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Energie & Management > Windkraft Onshore - Projektierer weg – Stotterstart für die Windkraft in Bruchsal
Diese Windkraft-Standorte suchen einen neuen Projekierer. Visualisierung: Stadt Bruchsal
Windkraft Onshore

Projektierer weg – Stotterstart für die Windkraft in Bruchsal

Die Windkraft im Kraichgau hat es nicht leicht. Für ihre Ökoenergie-Pläne musste die Stadt Bruchsal in einen Bürgerentscheid. Kaum ist der gewonnen, streicht ein Projektierer die Segel.
Zur Geduldsprobe wird ein Windenergie-Projekt im baden-württembergischen Bruchsal. Dem sieben Anlagen starken Park „Bruchsal Süd“ ist auf einmal der Projektierer abhanden gekommen. Die Energiequelle GmbH aus der Nähe von Berlin hat von ihrem Zugriffsrecht auf den Windpark überraschend Abstand genommen.

Das ist keine ganz so gute Nachricht für die Verantwortlichen in der Großen Kreisstadt vor den Toren Karlsruhes. Sie hatten für drei entstehende Windparks eigentlich alles in trockenen Tüchern und sahen sich auf anderem Feld gefordert. Denn in Bruchsal hatte sich grundsätzlicher Widerstand gegen die Erneuerbaren-Pläne formiert, der in einem Bürgerentscheid am 14. Dezember gipfelte.

Zu klären war jetzt die Frage, ob es eine Mehrheit in der Bevölkerung gegen einen Ratsbeschluss aus dem Mai 2025 gibt. Im Frühjahr hatte die örtliche Politik festgelegt, im Stadtgebiet Windkraftflächen mit verschiedenen Partnern zu entwickeln. Für die Zonen waren Verträge auch mit privaten Flächeneigentümern zu schließen.

Freude über gewonnenen Bürgerentscheid etwas getrübt

In dem Bürgerbegehren ging es speziell um die gemeinsame Vergabe von kommunalen und privaten Waldflächen im Windpark Süd und um die Entwicklung dieser Flächen durch einen Projektierer. Große Erleichterung bei den Ökoenergie-Befürwortern, dass eine Mehrheit von gut 58 Prozent der abgegebenen Stimmen nichts gegen die Pläne einzuwenden hatte. Absolut lag das Verhältnis bei 7.352 zu 5.294, die Ja-Stimmen überstiegen das erforderliche Quorum (20 Prozent) um 401 Stimmen. Die Beteiligung lag bei gut 36 Prozent.

Doch von Durchatmen ist in Bruchsal, das sich einen „Masterplan Erneuerbare Energien“ verordnet hat, noch keine Rede. Denn vom Rückzug des Projektierers, der Energiequelle GmbH, bekam die Kommune erst zwei Tage vor dem Bürgerentscheid Kenntnis. Eine Übereinkunft hatten Energiequelle und Stadt Bruchsal bereits im August erzielt, mussten aber den Ausgang des Bürgerentscheids abwarten. „Völlig überraschend“ sei diese Entwicklung für die Kommune, heißt es in einer Mitteilung.

Das Unternehmen aus dem brandenburgischen Zossen-Kallinchen macht gegenüber dieser Redaktion wirtschaftliche Gründe für den Ausstieg geltend. Die Kosten auf Projektentwicklungsebene seien gestiegen, gleichzeitig würden die Erlöse erwartbar sinken. Das sei das Ergebnis des ständig durchgeführten Projektcontrollings.

Für den Windpark „Bruchsal Süd“ hätten sich die wirtschaftlichen Parameter „so ungünstig entwickelt“, dass Energiequelle die Planungen stoppen musste. Unter „anderen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen“ könne der Park eine Chance haben, so lässt Frank Grohmann, Abteilungsleiter Projektmanagement in Baden-Württemberg, sich in der Antwort zitieren. Derzeit gebe es allerdings keine Hinweise, dass die Bundespolitik die Bedingungen für Windenergieprojekte „verbessern wird“.

Die weiteren Projektentwickler bleiben bei der Stange

Die anderen Projektentwickler sind im Unterschied zu Energiequelle offenbar keine Wackelkandidaten. In der gemeinsamen Gesellschaft „Windpark Bruchsal Nord GmbH & Co. KG“ wollen der Karlsruher Energieriese EnBW und die Stadtwerke Bruchsal GmbH drei Turbinen in privatem Offenland bauen. Den Windpark Ost hat die Kommune der Juwi GmbH aus Wörrstadt übertragen. Laut vorläufiger Planung sollen sechs Windenergieanlagen in einem Waldgebiet entstehen, das sich auf Bruchsaler und Kraichtaler Gebiet befindet. Bruchsal kommt so in Summe auf 13 Anlagen in drei Windparks, die Nachbarkommune Kraichtal auf drei.

Wie eine Sprecherin der Stadt Bruchsal gegenüber dieser Redaktion erklärte, werde der Rückzug von Energiequelle den Zeitplan für den Windpark „Bruchsal Süd“ etwas verzögern. Die Suche nach einem Ersatz-Projektierer werde wohl erst 2026 beginnen können. Aktuell sei die Kommune dabei, die Optionen zu sondieren.

Die Stadt vertritt den Standpunkt, dass ein Wechsel des Projektierers möglich sei und damit im Einklang mit dem Bürgerentscheid stehe. Auch mit dem nächsten möglichen Partner will die Stadt sich auf diese wesentlichen Vertragsinhalte verständigen: gesicherte Einnahmen, bestmögliche Absicherung von Risiken und breite Bürgerbeteiligung an den Windkraftanlagen.

