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Energie & Management > Windkraft Onshore - Windenergie-Ausbau wächst nicht ausreichend
Quelle: Fachagentur Wind und Solar
Windkraft Onshore

Windenergie-Ausbau wächst nicht ausreichend

Der Bundesverband Windenergie und VDMA Power Systems sehen den Ausbau der Windkraft noch auf Kurs, fordern von der Bundesregierung aber Änderungen an EEG-Novelle und Netzanschlusspaket.
Der Ausbau der Windenergie an Land in Deutschland hat sich im ersten Halbjahr 2026 gegenüber dem Vorjahreszeitraum beschleunigt. Nach Angaben der Fachagentur Wind und Solar gingen Windenergieanlagen mit einer Leistung von 2.363 MW neu ans Netz. Das entspricht einem Plus von sieben Prozent gegenüber dem ersten Halbjahr 2025.

Die Fachagentur ermittelte die Daten im Auftrag des Bundesverbands Windenergie (BWE) und des Herstellerverbandes VDMA Power Systems. Insgesamt waren Ende Juni in Deutschland Windenergieanlagen mit einer Leistung von 69.952 MW in Betrieb. Nach Angaben der Verbände decken sie inzwischen nahezu ein Viertel der deutschen Stromversorgung.

Parallel zum Zubau wurden im ersten Halbjahr Windenergieprojekte mit einer Leistung von 9.100 MW genehmigt. Das Gesamtvolumen genehmigter Projekte stieg damit auf 48.100 MW. „Davon warten allerdings rund 19.000 MW noch auf einen Zuschlag in den Ausschreibungen nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG)“, schränkte Jürgen Quentin, Referent EEG der Fachagentur ein.

Die Genehmigungen seien beschleunigt worden, doch weder die konkreten Baugenehmigungen vor Ort noch die Netzanschlüsse und die Ausschreibungszusagen nach dem EEG hielten mit diesem Tempo mit. Daher dauere es wieder länger als im letzten Jahr, bevor eine Windkraftanlage tatsächlich errichtet sei und Strom liefert, bedauerte Quentin.

Ziele der Energiewende nicht erreichbar

Trotz der positiven Entwicklung sehen BWE und VDMA den Ausbau noch nicht auf dem gesetzlich vorgesehenen Pfad. Ziel seien jährlich 10.000 MW neuer Windenergieleistung. Die Prognose von 8.000 MW Zubau im Jahr 2026 sei zwar ambitioniert, aber erreichbar, sofern bestehende Hemmnisse bei Netzanschlüssen, Transport und Inbetriebnahme abgebaut würden.

Mit Blick auf die geplante Novelle des EEG und das Netzanschlusspaket übten die Verbände deutliche Kritik an den Plänen der Bundesregierung. BWE-Präsidentin Bärbel Heidebroek erklärte, die vorgesehenen Regelungen schafften keine ausreichende Investitionssicherheit. Die Gesetzesentwürfe des Bundeswirtschaftsministeriums (BMWE) drohten den weiteren Ausbau der Windenergie zu bremsen und müssten im weiteren Gesetzgebungsverfahren grundlegend überarbeitet werden.

Erhebliche Eingriffe in Wirtschaftlichkeit und Finanzierbarkeit neuer Projekte sieht Heidebroek durch den vorgesehenen Redispatchvorbehalt in Engpassgebieten. Die Ausweisung solcher Gebiete für sechs Jahre sei zu lang, der Schwellenwert von fünf Prozent Abregelung zu niedrig und der Entschädigungsverzicht von 10 bis 20 Prozent verhindere Investitionen. „Diese Festlegungen sind europarechtlich unzulässig“, resümierte sie. 
 
Vergleich Windkraftzubau 1. Hj. 2026 und Ziele nach EEG.
(Für Vollbild auf die Grafik klicken)
Quelle: FA Wind und Solar

Auch der Geschäftsführer des VDMA Power Systems Dennis Rendschmidt erklärte, die Industrie verfüge über ausreichende Produktionskapazitäten und könne auf eine steigende Nachfrage reagieren. Voraussetzung dafür seien jedoch langfristig verlässliche politische Rahmenbedingungen. Vor allem die Einschränkungen für Netzanschlüsse gefährden nach seiner Einschätzung Investitionen, Innovationen und den Ausbau einer widerstandsfähigen Energieversorgung.

