Gas-isolierte Schaltanlage im Umspannwerk Großgartach, ganz in der Nähe des SF-6-Herstellers Solvay übrigens. Quelle: Transnet BW
Der SF6-Hersteller Solvay setzt zu viel des klimaschädlichen Isoliergases frei. Das Regierungspräsidium Baden-Württemberg setzt deshalb die strenge Überwachung der Produktion fort.
Schwefelhexafluorid wird in Hochspannungsschaltanlagen als Isoliergas verwendet, wo es, in Röhren eingeschlossen, Kurzschlüsse verhindert. Allerdings sind nicht nur die Isoliereigenschaften des SF6 extrem: 24.000 Mal klimaschädlicher als CO2 soll es sein. Jetzt ist das Gas, das in der Anwendung jahrzehntelang abgekapselt wird und so erstmal unschädlich ist, schon bei der Produktion in die Atmosphäre gelangt. Und zwar in großen Mengen.
Ende 2025 waren, wie berichtet, entsprechende Messwerte von Wissenschaftlern bekannt geworden, was nicht nur die Herstellerfirma Solvay in Bad Wimpfen in ein schlechtes Licht rückte, sondern auch das baden-württembergische Umweltministerium, dem schlampige Überwachung vorgeworfen wurde. Schließlich handelte es sich nicht um Kleinkram: Statt der für 2023 vom Unternehmen angegebenen Menge von 56 Kilogramm Schwund bei der Herstellung, soll sich der Wert im Bereich von 30 Tonnen bewegt haben.
Als Konsequenz ordnete das Regierungspräsidium einen eng überwachten Testbetrieb zur Reduktion der SF6-Emissionen bis Mai 2026 an. Der brachte nicht die gewünschten Verbesserungen. Jetzt haben Solvay und das Land die Verlängerung des Testbetriebs bis mindestens 31. Januar 2027 vereinbart.
Größere technische Umbauten stehen bevor
Wie es in einer Mitteilung des Regierungspräsidiums heißt, würden die zulässigen Werte im regulären Anlagebetrieb zwar eingehalten. In einzelnen Betriebszuständen, so die Auswertungen, würde es aber weiter zu „deutlich höheren Emissionen“ kommen. Um diese zu reduzieren, seien größere technische Umbauten an den Anlagen erforderlich. „Diese werden während der nun folgenden Umsetzungsphase durch Messungen weiterhin eng begleitet und überwacht“, so die Behörde.
Der Betrieb in dieser Umsetzungsphase unterliege nach wie vor genauen Vorgaben, beispielsweise wie oft die Anlage maximal an- und abgefahren werden darf. Auch die externen Messungen, die neben eigenen Messungen von Solvay angeordnet wurden, sollen verstärkt werden und auf besonders emissionsträchtige Betriebszustände abzielen. „Durch dieses Messprogramm wird überprüft, ob die technischen Umbauten und deren Erprobung innerhalb der Anlage wie gewünscht zu weiteren Emissionsminderungen führen.“
Darüber hinaus soll ein enger Austausch mit Prof. Andreas Engel von der Goethe-Universität Frankfurt stattfinden, die die überhöhten Werte gemessen hatte. Engel wiederum plädierte schon damals in einem Interview dafür, den Ball flach zu halten: Wenn das Gas ersatzweise aus China bezogen werde, wäre die Klimabilanz wohl noch schlechter. Ganz ohne Emissionen gehe es bei der Produktion eben nicht, nur müssten die halt so niedrig wie möglich gehalten werden. Hinzu kommt ein weiterer Klimaaspekt: SF6 ist für den Bau von Umspann- und Schaltanlagen wichtig, die gerade für die Energiewende in großer Zahl benötigt werden.
Freitag, 29.05.2026, 10:15 Uhr
Günter Drewnitzky
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