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Energie & Management > Strom - Kraftwerksausschreibungen werfen viele Fragen auf
Quelle: Jonas Rosenberger
Strom

Kraftwerksausschreibungen werfen viele Fragen auf

Die EU-Kommission hat Eckpunkte der Kraftwerksstrategie der Bundesregierung gebilligt. Darüber hinaus ist vieles noch sehr vage, so der Tenor eines Webinars.
Die genaue Ausgestaltung sei noch unklar. Das war eine der häufigsten Aussagen von Christoph Benkert. Der Enervis-Berater erläuterte in einem Webinar vor Journalisten die Kraftwerksstrategie der Bundesregierung. Sein Fazit: Die Eckpunkte sind bekannt, aber geht man in die Tiefe, stellt man fest, dass noch viele Einzelheiten zu klären sind. Dabei drängt die Zeit.

Bekanntlich hatte sich die Bundesregierung Mitte Januar mit der EU-Kommission auf die Eckpunkte der Kraftwerksstrategie verständigt. Kern der Einigung sind mehrere Ausschreibungsrunden von Erzeugungsleistung, die ab 2032 in einen Kapazitätsmarkt überführt werden sollen. Eine erste Ausschreibung von insgesamt 12.000 MW neuer gesicherter Leistung ist im zweiten Halbjahr 2026 vorgesehen.

Die 12.000 MW werden dabei in zwei Segmente aufgeteilt, so Benkert. Segment 1 umfasst 10.000 MW Anlagenleistung mit der Anforderung einer kontinuierlichen Erzeugungsmöglichkeit von mindestens zehn Stunden. Nach Einschätzung von Enervis laufe dies faktisch auf Gaskraftwerke hinaus.

Technologisch erwartet Enervis bei den Ausschreibungen im 10.000-MW-Segment vor allem Gas-und-Dampfanlagen, kurz GUD-Kraftwerke. Die zunächst mit Erdgas befeuerten Anlagen müssen zudem H2-ready sein, wobei die genaue Definition des Terminus „H2-ready“ und auch des eingesetzten Wasserstoffes noch aussteht.

Reine Gasturbinen oder Gasmotoren werden sich nach ersten Analysen des Hamburger Beratungshauses aufgrund fehlender Wirtschaftlichkeit vermutlich nicht bei den Ausschreibungen durchsetzen.

Ebenso dürften Batteriespeicher in Segment 1 aufgrund der Laufzeitanforderung kaum Chancen haben, da sie in der Regel keine zehn Stunden am Stück Strom liefern können. Stein- und Braunkohlekraftwerke sind generell nicht teilnahmeberechtigt.

Kraftwerke sollen überwiegend im stromarmen Süden entstehen

Zudem ist eine regionale Steuerung der geplanten Anlagen über den sogenannten Südbonus in Segment 1 vorgesehen. Die Kraftwerke sollen überwiegend im stromarmen Süden der Republik entstehen, wobei der „netztechnische Süden“ weitergefasst werden dürfte als Bayern und Baden-Württemberg. Erste Ideen gibt es dazu – aber eine klare Regelung steht noch aus.

Segment 2 umfasst 2.000 MW Kraftwerksleistung ohne Vorgabe einer kontinuierlichen Erzeugungsdauer, ohne Südbonus, und soll technologieneutral angelegt sein. Hier könnten sowohl neue Gaskraftwerke als auch Batteriespeicher deutschlandweit konkurrieren, so der Berater.

In diesem Segment hängt die Wettbewerbsfähigkeit von Batteriespeichern maßgeblich von der konkreten Ausgestaltung ab, etwa einer möglichen zusätzlichen Erlösabschöpfung, den Netzentgelten oder Baukostenzuschüssen.

Die beiden Ausschreibungsrunden beziehungsweise die Segmente 1 und 2 werden als sogenannte „T-minus-fünf-Ausschreibung“ bezeichnet. T-5 bedeutet, dass zwischen Ausschreibungsjahr 2026 und Beginn der Lieferperiode fünf Jahre liegen sollen. Folglich ist von der Bundesregierung geplant, dass die ersten Kraftwerke ab 2031 Strom liefern. Die Vergütung ist als Kapazitätszahlung in Euro pro MW und Jahr vorgesehen und soll über 15 Jahre laufen.

Neben der T-5-Runde sind weitere Ausschreibungen geplant. 2027 soll eine T-4-Ausschreibung stattfinden. T-4 bedeutet vier Jahre Vorlauf bis zum Lieferbeginn 2031. In dieser Runde soll der Bieterkreis erweitert werden und neben Neuanlagen sollen auch Bestandskraftwerke teilnehmen. Das Volumen wird mit 21.000 MW bis 26.000 MW angegeben. Genaue Ausgestaltung: unklar.

Eine weitere T-2-Ausschreibung ist 2029 vorgesehen, mit einer Erzeugungsleistung von 3.000 bis 8.000 MW. Hier beträgt der Vorlauf zwei Jahre bis zum Lieferbeginn 2031. In diesem Segment sollen zusätzlich auch Demand-Side-Management-Anlagen zugelassen werden. Zudem ist eine Teilnahme ausländischer Bieter vorgesehen. Die genaue Ausgestaltung fehlt auch hier.

Hingegen ist klar, dass die Zeit drängt. Laut Enervis-Berater sollte die Kraftwerkstrategie noch vor der parlamentarischen Sommerpause verabschiedet werden, damit in diesem Jahr die ersten Ausschreibungen im Segment 1 anlaufen können. Ob das so kommt: unklar.

