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Energie & Management > Regenerative - Die Energiewende zwischen Vision und Wirklichkeit
Quelle: Fotolia / vencav
Regenerative

Die Energiewende zwischen Vision und Wirklichkeit

Der Ausbau der erneuerbaren Energien kommt weltweit voran. Das reicht aber nicht, um die auf der letzten Klimakonferenz anvisierten Erneuerbaren-Ziele zu erreichen.
Nach einem Bericht der Internationalen Energie-Agentur (IEA) in Paris haben nur 14 der 194 Vertragsstaaten ein verbindliches Ziel zum Ausbau der erneuerbaren Energien bis 2030 in ihren nationalen Klimaplänen (NDC) ausgewiesen.

Zusammen würden diese Länder bis dahin über 1,3 Millionen MW Leistung (davon 1,2 Millionen MW in China) verfügen. Das wären knapp 12 Prozent des anvisierten Ausbauzieles von weltweit 11 Millionen MW. Zwar gebe es in allen NDC Hinweise auf die Bedeutung der Erneuerbaren, mit Zahlen werde diese Bedeutung aber nur von 93 Staaten unterfüttert.

Orientiere man sich an allen klimapolitischen Absichten und Erklärungen der Vertragsstaaten (untersucht wurde 150 Staaten, die nahezu alle globalen Emissionen erzeugen), dann wären bis 2030 Anlagen mit etwa 8 Millionen MW Kapazität zur Nutzung erneuerbarer Energien verfügbar. Der größte Anteil entfalle auf die Sonnenenergie, gefolgt von Wind-, Wasserkraft und Bioenergie.

Würden die Vertragsstaaten ihre bislang verkündeten Ziele bis 2030 erreichen, dann würden 50 Prozent der installierten Kapazität auf die Photovoltaik entfallen und 26 Prozent auf die Windenergie. Während sich mehr als 60 Länder ein Ausbauziel für Wind und Solar gesetzt hätten, wäre das nur in 47 Ländern auch für die Wasserkraft der Fall.

China an der Spitze

Weniger als die Hälfte der Vertragsstaaten wollten ihre Erneuerbaren-Kapazität bis 2030 mehr als verdoppeln, einige würden auch ein deutlich höheres Tempo veranschlagen. An der Spitze lägen − nach China − die USA, Indien, Deutschland und Spanien. Insgesamt ergebe das von 2022 bis 2030 einen Anstieg um den Faktor 2,2. Allerdings geht die IEA davon aus, dass der Ausbau in China bereits in diesem Jahr die (erst für 2030 anvisierten) 1,2 Millionen MW erreicht. Bei Fortsetzung des Trends in der Volksrepublik würde die globale Erneuerbaren-Kapazität bis 2030 auf das 2,5fache (von 2022) ansteigen.

40 Prozent des geplanten Ausbaus der Erneuerbaren bis 2030 entfallen auf die Industrieländer, allen voran die Europäer. Letztere würden ihre Kapazität auf 1,6 Millionen MW verdoppeln, die USA und Kanada wollen bis 2030 rund 1 Million MW installieren. In den Schwellen- und Entwicklungsländern planen die Länder des Mittleren Ostens und Nordafrikas das höchste Wachstum, gefolgt von Afrika und Latein-Amerika.
Die meisten Länder müssten allerdings das Ausbau-Tempo der letzten Jahre deutlich erhöhen, um die selbst gesteckten Ziele zu erreichen, heißt es im Bericht der IEA. Um auch die Ziele des Pariser Klimaabkommens zu erreichen, müssten alle Vertragsstaaten (außer China) in den nächsten Jahren noch schneller vorankommen. Das gelte auch für die EU, die USA oder Indien, vor allem jedoch für Südost-Asien
(außer China), den Mittleren Osten und Afrika.

Selbst wenn alle Vertragsstaaten ihre national beschlossenen Ausbauziele erreichten, würde das globale Ziel von 11 Millionen MW erneuerbare Kapazität 2030 um 30 Prozent verfehlt. Um diese Lücke zu schließen, müssten Hindernisse, die den Ausbau weiter behinderten, beseitigt werden. Dazu gehörten unter anderem lange Genehmigungsfristen, zu geringe Investitionen in die Netze, Hindernisse für die Integration von Strom aus Wind und Sonne in das bestehende System und hohe Finanzierungskosten.

Die IEA empfiehlt den Pariser Vertragsstaaten deswegen die Planungs- und Genehmigungsverfahren weiter zu vereinfachen, die zuständigen Behörden besser auszustatten und die lokale Bevölkerung besser einzubinden. Um die Erneuerbaren besser integrieren zu können, müssten die Systeme flexibler werden, über mehr Speichermöglichkeiten verfügen und stärker digitalisiert werden. Die Finanzierung neuer Projekte könnte erleichtert werden, wenn sie in der Frühphase stärker gefördert und besser gegen Preis-, Inflations- und Wechselkursrisiken abgesichert würden.

