Quelle: Shutterstock / Thanadon88
Ein Policy Brief der Universität Freiburg zeigt, wie Baden-Württemberg ein Kohlenstoffmanagement zur Erreichung der Klimaneutralität 2040 umsetzen kann.
Baden-Württemberg wird laut einem Policy Brief des Projekts „KoRPSA“ künftig auf ein systematisches Kohlenstoffmanagement angewiesen sein. Die Analyse entstand unter Leitung von Professorin Anke Weidlich von der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, einer Hochschule mit Schwerpunkt in Forschung und Lehre in Baden-Württemberg. Sie bündelt den aktuellen Stand zu Technologien und Infrastruktur und formuliert konkrete Optionen für die nächste Legislaturperiode.
Hintergrund ist das Klimaziel des Landes: Baden-Württemberg will bereits 2040 klimaneutral werden und damit fünf Jahre früher als Deutschland insgesamt. Laut dem Policy Brief setzt dies voraus, Emissionen konsequent zu vermeiden. Gleichzeitig entstünden in Industrien wie der Zement- und Kalkproduktion oder der Abfallverbrennung langfristig unvermeidbare CO2-Emissionen. Das Kohlenstoffmanagement soll diese Restemissionen adressieren und die Emissionsvermeidung ergänzen.
„Wenn wir Klimaneutralität erreichen und gleichzeitig den Industriestandort Baden-Württemberg sichern wollen, müssen wir jetzt ein integriertes Kohlenstoffmanagement auf den Weg bringen“, erklärt Anke Weidlich laut Mitteilung. Dieses müsse klar auf schwer vermeidbare Emissionen begrenzt bleiben.
Konkrete Empfehlungen an die PolitikDer Policy Brief empfiehlt, das Kohlenstoffmanagement verbindlich in Klima- und Industriestrategien zu verankern. Staatliche Förderung solle so ausgestaltet sein, dass sie keine zusätzlichen Emissionen begünstigt. Ziel sei es, Maßnahmen zur CO2-Abscheidung, Nutzung und Speicherung mit bestehenden Klimaschutzinstrumenten zu verzahnen.
Defizite sehen die Autorinnen und Autoren vor allem bei der Infrastruktur. Baden-Württemberg verfüge bislang weder über CO2-Abscheideanlagen noch über Transportnetze oder Speicherstätten. Laut Analyse wird das Land deshalb voraussichtlich auf überregionale Infrastrukturen angewiesen sein, etwa auf Speicher in der Nordsee. Voraussetzung sei, frühzeitig Anbindungen an Pipeline-Netze und multimodale Transportketten zu sichern und sich in nationale sowie europäische Planungen einzubringen.
Zudem verweisen die Forschenden auf die Notwendigkeit internationaler Abstimmung. Baden-Württemberg könnte aufgrund seiner Lage zu einem Knotenpunkt für grenzüberschreitende CO2-Infrastruktur werden. Dafür sei eine enge Zusammenarbeit mit Frankreich, der Schweiz und Österreich erforderlich.
Bessere Information nötigNeben technischen und regulatorischen Fragen hebt der Policy Brief die gesellschaftliche Dimension hervor. Da Konzepte des Kohlenstoffmanagements in der Bevölkerung bislang wenig bekannt seien, könne es zu Akzeptanzkonflikten kommen. Die Autorinnen und Autoren empfehlen daher einen kontinuierlichen Dialog mit Industrie, Kommunen sowie Umwelt- und Bürgerinitiativen. Dieser solle Ziele, Risiken und Alternativen transparent darstellen.
Unter Kohlenstoffmanagement verstehen die Forschenden ein Bündel von Maßnahmen: Dazu zählen Technologien, die CO2 daran hindern, in die Atmosphäre zu gelangen, Verfahren zur Entnahme von CO2 aus der Luft sowie die Nutzung und Speicherung des Gases. Ziel sei es, Kohlenstoffkreisläufe zu schließen und den Einsatz fossiler Rohstoffe zu reduzieren. Während die Abscheidung aus Abgasströmen als technisch weit entwickelt gilt, befinden sich Verfahren zur direkten CO2-Entnahme aus der Luft laut Policy Brief noch in einem frühen Stadium.
Das Projekt „KoRPSA“ untersucht Strategien für das Kohlenstoffmanagement in der Oberrhein-Region. Beteiligt sind neben der Universität Freiburg das Karlsruher Institut für Technologie, eine technisch-naturwissenschaftliche Forschungsuniversität, sowie das Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung ISI, das sich mit Innovationsanalysen befasst. Das Projekt ist Teil des Innovationscampus Nachhaltigkeit, einer gemeinsamen Initiative von Universität Freiburg und KIT.
Die
Publikation des Projekts „KoRPSA“ steht im Internet bereit.
Mittwoch, 18.03.2026, 12:21 Uhr
© 2026 Energie & Management GmbH