Dienstag, 24.02.2026, 17:06 Uhr
Stefan Sagmeister
Energie & Management > Strom - Kraftwerksausschreibungen werfen viele Fragen auf
Quelle: Jonas Rosenberger
Strom
Kraftwerksausschreibungen werfen viele Fragen auf
Die EU-Kommission hat Eckpunkte der Kraftwerksstrategie der Bundesregierung gebilligt. Darüber hinaus ist vieles noch sehr vage, so der Tenor eines Webinars.
Die genaue Ausgestaltung sei noch unklar. Das war eine der häufigsten Aussagen von Christoph Benkert. Der Enervis-Berater erläuterte in einem Webinar vor Journalisten die Kraftwerksstrategie der Bundesregierung. Sein Fazit: Die Eckpunkte sind bekannt, aber geht man in die Tiefe, stellt man fest, dass noch viele Einzelheiten zu klären sind. Dabei drängt die Zeit.

Bekanntlich hatte sich die Bundesregierung Mitte Januar mit der EU-Kommission auf die Eckpunkte der Kraftwerksstrategie verständigt. Kern der Einigung sind mehrere Ausschreibungsrunden von Erzeugungsleistung, die ab 2032 in einen Kapazitätsmarkt überführt werden sollen. Eine erste Ausschreibung von insgesamt 12.000 MW neuer gesicherter Leistung ist im zweiten Halbjahr 2026 vorgesehen.

Die 12.000 MW werden dabei in zwei Segmente aufgeteilt, so Benkert. Segment 1 umfasst 10.000 MW Anlagenleistung mit der Anforderung einer kontinuierlichen Erzeugungsmöglichkeit von mindestens zehn Stunden. Nach Einschätzung von Enervis laufe dies faktisch auf Gaskraftwerke hinaus.

Technologisch erwartet Enervis bei den Ausschreibungen im 10.000-MW-Segment vor allem Gas-und-Dampfanlagen, kurz GUD-Kraftwerke. Die zunächst mit Erdgas befeuerten Anlagen müssen zudem H2-ready sein, wobei die genaue Definition des Terminus „H2-ready“ und auch des eingesetzten Wasserstoffes noch aussteht.

Reine Gasturbinen oder Gasmotoren werden sich nach ersten Analysen des Hamburger Beratungshauses aufgrund fehlender Wirtschaftlichkeit vermutlich nicht bei den Ausschreibungen durchsetzen.

Ebenso dürften Batteriespeicher in Segment 1 aufgrund der Laufzeitanforderung kaum Chancen haben, da sie in der Regel keine zehn Stunden am Stück Strom liefern können. Stein- und Braunkohlekraftwerke sind generell nicht teilnahmeberechtigt.

Kraftwerke sollen überwiegend im stromarmen Süden entstehen

Zudem ist eine regionale Steuerung der geplanten Anlagen über den sogenannten Südbonus in Segment 1 vorgesehen. Die Kraftwerke sollen überwiegend im stromarmen Süden der Republik entstehen, wobei der „netztechnische Süden“ weitergefasst werden dürfte als Bayern und Baden-Württemberg. Erste Ideen gibt es dazu – aber eine klare Regelung steht noch aus.

Segment 2 umfasst 2.000 MW Kraftwerksleistung ohne Vorgabe einer kontinuierlichen Erzeugungsdauer, ohne Südbonus, und soll technologieneutral angelegt sein. Hier könnten sowohl neue Gaskraftwerke als auch Batteriespeicher deutschlandweit konkurrieren, so der Berater.

In diesem Segment hängt die Wettbewerbsfähigkeit von Batteriespeichern maßgeblich von der konkreten Ausgestaltung ab, etwa einer möglichen zusätzlichen Erlösabschöpfung, den Netzentgelten oder Baukostenzuschüssen.

Die beiden Ausschreibungsrunden beziehungsweise die Segmente 1 und 2 werden als sogenannte „T-minus-fünf-Ausschreibung“ bezeichnet. T-5 bedeutet, dass zwischen Ausschreibungsjahr 2026 und Beginn der Lieferperiode fünf Jahre liegen sollen. Folglich ist von der Bundesregierung geplant, dass die ersten Kraftwerke ab 2031 Strom liefern. Die Vergütung ist als Kapazitätszahlung in Euro pro MW und Jahr vorgesehen und soll über 15 Jahre laufen.

Neben der T-5-Runde sind weitere Ausschreibungen geplant. 2027 soll eine T-4-Ausschreibung stattfinden. T-4 bedeutet vier Jahre Vorlauf bis zum Lieferbeginn 2031. In dieser Runde soll der Bieterkreis erweitert werden und neben Neuanlagen sollen auch Bestandskraftwerke teilnehmen. Das Volumen wird mit 21.000 MW bis 26.000 MW angegeben. Genaue Ausgestaltung: unklar.

Eine weitere T-2-Ausschreibung ist 2029 vorgesehen, mit einer Erzeugungsleistung von 3.000 bis 8.000 MW. Hier beträgt der Vorlauf zwei Jahre bis zum Lieferbeginn 2031. In diesem Segment sollen zusätzlich auch Demand-Side-Management-Anlagen zugelassen werden. Zudem ist eine Teilnahme ausländischer Bieter vorgesehen. Die genaue Ausgestaltung fehlt auch hier.

Hingegen ist klar, dass die Zeit drängt. Laut Enervis-Berater sollte die Kraftwerkstrategie noch vor der parlamentarischen Sommerpause verabschiedet werden, damit in diesem Jahr die ersten Ausschreibungen im Segment 1 anlaufen können. Ob das so kommt: unklar.

Dienstag, 24.02.2026, 17:06 Uhr
Stefan Sagmeister

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