Nach Auffassung der Verbände muss das Netzanschlusspaket vor allem den Ausbau und die Digitalisierung der Stromnetze beschleunigen. Der aktuelle Entwurf enthalte dafür nicht genügend Maßnahmen und könne durch Regelungen zu Engpassgebieten den Ausbau der Windenergie zusätzlich erschweren. Statt neuer Einschränkungen müsse die Bundesregierung den Ausbau der Verteilnetze beschleunigen und deren Finanzierung verbessern.

Zugleich begrüßen BWE und VDMA grundsätzlich das im Klimaschutzprogramm vorgesehene zusätzliche Ausschreibungsvolumen von 12.000 MW für die Windenergie an Land. Dieses könne dazu beitragen, einen größeren Teil der bereits genehmigten Projekte zu realisieren. Voraussetzung sei allerdings, dass neue Regelungen wie ein Redispatch-Vorbehalt oder Änderungen am Referenzertragsmodell die Wirkung des Zusatzvolumens nicht einschränkten.

Auch aus Baden-Württemberg kommt Kritik an den geplanten Änderungen des EEG. Im ersten Halbjahr wurden dort 33 neue Windenergieanlagen mit einer Leistung von 169 MW in Betrieb genommen. Laut der Plattform Erneuerbare Energien Baden-Württemberg (PEE BW) seien das zwar mehr Anlagen als im gesamten Jahr 2025, für die Ausbauziele des Landes reiche das jedoch nicht aus. In Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen waren es im gleichen Zeitraum je rund dreimal so viele. Gemeinsam mit weiteren Verbänden fordert sie deshalb ein eigenes Ausschreibungsvolumen für Süddeutschland sowie entsprechende Änderungen an der EEG-Novelle. (sh)

Donnerstag, 23.07.2026, 13:23 Uhr
Susanne Harmsen
Energie & Management > Windkraft Onshore - Windenergie-Ausbau wächst nicht ausreichend
Quelle: Fachagentur Wind und Solar
Windkraft Onshore
Windenergie-Ausbau wächst nicht ausreichend
Der Bundesverband Windenergie und VDMA Power Systems sehen den Ausbau der Windkraft noch auf Kurs, fordern von der Bundesregierung aber Änderungen an EEG-Novelle und Netzanschlusspaket.
Der Ausbau der Windenergie an Land in Deutschland hat sich im ersten Halbjahr 2026 gegenüber dem Vorjahreszeitraum beschleunigt. Nach Angaben der Fachagentur Wind und Solar gingen Windenergieanlagen mit einer Leistung von 2.363 MW neu ans Netz. Das entspricht einem Plus von sieben Prozent gegenüber dem ersten Halbjahr 2025.

Die Fachagentur ermittelte die Daten im Auftrag des Bundesverbands Windenergie (BWE) und des Herstellerverbandes VDMA Power Systems. Insgesamt waren Ende Juni in Deutschland Windenergieanlagen mit einer Leistung von 69.952 MW in Betrieb. Nach Angaben der Verbände decken sie inzwischen nahezu ein Viertel der deutschen Stromversorgung.

Parallel zum Zubau wurden im ersten Halbjahr Windenergieprojekte mit einer Leistung von 9.100 MW genehmigt. Das Gesamtvolumen genehmigter Projekte stieg damit auf 48.100 MW. „Davon warten allerdings rund 19.000 MW noch auf einen Zuschlag in den Ausschreibungen nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG)“, schränkte Jürgen Quentin, Referent EEG der Fachagentur ein.

Die Genehmigungen seien beschleunigt worden, doch weder die konkreten Baugenehmigungen vor Ort noch die Netzanschlüsse und die Ausschreibungszusagen nach dem EEG hielten mit diesem Tempo mit. Daher dauere es wieder länger als im letzten Jahr, bevor eine Windkraftanlage tatsächlich errichtet sei und Strom liefert, bedauerte Quentin.

