. In dem Bestreben von der Volksrepublik unabhängig zu werden, versuchten wichtige Akteure wie die USA, die EU und Indien jedoch, die eigene Produktion auszuweiten, was dort zu steigenden Kosten führen könne.

Sorgenkind Windkraftanlagen

Sorgen macht man sich in Paris um die Hersteller von Windrädern, die in den USA wie in der EU mit negativen Margen kämpfen. Steigende Kosten, Engpässe in der Rohstoffversorgung und steigende Zinsen machten der Branche zu schaffen. Lediglich in China sorge die Binnennachfrage und die vertikale Integration für eine höhere Widerstandsfähigkeit.

Außerhalb von China hat die IEA ihre Prognose für den Ausbau der Windkraft nach unten revidiert. 2028 erwartet man in Paris, dass 25 Prozent des Stroms aus Wind und Sonne erzeugt werden, doppelt so viel wie heute. In sieben EU-Staaten werden es voraussichtlich mehr als 50 Prozent und in Dänemark sogar 90 Prozent. Das werde zu einem immer höheren Redispatch führen, weil der Ausbau der Stromnetze damit nicht Schritt halte.

7 Prozent der Erneuerbaren-Projekte, die bis 2028 geplant seien, dienten der Herstellung von grünem Wasserstoff (45.000 MW. Drei Viertel davon würden voraussichtlich in den USA, China und Saudi-Arabien realisiert. Auch hier habe man die Prognosen nach unten revidiert. Die Investitionsentscheidungen für viele Projekte (außer in China) hätten sich verzögert, weil die Entwicklung eines internationalen Wasserstoffmarktes mit großen Unsicherheiten behaftet sei.

Donnerstag, 11.01.2024, 10:43 Uhr
Tom Weingrtner

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