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Energie & Management > Biogas - Biogasbranche warnt vor politischem Stillstand
Quelle: Fotolia / Stephan Leyk
Biogas

Biogasbranche warnt vor politischem Stillstand

Der Fachverband Biogas hat neue Branchenzahlen veröffentlicht. Verbandsvizepräsident Christoph Spurk fordert eine nationale Strategie für Biogas und Biomethan.
Der Fachverband Biogas hat neue Branchenzahlen veröffentlicht. Die Auswertung basiert erstmals auf einer gemeinsamen Analyse mit dem Fraunhofer-Institut für Energiewirtschaft und Energiesystemtechnik IEE. Als Grundlage dienten die Daten aus dem Marktstammdatenregister, die mit den EEG-Daten verschnitten und ausgewertet wurden – und dadurch sehr viel umfangreicher und präziser sind als in den vergangenen Jahren, teilte der Verband am 10. März bei einer virtuellen Pressekonferenz mit.

Bei der Vorstellung der Zahlen forderte Christoph Spurk, Vizepräsident des Fachverbands Biogas, die Bundesregierung auf, ihren „Schlingerkurs zu beenden“ - hin zu einer nachvollziehbaren Energiewende. Spurk plädiert für eine nationale Strategie für Biogas und Biomethan. Viele EU-Staaten hätten entsprechende Programme aufgelegt, während Deutschland bisher keine eigene Strategie entwickelt habe. 

Es sei schwer nachzuvollziehen, dass in den vergangen vier Jahren fast alle EU-Staaten eine Biogas- und Biomethanstrategie entwickelt hätten, um ihre Volkswirtschaften nachhaltiger und resilienter zu machen - und sich der Technologieführer Deutschland diesem europäischen Prozess völlig verweigere. „Das schadet unserem Industriezweig“, sagt Spurk, und ergänzt: „Wir reden hier immerhin von einem Gesamtumsatz in Höhe von acht Milliarden Euro – inklusive wachsendem Auslandmarkt sogar von 9,6 Milliarden.“ 67.300 Arbeitsplätze, insbesondere im ländlichen Raum, hängen direkt oder indirekt an der Biogasnutzung.
 

Verbandspräsident Thomas Karle ergänzte: „Mit dieser neuen Datenbasis können wir nun sehr konkret beziffern, welchen Beitrag Biogasanlagen leisten. Dieses Potenzial gilt es, so sinnvoll wie möglich einzusetzen und so gut wie möglich auszubauen.“
 
Der aktuelle Branchenzahlenreport des Fachverbands Biogas als PDF
Quelle: Fachverband Biogas


Laut dem aktuellen Report existierten Ende 2025 in Deutschland 9.315 Biogasanlagen mit Vor-Ort-Verstromung sowie 290 Anlagen zur Aufbereitung zu Biomethan. Der gesamte Anlagenbestand erreicht damit 9.605 Anlagen.

Die Anlagen zur Stromerzeugung verfügen über eine installierte elektrische Leistung von 6.816 MW. Die Bemessungsleistung liegt bei 3.316 MW. Die Differenz von rund 3.500 MW bildet die technische Überbauung für eine flexible Fahrweise. Die Anlagen erzeugten im Jahr 2025 rund 29 Milliarden kWh (29 TWh) Strom aus Biogas. Verbandspräsident Karle verweist darauf, dass Betreiber ihre Anlagen zunehmend auf flexible Stromproduktion ausrichten. 

Die bei der Stromerzeugung im Blockheizkraftwerk (BHKW) anfallende Wärmemenge lag 2025 bei 32,3 Milliarden kWh, wovon laut Umfrage unter den Anlagenbetreibern 18,7 Milliarden kWh außerhalb der Biogasanlage genutzt wurden, also in Wohnungen, öffentlichen Einrichtungen oder in Industrieprozessen. „Diese Leistung wird in der aktuellen Diskussion um das Potenzial von Biogas häufig übersehen“, bedauert Karle. „Jede Kilowattstunde Biogaswärme vermeidet potenziell eine Kilowattstunde Erdöl und verringert den Bedarf an Erdgas.“

Biomethanproduktion nimmt zu

An Bedeutung gewinnt die Aufbereitung von Biogas zu Biomethan. Ende 2025 arbeiteten in Deutschland 290 entsprechende Anlagen. Sie erzeugten zusammen 12,8 Milliarden kWh Biomethan. Zusammen mit importiertem Biomethan von rund 3,5 Milliarden kWh ergäbe sich eine verfügbare Menge von etwa 16,3 Milliarden kWh. Diese Menge entspricht rund 6,3 Prozent des Erdgasverbrauchs im Wohnungssektor − und wäre damit relevant für die „Biotreppe“ beziehunsgweise die Grüngasquote des Gebäudemodernisierungsgesetzes (GMG), wie sie derzeit im Eckpunktepapier steht.

Der Fachverband Biogas zeigte sich abschließend erfreut, dass sich die installierte elektrische Leistung der Biogasanlagen insgesamt trotz der unzureichenden Rahmenbedingungen weiter positiv entwickelt hat. „Diese Tendenz zeigt, dass die Biogasanlagen immer flexibler werden und dadurch eine immer wichtigere Rolle für das Stromnetz spielen, was sowohl politisch als auch gesellschaftlich gefordert wird“, erklärt Karle. Insgesamt wurden im vergangenen Jahr 29 Milliarden kWh (29 TWh) Biogasstrom erzeugt.

