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Energie & Management > E-World 2024 - Das Wasserstoff-Kernnetz jetzt füllen
Quelle: Shutterstock / r.classen
E-World 2024

Das Wasserstoff-Kernnetz jetzt füllen

Das Wasserstoff-Kernnetz, die Kraftwerkstrategie, die Wärmewende: An aktuellen Themen herrschte bei der Pressekonferenz von Zukunft Gas zur Eröffnung der E-world kein Mangel.
Nicht unzufrieden blickte Zukunft-Gas-Vorstand Timm Kehler auf das Jahr 2023 zurück, nicht ohne Stolz darauf, dass die Branche die Energiekrise weiterhin gut gemanagt hat. Oder dass der Transformationspfad hin zu grünem Wasserstoff vorliegt und die Politik die Weichen entsprechend gestellt hat, inklusive entsprechender Regulierung. Auch seien sich inzwischen alle Akteure darin einig, dass Moleküle auch in Zukunft für eine sichere Energieversorgung benötigt werden. Es gelte zwar noch, Einzelheiten zu debattieren, technische und finanzielle, aber das Grundsätzliche stehe nicht mehr infrage.

Für Kehler ist also klar: „Das Energiesystem der Zukunft wird aus erneuerbaren Energien und grünen Gasen bestehen.“ Allerdings sei der Energieverbrauch sowohl in der Industrie mit 278 Milliarden kWh im vergangenen Jahr rückläufig gewesen, als auch bei den Haushalten. Auf diese entfielen 267 Milliarden kWh. Den Gesamtverbrauch in Deutschland beziffert Zukunft Gas mit 813 Milliarden kWh, ein Rückgang von 4,3 Prozent im Vergleich zu 2022. Als besonders besorgniserregend wird in dem Zusammenhang die Lage der energieintensiven Industrie gesehen: Im Vergleich zu 2015 ist die Produktion hier um 20 Prozent zurückgegangen.

Verbrauch und Preise im Rückwärtsgang

Aber bei den Preisen weist der Trend nach unten. Von den Spitzenwerten, die nach dem Angriff Russlands auf die Ukraine aufgerufen wurden, ist man mittlerweile weit entfernt. Die geringe Nachfrage aufgrund der Wirtschaftsschwäche Chinas und die weltweit warme Wetterlage werden als Hauptgründe gesehen. Der Zukunft-Gas-Vorstand rechnet auch mittelfristig mit Preisen zwischen 20 und 40 Euro. Er gibt aber dabei zu Bedenken: „Billige Energie ist gut für die Wirtschaft, aber nicht für den CO2-Ausstoß.“

Zur Versorgungslage stellte Kehler fest, dass russisches Gas aus Europa weitgehend verschwunden ist: Nur noch 9 Prozent kommen hier noch an. Wichtigster LNG-Lieferant sind die USA, größter Importeur von Pipeline-Gas ist Norwegen. Der Importbedarf wird nach Einschätzung Kehlers hoch bleiben, die Produktion in Europa weiter abnehmen. In dem Zusammenhang sprach er die jüngsten Vereinbarungen zwischen Deutschland und Algerien an, die neben Wasserstoff- auch Gaslieferungen umfassen, ein Beispiel für integrierte Importstrategien, die an Bedeutung gewinnen sollten.

Dass die Kraftwerksstrategie jetzt vorankommt, begrüßte Kehler. Zugleich äußerte er jedoch Zweifel, ob die vorgesehenen 10.000 MW, die mit neuen Gaskraftwerken erzeugt werden sollen, ausreichen. Auch mit dem Umstieg von Kohle auf Erdgas tue man etwas fürs Klima, die CO2-Einsparung liege hier bei 65 Prozent. Darüber hinaus komme Deutschland beim Ausbau der Erneuerbaren zwar gut voran, hinke aber im internationalen Bereich hinterher. In Großbritannien liege der CO2-Fußabdruck um ein Drittel unter dem Deutschen – bei 50 Prozent niedrigeren Stromkosten.

Elektrolyseure: Planung gut, Umsetzung mangelhaft

Ein ähnliches Bild zeichnete der Zukunft-Gas-Vorstand beim Bau von Elektrolyseuren. Bei der Planung von Projekten sei man gerade gut unterwegs, bei der Realisierung hat sich im vergangenen Jahr verglichen mit 2022 nichts getan. Verzögerungen bei der Auszahlung von Fördergeldern nannte er als Grund.

