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Der Ausbau erneuerbarer Energien gerät politisch unter Druck. Vattenfall-Deutschlandchef Robert Zurawski warnt vor einer Verwässerung der Ziele und sieht Risiken für Investitionen.
Der Energiekonzern Vattenfall will den nördlich von Borkum geplanten Windpark Nordlicht ohne direkte Förderung bauen und über langfristige Stromabnahmeverträge absichern. Ob nach dem Ausstieg von BASF und der Rückgabe der Anteile an dem Cluster ein neuer Co-Investor einsteigt, ist laut Deutschlandchef Robert Zurawski offen. Für Projekte dieser Größe arbeite der Konzern grundsätzlich gern mit Industriepartnern zusammen. Die Gespräche seien jedoch noch nicht abgeschlossen, sagte Zurawski in einer Videokonferenz mit Journalisten der Wirtschaftspublizistischen Vereinigung Düsseldorf.
Der schwedische Energiekonzern plant in den kommenden fünf Jahren Investitionen von rund zehn Milliarden Euro. Zwischen 25 und 30 Prozent davon sollen nach Unternehmensangaben in Deutschland fließen. Vattenfall setzt dabei vor allem auf große Wind- und Solarparks sowie auf Batteriespeicher, die künftig eine stabilere Integration erneuerbarer Energien ins Stromsystem ermöglichen sollen. Diese Projekte gelten im Konzern als wichtiger Baustein der Dekarbonisierungsstrategie.
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Robert Zurawski, Deutschlandchef von Vattenfall, sieht in der Aufweichung der Ausbauziele für Erneuerbare eine Gefar für Investitionen Quelle: Vattenfall GmbH |
Zurawski ruft die Politik dazu auf, am schnellen Umbau der Energieversorgung festzuhalten. Eine Aufweichung der Ausbauziele für erneuerbare Energien würde Investitionen gefährden. Der Ausbau der Stromerzeugung müsse mit dem Netzausbau Schritt halten. Diskussionen über Einschränkungen beim vorrangigen Netzzugang für Ökostrom erzeugten Unsicherheit, warnte der Manager. „Das ist im Augenblick die große Gefahr.“
Deutschland gebe jährlich rund 80 Milliarden Euro für den Import fossiler Energien aus, sagte Zurawski. Diese Abhängigkeit schwäche die Wettbewerbsfähigkeit der Industrie und belaste zugleich Haushalte.
Die Stromkunden von Vattenfall spürten die Auswirkungen des Nahost-Kriegs derzeit noch kaum, da viele Lieferverträge langfristig abgesichert seien. Neukunden könnten nach Unternehmensangaben bis 2027 mit stabilen Preisen rechnen. Sollte der Konflikt länger andauern, rechnet Zurawski jedoch mit steigenden Gas- und Stromkosten.
Während Vattenfall in Schweden Small Modular Reactors plant, spielt diese Technologie in Deutschland derzeit keine Rolle. Ohne gesellschaftlichen Konsens über die Nutzung der Kernkraft sei ein Engagement hierzulande für das Unternehmen kein Thema, sagte Zurawski.
In Deutschland ist Vattenfall dagegen weiterhin am Rückbau von vier Kernkraftwerken beteiligt und übernimmt zwei Projekte selbst. Der Konzern rät der Politik, diese kostspieligen Arbeiten möglichst zu beschleunigen. Solange kein Endlager feststeht, könnten Zwischenlager für Castoren an wenigen Standorten gebündelt werden.
Dienstag, 10.03.2026, 11:26 Uhr
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