Dienstag, 10.03.2026, 15:24 Uhr
Heidi Roider
Energie & Management > Biogas - Biogasbranche warnt vor politischem Stillstand
Quelle: Fotolia / Stephan Leyk
Biogas
Biogasbranche warnt vor politischem Stillstand
Der Fachverband Biogas hat neue Branchenzahlen veröffentlicht. Verbandsvizepräsident Christoph Spurk fordert eine nationale Strategie für Biogas und Biomethan.
Der Fachverband Biogas hat neue Branchenzahlen veröffentlicht. Die Auswertung basiert erstmals auf einer gemeinsamen Analyse mit dem Fraunhofer-Institut für Energiewirtschaft und Energiesystemtechnik IEE. Als Grundlage dienten die Daten aus dem Marktstammdatenregister, die mit den EEG-Daten verschnitten und ausgewertet wurden – und dadurch sehr viel umfangreicher und präziser sind als in den vergangenen Jahren, teilte der Verband am 10. März bei einer virtuellen Pressekonferenz mit.

Bei der Vorstellung der Zahlen forderte Christoph Spurk, Vizepräsident des Fachverbands Biogas, die Bundesregierung auf, ihren „Schlingerkurs zu beenden“ - hin zu einer nachvollziehbaren Energiewende. Spurk plädiert für eine nationale Strategie für Biogas und Biomethan. Viele EU-Staaten hätten entsprechende Programme aufgelegt, während Deutschland bisher keine eigene Strategie entwickelt habe. 

Es sei schwer nachzuvollziehen, dass in den vergangen vier Jahren fast alle EU-Staaten eine Biogas- und Biomethanstrategie entwickelt hätten, um ihre Volkswirtschaften nachhaltiger und resilienter zu machen - und sich der Technologieführer Deutschland diesem europäischen Prozess völlig verweigere. „Das schadet unserem Industriezweig“, sagt Spurk, und ergänzt: „Wir reden hier immerhin von einem Gesamtumsatz in Höhe von acht Milliarden Euro – inklusive wachsendem Auslandmarkt sogar von 9,6 Milliarden.“ 67.300 Arbeitsplätze, insbesondere im ländlichen Raum, hängen direkt oder indirekt an der Biogasnutzung.
 

Verbandspräsident Thomas Karle ergänzte: „Mit dieser neuen Datenbasis können wir nun sehr konkret beziffern, welchen Beitrag Biogasanlagen leisten. Dieses Potenzial gilt es, so sinnvoll wie möglich einzusetzen und so gut wie möglich auszubauen.“
 
Der aktuelle Branchenzahlenreport des Fachverbands Biogas als PDF
Quelle: Fachverband Biogas


Laut dem aktuellen Report existierten Ende 2025 in Deutschland 9.315 Biogasanlagen mit Vor-Ort-Verstromung sowie 290 Anlagen zur Aufbereitung zu Biomethan. Der gesamte Anlagenbestand erreicht damit 9.605 Anlagen.

Die Anlagen zur Stromerzeugung verfügen über eine installierte elektrische Leistung von 6.816 MW. Die Bemessungsleistung liegt bei 3.316 MW. Die Differenz von rund 3.500 MW bildet die technische Überbauung für eine flexible Fahrweise. Die Anlagen erzeugten im Jahr 2025 rund 29 Milliarden kWh (29 TWh) Strom aus Biogas. Verbandspräsident Karle verweist darauf, dass Betreiber ihre Anlagen zunehmend auf flexible Stromproduktion ausrichten. 

Die bei der Stromerzeugung im Blockheizkraftwerk (BHKW) anfallende Wärmemenge lag 2025 bei 32,3 Milliarden kWh, wovon laut Umfrage unter den Anlagenbetreibern 18,7 Milliarden kWh außerhalb der Biogasanlage genutzt wurden, also in Wohnungen, öffentlichen Einrichtungen oder in Industrieprozessen. „Diese Leistung wird in der aktuellen Diskussion um das Potenzial von Biogas häufig übersehen“, bedauert Karle. „Jede Kilowattstunde Biogaswärme vermeidet potenziell eine Kilowattstunde Erdöl und verringert den Bedarf an Erdgas.“

Biomethanproduktion nimmt zu

An Bedeutung gewinnt die Aufbereitung von Biogas zu Biomethan. Ende 2025 arbeiteten in Deutschland 290 entsprechende Anlagen. Sie erzeugten zusammen 12,8 Milliarden kWh Biomethan. Zusammen mit importiertem Biomethan von rund 3,5 Milliarden kWh ergäbe sich eine verfügbare Menge von etwa 16,3 Milliarden kWh. Diese Menge entspricht rund 6,3 Prozent des Erdgasverbrauchs im Wohnungssektor − und wäre damit relevant für die „Biotreppe“ beziehunsgweise die Grüngasquote des Gebäudemodernisierungsgesetzes (GMG), wie sie derzeit im Eckpunktepapier steht.

Der Fachverband Biogas zeigte sich abschließend erfreut, dass sich die installierte elektrische Leistung der Biogasanlagen insgesamt trotz der unzureichenden Rahmenbedingungen weiter positiv entwickelt hat. „Diese Tendenz zeigt, dass die Biogasanlagen immer flexibler werden und dadurch eine immer wichtigere Rolle für das Stromnetz spielen, was sowohl politisch als auch gesellschaftlich gefordert wird“, erklärt Karle. Insgesamt wurden im vergangenen Jahr 29 Milliarden kWh (29 TWh) Biogasstrom erzeugt.

Dienstag, 10.03.2026, 15:24 Uhr
Heidi Roider

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