Dienstag, 4.06.2024, 12:06 Uhr
Tom Weingrtner
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Quelle: Fotolia / vencav
Regenerative
Die Energiewende zwischen Vision und Wirklichkeit
Der Ausbau der erneuerbaren Energien kommt weltweit voran. Das reicht aber nicht, um die auf der letzten Klimakonferenz anvisierten Erneuerbaren-Ziele zu erreichen.
Nach einem Bericht der Internationalen Energie-Agentur (IEA) in Paris haben nur 14 der 194 Vertragsstaaten ein verbindliches Ziel zum Ausbau der erneuerbaren Energien bis 2030 in ihren nationalen Klimaplänen (NDC) ausgewiesen.

Zusammen würden diese Länder bis dahin über 1,3 Millionen MW Leistung (davon 1,2 Millionen MW in China) verfügen. Das wären knapp 12 Prozent des anvisierten Ausbauzieles von weltweit 11 Millionen MW. Zwar gebe es in allen NDC Hinweise auf die Bedeutung der Erneuerbaren, mit Zahlen werde diese Bedeutung aber nur von 93 Staaten unterfüttert.

Orientiere man sich an allen klimapolitischen Absichten und Erklärungen der Vertragsstaaten (untersucht wurde 150 Staaten, die nahezu alle globalen Emissionen erzeugen), dann wären bis 2030 Anlagen mit etwa 8 Millionen MW Kapazität zur Nutzung erneuerbarer Energien verfügbar. Der größte Anteil entfalle auf die Sonnenenergie, gefolgt von Wind-, Wasserkraft und Bioenergie.

Würden die Vertragsstaaten ihre bislang verkündeten Ziele bis 2030 erreichen, dann würden 50 Prozent der installierten Kapazität auf die Photovoltaik entfallen und 26 Prozent auf die Windenergie. Während sich mehr als 60 Länder ein Ausbauziel für Wind und Solar gesetzt hätten, wäre das nur in 47 Ländern auch für die Wasserkraft der Fall.

China an der Spitze

Weniger als die Hälfte der Vertragsstaaten wollten ihre Erneuerbaren-Kapazität bis 2030 mehr als verdoppeln, einige würden auch ein deutlich höheres Tempo veranschlagen. An der Spitze lägen − nach China − die USA, Indien, Deutschland und Spanien. Insgesamt ergebe das von 2022 bis 2030 einen Anstieg um den Faktor 2,2. Allerdings geht die IEA davon aus, dass der Ausbau in China bereits in diesem Jahr die (erst für 2030 anvisierten) 1,2 Millionen MW erreicht. Bei Fortsetzung des Trends in der Volksrepublik würde die globale Erneuerbaren-Kapazität bis 2030 auf das 2,5fache (von 2022) ansteigen.

40 Prozent des geplanten Ausbaus der Erneuerbaren bis 2030 entfallen auf die Industrieländer, allen voran die Europäer. Letztere würden ihre Kapazität auf 1,6 Millionen MW verdoppeln, die USA und Kanada wollen bis 2030 rund 1 Million MW installieren. In den Schwellen- und Entwicklungsländern planen die Länder des Mittleren Ostens und Nordafrikas das höchste Wachstum, gefolgt von Afrika und Latein-Amerika.
Die meisten Länder müssten allerdings das Ausbau-Tempo der letzten Jahre deutlich erhöhen, um die selbst gesteckten Ziele zu erreichen, heißt es im Bericht der IEA. Um auch die Ziele des Pariser Klimaabkommens zu erreichen, müssten alle Vertragsstaaten (außer China) in den nächsten Jahren noch schneller vorankommen. Das gelte auch für die EU, die USA oder Indien, vor allem jedoch für Südost-Asien
(außer China), den Mittleren Osten und Afrika.

Selbst wenn alle Vertragsstaaten ihre national beschlossenen Ausbauziele erreichten, würde das globale Ziel von 11 Millionen MW erneuerbare Kapazität 2030 um 30 Prozent verfehlt. Um diese Lücke zu schließen, müssten Hindernisse, die den Ausbau weiter behinderten, beseitigt werden. Dazu gehörten unter anderem lange Genehmigungsfristen, zu geringe Investitionen in die Netze, Hindernisse für die Integration von Strom aus Wind und Sonne in das bestehende System und hohe Finanzierungskosten.

Die IEA empfiehlt den Pariser Vertragsstaaten deswegen die Planungs- und Genehmigungsverfahren weiter zu vereinfachen, die zuständigen Behörden besser auszustatten und die lokale Bevölkerung besser einzubinden. Um die Erneuerbaren besser integrieren zu können, müssten die Systeme flexibler werden, über mehr Speichermöglichkeiten verfügen und stärker digitalisiert werden. Die Finanzierung neuer Projekte könnte erleichtert werden, wenn sie in der Frühphase stärker gefördert und besser gegen Preis-, Inflations- und Wechselkursrisiken abgesichert würden.

Dienstag, 4.06.2024, 12:06 Uhr
Tom Weingrtner

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