Dienstag, 16.12.2025, 15:32 Uhr
Volker Stephan
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Windkraft Onshore
Projektierer weg – Stotterstart für die Windkraft in Bruchsal
Die Windkraft im Kraichgau hat es nicht leicht. Für ihre Ökoenergie-Pläne musste die Stadt Bruchsal in einen Bürgerentscheid. Kaum ist der gewonnen, streicht ein Projektierer die Segel.
Zur Geduldsprobe wird ein Windenergie-Projekt im baden-württembergischen Bruchsal. Dem sieben Anlagen starken Park „Bruchsal Süd“ ist auf einmal der Projektierer abhanden gekommen. Die Energiequelle GmbH aus der Nähe von Berlin hat von ihrem Zugriffsrecht auf den Windpark überraschend Abstand genommen.

Das ist keine ganz so gute Nachricht für die Verantwortlichen in der Großen Kreisstadt vor den Toren Karlsruhes. Sie hatten für drei entstehende Windparks eigentlich alles in trockenen Tüchern und sahen sich auf anderem Feld gefordert. Denn in Bruchsal hatte sich grundsätzlicher Widerstand gegen die Erneuerbaren-Pläne formiert, der in einem Bürgerentscheid am 14. Dezember gipfelte.

Zu klären war jetzt die Frage, ob es eine Mehrheit in der Bevölkerung gegen einen Ratsbeschluss aus dem Mai 2025 gibt. Im Frühjahr hatte die örtliche Politik festgelegt, im Stadtgebiet Windkraftflächen mit verschiedenen Partnern zu entwickeln. Für die Zonen waren Verträge auch mit privaten Flächeneigentümern zu schließen.

Freude über gewonnenen Bürgerentscheid etwas getrübt

In dem Bürgerbegehren ging es speziell um die gemeinsame Vergabe von kommunalen und privaten Waldflächen im Windpark Süd und um die Entwicklung dieser Flächen durch einen Projektierer. Große Erleichterung bei den Ökoenergie-Befürwortern, dass eine Mehrheit von gut 58 Prozent der abgegebenen Stimmen nichts gegen die Pläne einzuwenden hatte. Absolut lag das Verhältnis bei 7.352 zu 5.294, die Ja-Stimmen überstiegen das erforderliche Quorum (20 Prozent) um 401 Stimmen. Die Beteiligung lag bei gut 36 Prozent.

Doch von Durchatmen ist in Bruchsal, das sich einen „Masterplan Erneuerbare Energien“ verordnet hat, noch keine Rede. Denn vom Rückzug des Projektierers, der Energiequelle GmbH, bekam die Kommune erst zwei Tage vor dem Bürgerentscheid Kenntnis. Eine Übereinkunft hatten Energiequelle und Stadt Bruchsal bereits im August erzielt, mussten aber den Ausgang des Bürgerentscheids abwarten. „Völlig überraschend“ sei diese Entwicklung für die Kommune, heißt es in einer Mitteilung.

Das Unternehmen aus dem brandenburgischen Zossen-Kallinchen macht gegenüber dieser Redaktion wirtschaftliche Gründe für den Ausstieg geltend. Die Kosten auf Projektentwicklungsebene seien gestiegen, gleichzeitig würden die Erlöse erwartbar sinken. Das sei das Ergebnis des ständig durchgeführten Projektcontrollings.

Für den Windpark „Bruchsal Süd“ hätten sich die wirtschaftlichen Parameter „so ungünstig entwickelt“, dass Energiequelle die Planungen stoppen musste. Unter „anderen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen“ könne der Park eine Chance haben, so lässt Frank Grohmann, Abteilungsleiter Projektmanagement in Baden-Württemberg, sich in der Antwort zitieren. Derzeit gebe es allerdings keine Hinweise, dass die Bundespolitik die Bedingungen für Windenergieprojekte „verbessern wird“.

Die weiteren Projektentwickler bleiben bei der Stange

Die anderen Projektentwickler sind im Unterschied zu Energiequelle offenbar keine Wackelkandidaten. In der gemeinsamen Gesellschaft „Windpark Bruchsal Nord GmbH & Co. KG“ wollen der Karlsruher Energieriese EnBW und die Stadtwerke Bruchsal GmbH drei Turbinen in privatem Offenland bauen. Den Windpark Ost hat die Kommune der Juwi GmbH aus Wörrstadt übertragen. Laut vorläufiger Planung sollen sechs Windenergieanlagen in einem Waldgebiet entstehen, das sich auf Bruchsaler und Kraichtaler Gebiet befindet. Bruchsal kommt so in Summe auf 13 Anlagen in drei Windparks, die Nachbarkommune Kraichtal auf drei.

Wie eine Sprecherin der Stadt Bruchsal gegenüber dieser Redaktion erklärte, werde der Rückzug von Energiequelle den Zeitplan für den Windpark „Bruchsal Süd“ etwas verzögern. Die Suche nach einem Ersatz-Projektierer werde wohl erst 2026 beginnen können. Aktuell sei die Kommune dabei, die Optionen zu sondieren.

Die Stadt vertritt den Standpunkt, dass ein Wechsel des Projektierers möglich sei und damit im Einklang mit dem Bürgerentscheid stehe. Auch mit dem nächsten möglichen Partner will die Stadt sich auf diese wesentlichen Vertragsinhalte verständigen: gesicherte Einnahmen, bestmögliche Absicherung von Risiken und breite Bürgerbeteiligung an den Windkraftanlagen.

Dienstag, 16.12.2025, 15:32 Uhr
Volker Stephan

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