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Deutschland und Saudi-Arabien wolle in allen Energiebereichen enger kooperieren, insbesondere beim Wasserstoff.
Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) unterzeichnete am 1. Februar in Riad ein Memorandum of Understanding (MoU). Demnach wollen Deutschland und Saudi-Arabien ihre energiepolitische Zusammenarbeit deutlich ausweiten. Das Dokument wurde auch vom saudi-arabischen Energieminister Abdulaziz bin Salman bin Abdulaziz unterzeichnet. Es schafft laut der Ministerin einen strategisch-politischen Rahmen für die weitere Kooperation beider Länder im Energiesektor.
Das Abkommen ergänzt eine bereits 2021 geschlossene Absichtserklärung zur Zusammenarbeit beim Wasserstoff. Es gilt für alle Energiesektoren sowie für den Chemikalienbereich. Zu den inhaltlichen Schwerpunkten zählen unter anderem Carbon-Management-Technologien, Energieeffizienz, die digitale Transformation des Energiesektors, einschließlich Cybersicherheit und Künstlicher Intelligenz sowie der Aufbau sicherer und nachhaltiger Lieferketten. Zudem sieht das MoU vor, Public-Private-Partnerships und Unternehmenskooperationen zu fördern und den Austausch in multilateralen Foren zu intensivieren.
Reiche erklärte, in einem geopolitisch unsicheren Umfeld seien verlässliche Partnerschaften ein Beitrag zu Stabilität und Berechenbarkeit, sagte Reiche.
Die Umsetzung der Vereinbarung soll über den Austausch von Fachwissen, Delegationsreisen, gemeinsame Forschungsprojekte sowie Konferenzen und Fachveranstaltungen erfolgen. Grundlage ist der bilaterale Energiedialog, den Deutschland und Saudi-Arabien seit 2019 führen.
Große Delegation mit Wirtschaftsvertretern
Reiche hält sich vom 31. Januar bis 3. Februar in Saudi-Arabien auf. Sie wird von einer großen Wirtschaftsdelegation begleitet, darunter Vorstandschefs großer Unternehmen, Vertreter des Mittelstands und Start-ups. Ziel der Reise ist es laut Ministerium, die strategische Kooperation zu vertiefen und neue Impulse für Wachstum und Innovation zu setzen.
Ein konkretes Projekt der Zusammenarbeit betrifft den Import von Wasserstoff nach Deutschland. Das saudi-arabische Energieunternehmen ACWA Power, die EnBW Energie Baden-Württemberg AG mit Sitz in Karlsruhe, der Hafen Rostock sowie der Leipziger Gasimporteur VNG unterzeichneten in Riad eine entsprechende Absichtserklärung. Demnach soll grüner Ammoniak aus Saudi-Arabien nach Rostock geliefert und dort wieder in Wasserstoff umgewandelt werden.
Wasserstoff ab 2030 nach Rostock
Geplant sind Lieferungen aus der saudi-arabischen Hafenstadt Yanbu am Roten Meer. Für den Transport wird Wasserstoff in Ammoniak gebunden, da sich dieser Energieträger einfacher verflüssigen und lagern lässt. In Rostock soll ein sogenannter Cracker zum Einsatz kommen, den VNG entwickelt. Der so erzeugte Wasserstoff soll anschließend in das deutsche Wasserstoff-Kernnetz eingespeist werden.
ACWA Power erzeugt den Wasserstoff laut den Projektpartnern klimafreundlich mit Wind- und Solarstrom. Die Produktionsanlage für Wasserstoff und Ammoniak in Yanbu soll 2030 in den kommerziellen Betrieb gehen. ACWA prüft nach eigenen Angaben zudem eine Beteiligung an der Entwicklung und gegebenenfalls Finanzierung von Ammoniak-Infrastruktur in Deutschland.
Neben dem MoU auf Ministeriumsebene unterzeichneten deutsche und saudi-arabische Unternehmen nach Angaben des BMWE rund zehn weitere Absichtserklärungen. Sie betreffen unter anderem Energie, Wasserstoff, Künstliche Intelligenz, industrielle Wertschöpfung und Innovation. Reiche verwies darauf, dass Saudi-Arabien angesichts schwankender Ölpreise seine Wirtschaft breiter aufstellen wolle.
Saudi-Arabien investiert nach eigenen Angaben weiterhin in die Förderung fossiler Energieträger, baut zugleich aber erneuerbare Energien sowie Technologien zur Abscheidung und Speicherung von CO2 aus. Energieminister Abdulaziz bin Salman betonte, Energie müsse sicher, bezahlbar und nachhaltig sein. Der Klimawandel sei real, sagte er, zugleich müsse die wirtschaftliche Entwicklung berücksichtigt werden.
Deutschland ist der wichtigste Handelspartner Saudi-Arabiens innerhalb der Europäischen Union. Das bilaterale Handelsvolumen liegt bei über zehn Milliarden Euro.
Montag, 2.02.2026, 15:54 Uhr
Susanne Harmsen
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