Ziele der Energiewende nicht erreichbar

Trotz der positiven Entwicklung sehen BWE und VDMA den Ausbau noch nicht auf dem gesetzlich vorgesehenen Pfad. Ziel seien jährlich 10.000 MW neuer Windenergieleistung. Die Prognose von 8.000 MW Zubau im Jahr 2026 sei zwar ambitioniert, aber erreichbar, sofern bestehende Hemmnisse bei Netzanschlüssen, Transport und Inbetriebnahme abgebaut würden.

Mit Blick auf die geplante Novelle des EEG und das Netzanschlusspaket übten die Verbände deutliche Kritik an den Plänen der Bundesregierung. BWE-Präsidentin Bärbel Heidebroek erklärte, die vorgesehenen Regelungen schafften keine ausreichende Investitionssicherheit. Die Gesetzesentwürfe des Bundeswirtschaftsministeriums (BMWE) drohten den weiteren Ausbau der Windenergie zu bremsen und müssten im weiteren Gesetzgebungsverfahren grundlegend überarbeitet werden.

Erhebliche Eingriffe in Wirtschaftlichkeit und Finanzierbarkeit neuer Projekte sieht Heidebroek durch den vorgesehenen Redispatchvorbehalt in Engpassgebieten. Die Ausweisung solcher Gebiete für sechs Jahre sei zu lang, der Schwellenwert von fünf Prozent Abregelung zu niedrig und der Entschädigungsverzicht von 10 bis 20 Prozent verhindere Investitionen. „Diese Festlegungen sind europarechtlich unzulässig“, resümierte sie. 
 
Vergleich Windkraftzubau 1. Hj. 2026 und Ziele nach EEG.
(Für Vollbild auf die Grafik klicken)
Quelle: FA Wind und Solar

Auch der Geschäftsführer des VDMA Power Systems Dennis Rendschmidt erklärte, die Industrie verfüge über ausreichende Produktionskapazitäten und könne auf eine steigende Nachfrage reagieren. Voraussetzung dafür seien jedoch langfristig verlässliche politische Rahmenbedingungen. Vor allem die Einschränkungen für Netzanschlüsse gefährden nach seiner Einschätzung Investitionen, Innovationen und den Ausbau einer widerstandsfähigen Energieversorgung.

Nach Auffassung der Verbände muss das Netzanschlusspaket vor allem den Ausbau und die Digitalisierung der Stromnetze beschleunigen. Der aktuelle Entwurf enthalte dafür nicht genügend Maßnahmen und könne durch Regelungen zu Engpassgebieten den Ausbau der Windenergie zusätzlich erschweren. Statt neuer Einschränkungen müsse die Bundesregierung den Ausbau der Verteilnetze beschleunigen und deren Finanzierung verbessern.

Zugleich begrüßen BWE und VDMA grundsätzlich das im Klimaschutzprogramm vorgesehene zusätzliche Ausschreibungsvolumen von 12.000 MW für die Windenergie an Land. Dieses könne dazu beitragen, einen größeren Teil der bereits genehmigten Projekte zu realisieren. Voraussetzung sei allerdings, dass neue Regelungen wie ein Redispatch-Vorbehalt oder Änderungen am Referenzertragsmodell die Wirkung des Zusatzvolumens nicht einschränkten.

Auch aus Baden-Württemberg kommt Kritik an den geplanten Änderungen des EEG. Im ersten Halbjahr wurden dort 33 neue Windenergieanlagen mit einer Leistung von 169 MW in Betrieb genommen. Laut der Plattform Erneuerbare Energien Baden-Württemberg (PEE BW) seien das zwar mehr Anlagen als im gesamten Jahr 2025, für die Ausbauziele des Landes reiche das jedoch nicht aus. In Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen waren es im gleichen Zeitraum je rund dreimal so viele. Gemeinsam mit weiteren Verbänden fordert sie deshalb ein eigenes Ausschreibungsvolumen für Süddeutschland sowie entsprechende Änderungen an der EEG-Novelle. (sh)

Donnerstag, 23.07.2026, 13:23 Uhr
Susanne Harmsen

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