Das Thema Wärmewende durfte bei der Pressekonferenz ebenfalls nicht fehlen. Kehler verwies darauf, dass die Diskussion darüber immerhin dazu geführt habe, dass in Deutschland gerade deutlich mehr Heizungen saniert werden. Es gelte zu realisieren, dass 48,3 Prozent der Gebäude hierzulande mit Gas und 23,4 Prozent mit Öl beheizt werden. Kehler warb für intelligente Kombinationslösungen, beispielsweise von Gasheizung und Wärmepumpe.

Als große Aufgabe für 2024 sieht man bei Zukunft Gas, das „Wasserstoffkernnetz zu füllen“. Es müsse festgelegt werden, wie die Infrastruktur genutzt wird, damit Stahlwerke und Kraftwerke bedient werden können. Es müssten Partnerschaften gestaltet und Importstrategien entwickelt sowie die Synchronisierung zwischen Brüssel und Berlin verbessert werden. Wann man erste greifbare Ergebnisse sehen kann? Beim Baubeginn erster Leitungen dürfte es schnell gehen, damit die Stahlwerke angeschlossen werden können. Auch mit Ammoniak werde man relativ rasch zu Ergebnissen kommen.

Angesprochen auf Kritik, die es im vergangenen Jahr an Zukunft Gas gegeben hatte, sprach Kehler vom Versuch, den Verband außerhalb eines demokratischen Diskurses zu diskreditieren. Der Vorstand verwies darauf, dass man mit 140 Mitgliedsunternehmen die komplette Kette der Gaswirtschaft abdecke und der Verband sich um wichtige Zukunftsthemen kümmern müsse, etwa Importe LNG. Auch brauche die Gasbranche eine Stimme auf internationaler Ebene, um die Interessen Deutschlands und Europas zum Beispiel gegenüber den USA zu vertreten.

Dienstag, 20.02.2024, 14:13 Uhr
Gnter Drewnitzky
Energie & Management > E-World 2024 - Das Wasserstoff-Kernnetz jetzt füllen
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E-World 2024
Das Wasserstoff-Kernnetz jetzt füllen
Das Wasserstoff-Kernnetz, die Kraftwerkstrategie, die Wärmewende: An aktuellen Themen herrschte bei der Pressekonferenz von Zukunft Gas zur Eröffnung der E-world kein Mangel.
Nicht unzufrieden blickte Zukunft-Gas-Vorstand Timm Kehler auf das Jahr 2023 zurück, nicht ohne Stolz darauf, dass die Branche die Energiekrise weiterhin gut gemanagt hat. Oder dass der Transformationspfad hin zu grünem Wasserstoff vorliegt und die Politik die Weichen entsprechend gestellt hat, inklusive entsprechender Regulierung. Auch seien sich inzwischen alle Akteure darin einig, dass Moleküle auch in Zukunft für eine sichere Energieversorgung benötigt werden. Es gelte zwar noch, Einzelheiten zu debattieren, technische und finanzielle, aber das Grundsätzliche stehe nicht mehr infrage.

Für Kehler ist also klar: „Das Energiesystem der Zukunft wird aus erneuerbaren Energien und grünen Gasen bestehen.“ Allerdings sei der Energieverbrauch sowohl in der Industrie mit 278 Milliarden kWh im vergangenen Jahr rückläufig gewesen, als auch bei den Haushalten. Auf diese entfielen 267 Milliarden kWh. Den Gesamtverbrauch in Deutschland beziffert Zukunft Gas mit 813 Milliarden kWh, ein Rückgang von 4,3 Prozent im Vergleich zu 2022. Als besonders besorgniserregend wird in dem Zusammenhang die Lage der energieintensiven Industrie gesehen: Im Vergleich zu 2015 ist die Produktion hier um 20 Prozent zurückgegangen.

Verbrauch und Preise im Rückwärtsgang

Aber bei den Preisen weist der Trend nach unten. Von den Spitzenwerten, die nach dem Angriff Russlands auf die Ukraine aufgerufen wurden, ist man mittlerweile weit entfernt. Die geringe Nachfrage aufgrund der Wirtschaftsschwäche Chinas und die weltweit warme Wetterlage werden als Hauptgründe gesehen. Der Zukunft-Gas-Vorstand rechnet auch mittelfristig mit Preisen zwischen 20 und 40 Euro. Er gibt aber dabei zu Bedenken: „Billige Energie ist gut für die Wirtschaft, aber nicht für den CO2-Ausstoß.“

Zur Versorgungslage stellte Kehler fest, dass russisches Gas aus Europa weitgehend verschwunden ist: Nur noch 9 Prozent kommen hier noch an. Wichtigster LNG-Lieferant sind die USA, größter Importeur von Pipeline-Gas ist Norwegen. Der Importbedarf wird nach Einschätzung Kehlers hoch bleiben, die Produktion in Europa weiter abnehmen. In dem Zusammenhang sprach er die jüngsten Vereinbarungen zwischen Deutschland und Algerien an, die neben Wasserstoff- auch Gaslieferungen umfassen, ein Beispiel für integrierte Importstrategien, die an Bedeutung gewinnen sollten.

Dass die Kraftwerksstrategie jetzt vorankommt, begrüßte Kehler. Zugleich äußerte er jedoch Zweifel, ob die vorgesehenen 10.000 MW, die mit neuen Gaskraftwerken erzeugt werden sollen, ausreichen. Auch mit dem Umstieg von Kohle auf Erdgas tue man etwas fürs Klima, die CO2-Einsparung liege hier bei 65 Prozent. Darüber hinaus komme Deutschland beim Ausbau der Erneuerbaren zwar gut voran, hinke aber im internationalen Bereich hinterher. In Großbritannien liege der CO2-Fußabdruck um ein Drittel unter dem Deutschen – bei 50 Prozent niedrigeren Stromkosten.

Elektrolyseure: Planung gut, Umsetzung mangelhaft

Ein ähnliches Bild zeichnete der Zukunft-Gas-Vorstand beim Bau von Elektrolyseuren. Bei der Planung von Projekten sei man gerade gut unterwegs, bei der Realisierung hat sich im vergangenen Jahr verglichen mit 2022 nichts getan. Verzögerungen bei der Auszahlung von Fördergeldern nannte er als Grund.

Das Thema Wärmewende durfte bei der Pressekonferenz ebenfalls nicht fehlen. Kehler verwies darauf, dass die Diskussion darüber immerhin dazu geführt habe, dass in Deutschland gerade deutlich mehr Heizungen saniert werden. Es gelte zu realisieren, dass 48,3 Prozent der Gebäude hierzulande mit Gas und 23,4 Prozent mit Öl beheizt werden. Kehler warb für intelligente Kombinationslösungen, beispielsweise von Gasheizung und Wärmepumpe.

Als große Aufgabe für 2024 sieht man bei Zukunft Gas, das „Wasserstoffkernnetz zu füllen“. Es müsse festgelegt werden, wie die Infrastruktur genutzt wird, damit Stahlwerke und Kraftwerke bedient werden können. Es müssten Partnerschaften gestaltet und Importstrategien entwickelt sowie die Synchronisierung zwischen Brüssel und Berlin verbessert werden. Wann man erste greifbare Ergebnisse sehen kann? Beim Baubeginn erster Leitungen dürfte es schnell gehen, damit die Stahlwerke angeschlossen werden können. Auch mit Ammoniak werde man relativ rasch zu Ergebnissen kommen.

Angesprochen auf Kritik, die es im vergangenen Jahr an Zukunft Gas gegeben hatte, sprach Kehler vom Versuch, den Verband außerhalb eines demokratischen Diskurses zu diskreditieren. Der Vorstand verwies darauf, dass man mit 140 Mitgliedsunternehmen die komplette Kette der Gaswirtschaft abdecke und der Verband sich um wichtige Zukunftsthemen kümmern müsse, etwa Importe LNG. Auch brauche die Gasbranche eine Stimme auf internationaler Ebene, um die Interessen Deutschlands und Europas zum Beispiel gegenüber den USA zu vertreten.

Dienstag, 20.02.2024, 14:13 Uhr
Gnter Drewnitzky

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